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Bewegt Euch

Mehr Bewegung in den Kinderalltag? Eine gute Idee. Vor allem, wenn man bedenkt, was Bewegung alles im Menschen auslösen kann: Sie macht schlau, fröhlich und fördert soziales Handeln.

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: 22.07.2016
In der Sammlung Kinder
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Kinder,

bewegt euch! Wer das fordert, denkt meist an die körperliche Gesundheit: an Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes – allesamt durch einen aktiven Lebensstil zumindest beeinflussbar. Bewegung kann jedoch viel mehr als den Körper fit zu halten.

Kommunizieren zum Beispiel. „Bewegung ist die Urmuttersprache, in der das Kind mit seiner Umwelt kommuniziert, noch bevor es sprechen lernt“, sagt Heidi Samonig, Kinderphysiotherapeutin in Graz, Österreich. „Über die Bewegung machen Kinder auch Erfahrungen mit der Umwelt. Sie entwickeln Handlungs- kompetenz und Persönlichkeit.“ Erst wer einen Ball wirft, lernt das Prinzip der Beschleunigung kennen. Und wer von der Schaukel fällt, erfährt die Bedeutung der Schwerkraft – und lernt, seinen Körper besser zu koordinieren. Koordination, Geschicklichkeit, Selbstwert und Ausdauer – Kinder, die sich zu wenig bewegen, haben in diesen Bereichen oft Defizite.

Sogar das Sozialverhalten kann durch Sport beein usst werden. Und zwar nicht nur, weil man dabei oft Teamarbeit, Fairness und Verlieren lernen muss: Aktuelle Studien zeigen, dass die starke Beanspruchung der Muskeln Aufmerksamkeit, Emotionsregulation, Impulskontrolle und Frustrationstoleranz positiv beeinflusst. Genau jene Fähigkeiten, die man in den Klassenzimmern immer häufiger vermisst.

Eine mögliche Lösung: Mehr Bewegung in die Kindergärten und Schulen. Das fordert die Psychomotorik, eine Lehre, die sich mit dem Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Psyche beschäftigt. „Bewegung ist ein Grundbedürfnis wie Essen und Trinken“, meint Otmar Weiß, Leiter des Universitätslehrgangs für Psychomotorik an der Universität Wien in Österreich. „Nur wenn dieses Bedürfnis befriedigt ist, können Kinder auch andere Dinge lernen.“

Denksport wörtlich genommen

Apropos Lernen: Forschungsergebnisse zeigen, dass körperliche Aktivität sogar die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn anregt. Und weil Bewegung die Gehirndurchblutung steigert, entstehen ideale Bedingungen, um diese Nervenzellen auch miteinander zu vernetzen. Zusätzlich erhöht sich die Zahl von Neurotransmittern, die Signale zwischen den Nervenzellen übermitteln. Fördert also Bewegung die Intelligenz? Die Bewegungsneurowissenschaft meint: Ja.

Und sie ist ein Heilmittel gegen Stress. „In jeder Hinsicht, von der mikrozellulären bis zur psychologischen Ebene, kann Bewegung nicht nur die Auswirkungen von chronischem Stress verhindern. Sie kann sie sogar wieder rückgängig machen“, schreibt Brain-Fitness-Guru John J. Ratey, Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School, in seinem Buch „Spark: The Revolutionary New Science of Exercise and The Brain“.

Vor allem aber macht Bewegung Spaß. Das lässt sich einfach feststellen, wenn man Kindern beim Toben zusieht. Eine wissenschaftliche Erklärung dafür gibt es aber auch schon: Endorphine, auch als „Glückshormone“ bekannt, werden vermehrt produziert. Die Stimmungsaufheller Serotonin und Dopamin freigesetzt, gleichzeitig steigt die Konzentration von motivationsförderndem Noradrenalin im Blut an. – Beste Voraussetzungen für gute Stimmung.

Freude hat Vorrang

Trotz all dieser Glückshormone haben nicht alle Kinder Spaß am Sport. Zum Beispiel, wenn schon früh zu viel Druck auf sie ausgeübt wurde. Und dann gibt es auch Kinder, die sich einfach ungern viel bewegen. „Das muss man dann auch anerkennen“, meint Heidi Samonig. „Der Umgang mit dem eigenen Körper soll eine positive Erfahrung bleiben.“

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