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Altersloses Hören Wie ältere Menschen ihr Gehör wieder zurückbekommen können

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Oktober 2018
In der Sammlung Alter
Lesedauer: 3 Minuten

Wer im Alter gut hört, bleibt selbstständig, körperlich aktiv und geistig rege. Wenn Hörgeräte nicht mehr ausreichen, helfen Cochlea-Implantate beim Wiedereintritt in die Welt des Hörens.

Problem Gehörlosigkeit

Menschen sind soziale Wesen und auf Beziehungen zu anderen angewiesen: Wir brauchen den Dialog, um ein Gefühl für unsere Individualität zu entwickeln und uns zugehörig zu fühlen. Die Voraussetzung für Kommunikation ist eine gemeinsame Sprache. Was aber, wenn wir zwar alle eine Sprache sprechen – immer mehr Menschen sie jedoch nicht mehr hören können?

Bis zu 60 Prozent schwerhörig

Die Hörfähigkeit nimmt bei vielen Menschen mit zunehmendem Alter ab. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Zahl der Menschen mit altersbedingtem Hörverlust auf 300 Millionen; das ist vergleichbar mit der Einwohnerzahl der USA. In den Industrieländern sind zwischen 50 und 60 Prozent der über 70-Jährigen schwerhörig.

Der medizinische Fachausdruck für Altersschwerhörigkeit lautet Presbyakusis. Sie ist eine Folge des körperlichen Alterungsprozesses. Typischerweise handelt es sich um eine beidseitige, symmetrische, zunehmende Innenohrschwerhörigkeit, die in den hohen Frequenzen beginnt. Dazu kommen Probleme beim Verstehen von Gesprächen bei Hintergrundgeräuschen, im Restaurant etwa. Im Lauf ihrer Jahre hören die Menschen also immer schlechter; und so mancher kommuniziert daher immer seltener. Viele schwerhörige Senioren isolieren sich zusehends, was wiederum zu Depressionen führen kann. Wissenschaftlich untersucht wird derzeit auch ein Zusammenhang zwischen Schwerhörigkeit und Demenz.

Nichthören blockiert das Denken

In den letzten Jahren bestätigten wissenschaftliche Studien auch einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Hören und Denken: Wer angestrengt versucht, Sprache zu verstehen, hat kaum mehr ausreichend Denkleistung übrig für andere Dinge.

Ein weiterer Zusammenhang besteht zwischen eingeschränktem Hörvermögen und Stürzen: Studien zeigten, dass selbst eine geringe Schwerhörigkeit das Sturzrisiko um das Dreifache erhöhen kann. Gehen und Gleichgewicht halten sind kognitiv sehr anspruchsvoll. Wenn Schwerhörigkeit den Menschen geistig beansprucht, bleiben für das sichere Fortkommen weniger Ressourcen übrig. Viele schwerhörige Senioren haben Angst zu stürzen und bewegen sich deshalb kaum mehr. Durch diese fehlende Bewegung aber erhöhen sie ihr Sturzrisiko zusätzlich.

Wie gut Senioren hören, hat damit auch gesellschaftliche Relevanz. Denn: Ältere Menschen mit funktionierendem Gehör sind unabhängiger, agiler und stärker in einer Gemeinschaft verankert als schlecht Hörende. Je selbstständiger ältere Personen sind, desto weniger Geld ist notwendig, um Pflege, Hilfen und Heimplätze zu finanzieren.

Kein Alterslimit für Implantat

Bei einer hochgradigen Hörstörung ermöglicht ein Cochlea-Implantat (CI), mit Hightech wieder zu hören und kann dazu beitragen, dass Senioren selbstständig, geistig und körperlich aktiv und in der Gesellschaft integriert bleiben.

Cochlea-Implantate werden seit über 30 Jahren erfolgreich eingesetzt. Aus medizinischer Sicht gibt es nach oben hin keine Altersgrenze für die Versorgung mit einem CI. Zwischen älteren und jüngeren Erwachsenen mit CI finden sich kaum Unterschiede beim Sprachverständnis in einem leisen Umfeld. Leichte Abweichungen bestehen allerdings in komplexen Hörsituationen: Das Gehirn tut sich im Alter generell schwerer, Sprache von Hintergrundgeräuschen zu unterscheiden; diesen Umstand kann auch ein Implantat nicht ganz kompensieren.

Ob das Hören mit CI gut funktioniert, hängt von mehreren Faktoren ab: Gute Chancen haben beispielsweise Patienten, die grundsätzlich geistig rege und aktiv sind, deren Gehör nach der Implantation regelmäßig trainiert wird, und solche, die vor der Operation noch nicht allzu lange schwerhörig waren. In der Regel gilt: Je früher implantiert wird, desto besser ist das Ergebnis.

Zahlreiche voneinander unabhängige Studien zeigten, dass ein CI samt anschließender Rehabilitation bei älteren und hochbetagten Menschen mehrere Vorteile bringt: Sie verstehen Sprache besser als vor der Implantation, sie haben mehr soziale Kontakte, eine höhere Lebensqualität und mehr Selbstvertrauen. Kurz: Sie erleben die gemeinsame Sprache wieder.

Risikoarme Operation

Die Implantation eines Cochlea-Implantats dauert zwischen einer und etwa zwei Stunden.

In CI-Kliniken ist der Eingriff Routine. Wichtig ist es, Erkrankungen vor der Operation gut einzustellen; gewisse Medikamente müssen kurzfristig abgesetzt werden. Thomas Keintzel, Vorstand der HNO-Abteilung am Klinikum Wels-Grieskirchen, Österreich, implantiert seit zehn Jahren. Er sagt: „Komplikationen sind zum Glück äußerst selten. Gelegentlich kann es zu einer vorübergehenden Beeinträchtigung des Geschmackssinns kommen. Postoperativer Schwindel tritt sehr selten in Form eines Drehschwindels auf und klingt zumeist nach drei bis vier Tagen wieder ab.“

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