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Bin ich schwerhörig? Zahlen und Fakten über Hörbeeinträchtigungen

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Januar 2021
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Lesedauer: 4 Minuten

Haben Sie den Eindruck, dass die Welt um Sie herum gedämpft und leise klingt? Dass die Leute, mit denen Sie reden, ständig nuscheln? Dann sind Sie vielleicht schwerhörig.

Wie viele Menschen sind schwerhörig?

Weltweit sind mehr als 5% der Bevölkerung, also circa 466 Millionen Menschen, von beeinträchtigendem Hörverlust betroffen, der sich auch negativ auf ihre Lebensqualität auswirkt. 34 Millionen davon sind Kinder. Einkommensschwache Länder sind am stärksten betroffen.

In Ländern mit hohem Einkommen wie Deutschland liegt der Anteil schwerhöriger Menschen bei etwa 15%, ca. 0,2-0,3% gelten als gehörlos.

In hochentwickelten Staaten wird eines von 1.000 Kindern taub geboren. Rund ein Drittel der Über-65-Jährigen ist von Altersschwerhörigkeit betroffen.

Kind mit Hörverlust
© MED-EL

Warum bin ich schwerhörig?

  • Manchmal kommen Kinder bereits mit einer angeborenen Schwerhörigkeit zur Welt.
  • Der Begriff erworbene Schwerhörigkeit wird verwendet, wenn der Hörverlust im Laufe des Lebens auftritt.
  • Wenn Schwerhörigkeit bei Ihnen in der Familie liegt, ist er mitunter erblich bedingt.

Bei Kindern, die schwerhörig werden oder ertauben, bevor sie zu sprechen lernen („prälingualer Hörverlust“) wirkt sich die Hörminderung oft auf die Sprache aus, die verwaschen und undeutlich klingen kann. Das Gegenstück dazu stellt der „postlinguale Hörverlust“ dar, bei dem der Hörverlust erst nach dem Erwerb der Sprache auftritt.

Wenn Sie vermuten, dass Sie schlecht hören, ist es ratsam, einen Hörtest zu machen. Es gibt Online-Hörtests, die eine Tendenz zu einer Schwerhörigkeit aufzeigen. Wenn Ihr Hörverlust bestätigt wurde, suchen Sie am besten einen Spezialisten auf - einen HNO-Arzt oder einen Audiologen. Er prüft für jede Lautstärke, welche Frequenzen (Tonhöhen) Sie noch gut hören und welche nicht mehr. Ein Spezialist kann auch feststellen, woher Ihr Hörverlust kommt und welcher Teil des Ohres betroffen ist. Das hilft abzuklären, welche Behandlungsmöglichkeiten es für Sie gibt.

Gehör

Online Hörtest

Online Hörtests sind kein Ersatz für ein ausführliches Beratungsgespräch mit einem Spezialisten. Sie liefern aber eine schnelle Einschätzung, wie gut man hört.

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Ursachen für Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit kann viele Ursachen haben:

  • Oft führen Ohrinfektionen oder andere Krankheiten zu Hörverlust.
  • Fehlbildungen des Außen-, Mittel- oder Innenohres verhindern, dass Schall auf dem üblichen Weg weitergeleitet wird. Das Ergebnis: Schwerhörigkeit.
  • Schwerhörigkeit kann auch die Folge eines Unfalls sein, zum Beispiel nach einem Schädelbasisbruch.
  • Bestimmte schwere Erkrankungen wie Gehirnhautentzündung (Meningitis) oder Infektionskrankheiten während der Schwangerschaft können ebenfalls zu Hörbeeinträchtigungen führen. In seltenen Fällen kann auch ein Tumor Grund für die Gehörlosigkeit sein.
  • Manche Medikamente, die zur Behandlung von lebensbedrohlichen Krankheiten verabreicht werden, gelten ebenfalls als Auslöser für Hörminderungen. Sie werden als ototoxisch, also gehörschädigend, bezeichnet.
  • Lärm gilt als häufige Ursache für Schwerhörigkeit. Lärmschwerhörigkeit entwickelt sich über einen längeren Zeitraum, wenn ein ständig zu hoher Lärmpegel die Nervenzellen im Innenohr (Cochlea) dauerhaft schädigt. Auch ein Knalltrauma, etwa eine Explosion, kann das Trommelfell beschädigen oder die Nervenzellen in der Cochlea zerstören und eine Lärmschwerhörigkeit auslösen. • Mit fortschreitendem Alter hören viele Leute schlechter. Die sogenannte Altersschwerhörigkeit (medizinischer Fachbegriff: Presbyakusis) setzt manchmal bereits zwischen 40 und 50 Jahren ein. Anfangs haben Betroffene Probleme, hohe Töne zu hören und bestimmte hochfrequente Konsonanten wie f, s oder t (Fisch/Tisch) auseinanderzuhalten.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Hörvermögen nachlässt, können Sie schnell und bequem einen Online-Hörtest machen. Er gibt Ihnen einen Anhaltspunkt über Ihre Hörfähigkeit. Für eine genaue Hörprüfung wenden Sie sich an Ihren HNO-Arzt oder Audiologen. Dieser bespricht etwaige notwendige Maßnahmen im Detail mit Ihnen.

Diagnose Hörverlust, was nun?

Hörverlust kann Ihr Leben stark beeinträchtigen. Ob es nur der lauter gestellte Fernseher ist oder Schwierigkeiten, Gespräche zu verstehen, hängt davon ab, wie schlecht Sie hören. Die Unterteilung der Schwerhörigkeit erfolgt in vier Kategorien, den Graden des Hörverlusts

  • Leichter Hörverlust
  • Mittlerer Hörverlust
  • Schwerer Hörverlust
  • Hochgradiger Hörverlust

Die Lautstärke eines Tons - sein Schalldruckpegel, um ganz exakt zu sein - wird in Dezibel (dB) gemessen. Bei einem Hörtest prüft die Audiologin, wie laut ein Ton sein muss, damit Sie ihn hören. Der leiseste Ton, den Sie hören (die Hörschwelle) bestimmt den Grad Ihrer Schwerhörigkeit.

Grad der Schwerhörigkeit

  • Normales Gehör: bis 20 dB
  • Leichter Hörverlust: 21 –40 dB
  • Mittlerer Hörverlust: 41 –70 dB
  • Schwerer Hörverlust: 71 –90 dB
  • Hochgradiger Hörverlust: über 80 dB

Beispiel: Wenn Sie Töne, die leiser als 50 dB sind, nicht hören können, haben Sie eine mittlere Schwerhörigkeit.

Bei normalem Hörvermögen können Sie leise Geräusche wie das Zwitschern der Vögel oder das Rascheln von Blättern wahrnehmen.

Menschen mit leichtem Hörverlust haben Schwierigkeiten, Flüstern oder Gespräche bei Hintergrundlärm zu verstehen. Bei einer leichten Schwerhörigkeit schaffen Hörgeräte oft Abhilfe.

Menschen mit mittlerem Hörverlust haben Schwierigkeiten, Gespräche in normaler Lautstärke (ca. 60-65 dB) zu verstehen. Je nach Ursache der Schwerhörigkeit können Hörgeräte, Mittelohrimplantate oder Knochenleitungsimplantate helfen.

Menschen mit schwerem Hörverlust hören nur mehr sehr laute Geräusche wie den Rasenmäher oder einen Rauchmelder. Gesprächen in normaler Lautstärke können sie nicht mehr folgen. Für sie kann ein Cochlea-Implantat die Lösung sein.

Menschen mit hochgradigem Hörverlust hören nur noch extrem laute Geräusche, etwa ein Langstreckenflugzeug, das neben ihnen abhebt. Selbst wenn man sie anschreit, hören sie es nicht. Personen mit hochgradigem Hörverlust kann ebenfalls mit einem Cochlea-Implantat geholfen werden, wenn der Grund für die Gehörlosigkeit im Innenohr liegt.

Wenn Sie vermuten, dass Sie schlecht hören, machen Sie einen kurzen Hörtest online. So erhalten Sie eine erste Einschätzung Ihres Hörvermögens. Ihre Audiologin oder HNO-Ärztin nimmt bei Bedarf eine genaue Hörprüfung vor und bespricht individuelle Behandlungsmöglichkeiten mit Ihnen.

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