Fragen und Antworten

7 Fragen & Antworten zum Cochlea-Implantat Häufig gestellte Fragen über Hörimplantate und deren Antworten

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Mai 2020
In der Sammlung Rehabilitation
Lesedauer: 5 Minuten

Die Entscheidung für ein Cochlea-Implantat fällt nicht von heute auf morgen. Über Wochen tauchen zahlreiche Fragen auf. Explore Life beantwortet hier die wichtigsten.

Das Wichtigste zum Thema Cochlea-Implantat

1. Wie funktioniert das Hören?

Das Ohr lässt sich in drei Abschnitte unterteilen: das Außenohr, das Mittelohr und das Innenohr. Jedes Geräusch verursacht Schwingungen in der Luft: die so genannten Schallwellen. Dringen Schallwellen an das Ohr, gelangen sie erst an das Außenohr. Es funktioniert im Prinzip wie ein Trichter und bündelt den Schall. Am Übergang zwischen Außen- und Mittelohr liegt das Trommelfell, das durch die Schallwellen in Schwingung versetzt wird.

Die Gehörknöchelchen des Mittelohrs – Hammer, Amboss und Steigbügel – übertragen die Schwingungen an das Innenohr. Dort befindet sich u.a. die Hörschnecke (Cochlea). Sie ist mit einer Flüssigkeit gefüllt und besitzt spezifische Zellen. Durch die Bewegung der Flüssigkeit werden diese so genannten Haarzellen in der Cochlea aktiviert und lösen Signale aus, die vom Hörnerv aufgenommen werden. Die Informationen gelangen über den Hörnerv ins Gehirn, wo sie schließlich interpretiert werden.

Gehör

Wie Hören funktioniert

Das Hören ist ein komplexer und faszinierender Vorgang. Unsere Ohren und unser Gehirn arbeiten zusammen, damit wir die Welt um uns herum hören können.

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2. Was ist ein Cochlea-Implantat und wie funktioniert es?

Das Cochlea-Implantat (CI) ersetzt jene Teile des Innenohrs, die nicht mehr funktionieren. Dort, wo die Haarzellen fehlen, stimuliert das Gerät die Nervenfasern in der Cochlea direkt, und zwar durch elektrische Impulse.

Ein CI besteht aus zwei Teilen: dem Implantat und dem externen Audio- oder Sprachprozessor. Die Elektroden des Implantats werden in die Cochlea eingeführt, die Empfangsspule wird hinter dem Ohr unter der Haut platziert. Der Sprachprozessor haftet mit Hilfe von Magneten außen am Kopf über dem Implantat. Der externe Teil des CI, der Prozessor, fängt Klangsignale auf und sendet sie elektronisch an das Implantat. Die Elektroden in der Cochlea stimulieren schließlich den Hörnerv.

Die Elektroden sind in medizinisches Silikon gebettet; für die Gehäuse werden Keramik und Titan verwendet. Alle Materialien sind biokompatibel, das heißt, sie werden vom Körper gut vertragen.

3. Was ist der Unterschied zwischen CI und Hörgerät?

Hörgeräte und Cochlea-Implantate werden verwendet, um Hörverlust zu behandeln. Ihre Technologie und ihre Anwendungsgebiete sind jedoch unterschiedlich.

Hörgeräte verstärken Töne und reduzieren Umgebungsgeräusche für Menschen, die von leichtem bis mittlerem Hörverlust betroffen sind. Cochlea-Implantate hingegen helfen bei schwerem bis hochgradigem Hörverlust, wenn Haarzellen im Innenohr beschädigt sind und Schallinformationen nicht richtig verarbeitet und weitergeleitet werden können. Ein Cochlea-Implantat umgeht diese beschädigten Haarzellen und sendet elektrische Signale an das Gehirn, wo diese als Töne interpretiert werden.

Sind demnach ganze Teile des Gehörgangs beeinträchtigt, hilft die bloße Verstärkung von Tönen durch Hörgeräte nicht. Hörimplantate können das Hörvermögen wiederherstellen und kommen also dann zum Einsatz, wenn Hörgeräte nicht mehr helfen.

CI

Das Cochlea-Implantat

Ein Cochlea-Implantat ist ein Hörimplantat, das hunderttausenden Menschen jeden Tag hilft zu hören. Aber wie genau funktionieren CIs? Hier das Wichtigste über Cochlea-Implantate: was diese sind, wie sie funktionieren und wer davon profitieren kann.

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4. Wer braucht ein CI?

Ein Cochlea-Implantat ist eine mögliche Lösung für Menschen mit schwerer bis hochgradiger Schallempfindungsschwerhörigkeit (auch „Schallempfindungsstörung“ oder „Innenohrschwerhörigkeit“ genannt). Ob ein CI im Einzelfall in Frage kommt, beurteilt ein Team aus HNO-Ärzten und Audiologen/Logopäden.

Voraussetzung für die Implantation ist ein solider Gesundheitszustand. Bei guter Allgemeinverfassung ist es aus medizinischer Sicht also einerlei, ob der Patient ein Jahr alt ist oder 95. Wichtig ist auch, wie lange die jeweilige Person vor der Versorgung mit einem CI bereits schwerhörig war. In der Regel gilt: Je schneller ein Patient mit einem CI versorgt wird, desto besser das Ergebnis.

Was Kinder betrifft, kann ein Cochlea-Implantat nur dann helfen, wenn das Gehirn auch in der Lage ist, die eingehenden Signale zu verarbeiten. Dafür müssen in der frühkindlichen Entwicklung die entsprechenden Gehirnstrukturen ausgebildet werden. Kinder profitieren deshalb am meisten von einer frühzeitigen Implantation zwischen dem 6. Monat und dem 2. Lebensjahr. Aber auch nach dem zweiten Geburtstag ist die Tür nicht verschlossen: Ist es medizinisch sinnvoll, werden Kinder in der Regel auch zu einem späteren Zeitpunkt versorgt.

5. Wie viel kostet ein Cochlea-Implantat?

Die Kosten einer Cochlea-Implantat-Versorgung hängen prinzipiell stark vom jeweiligen Gesundheits- und Versicherungssystem ab. Ein CI einschließlich darauffolgender Reha-Maßnahmen kostet in etwa so viel wie ein Mittelklassewagen. Die Kosten für ein CI und die Operation werden jedoch in der Regel – im Gegensatz zum Hörgerät – von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. In besonderen Fällen besteht zusätzlich Anspruch auf finanzielle Unterstützung.

Prinzipiell gilt jedoch, sich bezüglich einer Kostenübernahme an Hörexperten, entsprechende Krankenkassen und Versicherungen zu wenden.

6. Gibt es einen Unterschied zwischen dem Hören mit CI und dem normalen Hören?

Ja, vor allem zu Beginn wird Sprache häufig als unnatürlich, blechern und monoton wahrgenommen, und es ist noch schwierig, einzelne Stimmen voneinander zu unterscheiden. Daher ist das Hörtraining im Anschluss an die Operation so wichtig: Nach einer Eingewöhnungsphase und der Einstellung des Audioprozessors durch den Audiologen/Logopäden verbessert sich das Hörvermögen meist deutlich.

Die meisten langjährigen CI-Träger geben an, dass sich Sprache später kaum noch anders anhört als normal; manche nehmen gar keinen Unterschied mehr wahr. Musik stellt eine extra Herausforderung dar: Das Gehirn muss erst lernen, einzelne Töne und Klänge voneinander zu unterscheiden. Das dauert meist länger als die Einstellung auf die Sprache.

7. Was passiert in der Rehabilitation und wie lange dauert sie?

Eine Brille kann eine Sehschwäche sofort korrigieren. Ein CI funktioniert anders: Das Tragen eines CI allein garantiert noch kein normales Sprachverstehen. Das Hören muss erst geübt werden. Dafür gibt es das Hörtraining, das nach der Anpassung des Sprachprozessors beginnt. Dabei lernen die CI-Nutzer unter anderem, einzelne Wörter und Geräusche zu erkennen, sie üben das Verstehen im Störschall, sie telefonieren und trainieren Musik zu hören.

Wie lange die Rehabilitation dauert, ist von mehreren Faktoren abhängig – allen voran von der Motivation des CI-Trägers. Bei Erwachsenen dauert sie im Durchschnitt sechs bis zwölf Monate, bei Babys und Kleinkindern mehrere Jahre.

Es ist wichtig, mit realistischen Erwartungen an eine Implantation heranzugehen. Hörimplantate verbessern die Hörleistung zwar, können den Hörverlust aber nicht komplett ausgleichen – vor allem in komplexen Situationen, wie etwa bei starken Hintergrundgeräuschen. Das Ergebnis hängt stark von der Motivation und dem Trainingseinsatz des Nutzers ab.

MED-EL

Rehabilitation

„Der wichtigste Schritt zum Hören ist die Rehabilitation.“ Hören mit einem Cochlea-Implantat muss erlernt und laufend geübt werden. Die Rehabilitation ist daher essentiell - MED-EL unterstützt dabei.

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