Artikel empfohlen

Der Klang des Sommers Geräusche, Musik und Stille der warmen Jahreszeit

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: August 2020
In der Sammlung Sound
Lesedauer: 6 Minuten

Die Monate zwischen Ende Juni und Mitte September sind von mannigfaltigen Klängen geprägt. Allein Alltagsgeräusche können uns schon das typische Sommerfeeling vermitteln. Hinzukommt beschwingte Musik, die uns gute Laune beschert und natürlich der Klang der sommerlichen Natur. Lassen Sie uns gemeinsam den Klang des Sommers erforschen!

Eine akustische Reise durch den Sommer

Es ist noch dunkel, wenn das erste Vogelgezwitscher durch das offene Fenster ins Schlafzimmer dringt. Nicht sehr viel später an einem typischen Sommermorgen wirft der Nachbar den Rasenmäher an und reißt uns endgültig aus dem Schlaf. Irgendwo lässt jemand das Radio laufen, aus Küchen dringt das Klappern von Geschirr, Kinder sausen auf ihren Rädern durch die Straßen und veranstalten ein Klingelkonzert, auf dem Spielplatz quietschen Schaukeln und Wippen. Die Sonne genießt man am besten am Wasser, es geht also auf zum Strand.

Nur schnell an der Großbaustelle vorbei, dem Dröhnen der Presslufthammer – und schon ist man in der Natur, wo die Bienen summen und eine sanfte Brise weht. Grillen, Heuschrecken und Zikaden zirpen, auf dem Wasser schaukeln Boote. Über das Glucksen und Gurgeln legen sich helles Kinderlachen und das Bellen von badefreudigen Hunden. Zurück zu Hause wird der Grill angeworfen, es brutzelt und zischt, Gläser klirren. Am Teich sammeln sich Mücken und begleiten mit ihrem Surren die quakenden Frösche.

Ein leichter Wind erhebt sich und lässt die Blätter in den Bäumen rascheln. In der Ferne donnert es – ein Gewitter zieht auf. Schnell zurück ins Haus, bevor es richtig kracht! Nachdem sich das Unwetter in Donnern und Tosen entladen hat, weicht es einem gleichmäßigen Regen, dessen sanftes Trommeln an den Scheiben uns in den Schlaf wiegt.

Der Soundtrack des Sommers

Der typische Soundtrack des Sommers besteht aus vielen verschiedenen Alltags- und Naturgeräuschen – zu einem großen Teil aber auch aus Musik! Eine Studie aus dem Jahr 2019 zufolge variieren unsere Hörvorlieben je nach Jahreszeit. Im Sommer hören wir demnach vorzugsweise besonders intensive Songs. Bestimmt wird die Intensität von Faktoren wie Lautstärke und Tempo, Gesang und zu guter Letzt der Stimmung: Fröhlich, ja euphorisch muss sommerliche Musik sein. Hervorragende Beispiele für Sommerhits der vergangenen Jahre sind etwa „Happy“ von Pharrell Williams oder „Despacito“ von Luis Fonsi und Daddy Yankee; zu den Klassikern gehören „In the Summertime“ von Mungo Jerry und „Lambada“ von Kaoma.

Laut dem US-amerikanischen Medienwissenschaftler Michael Grabowski hören wir im Sommer am liebsten Pop. In Popsongs nämlich werden sich wiederholende und neue Elemente geschickt miteinander kombiniert. Dies erlaubt es unserem Gehirn, die Strukturen einfach zu erkennen. Zur Belohnung wird Dopamin ausgeschüttet und wir fühlen uns glücklich!

Was während der Sommermonate im Gehirn geschieht

In der warmen Jahreszeit ist viel los – eben auch in unserem Gehirn. Die verschiedenen Facetten des Sommers bringen zahlreiche neurologische Prozesse in Gang, die unsere Leistungsfähigkeit und unser Wohlbefinden beeinflussen.

Die Hitze macht uns träge

Im Sommer lassen wir es grundsätzlich langsamer angehen und machen bei der größten Hitze lieber Pause – berühmtestes Beispiel dafür ist die spanische Siesta. Wir sind aber nicht plötzlich faul oder widmen uns lieber dem sommerlichen Müßiggang, als zu arbeiten. Unser Gehirn ist tatsächlich nicht in der Lage, das gleiche zu leisten wie etwa im Winter, wie eine 2016 im PNAS Journal veröffentlichte Studie beweist. Forschungsgegenstand des Teams um Christelle Meyer von der Universität Lüttich war die Saisonabhängigkeit der menschlichen Gehirnfunktionen – und die Ergebnisse sind eindeutig: Während der Sommermonate sind die für die Aufmerksamkeit zuständigen Hirnareale am aktivsten, so zum Beispiel die Amygdala. Das Gehirn benötigt also deutlich mehr Ressourcen und Zeit, um selbst einfache Aufgaben zu lösen.

Sonnenlicht sorgt für gute Laune

Während der Hundstage im Juli und August sind Menschen also träger als sonst, dafür haben die meisten jedoch deutlich bessere Laune – aus gutem Grund. Wie eine Studie der Universität Michigan aus dem Jahr 2004 belegt, reicht schon eine halbe Stunde Sonnenlicht aus, um die Laune zu heben. Eine spätere Studie derselben Universität wiederum belegt, dass unsere Stimmung sich allein dadurch verbessert, dass wir uns draußen aufhalten.

Im Sommer laden nicht nur angenehme Temperaturen dazu ein, das Haus zu verlassen. Wir profitieren darüber hinaus von deutlich mehr Tageslicht als im Herbst und Winter – es ist bereits hell, wenn wir zur Arbeit gehen und die Nacht bricht erst spät herein. Mit steigenden Temperaturen verlagern wir unser Leben immer stärker nach draußen und lassen es im Biergarten, Freiluftkino und im Schwimmbad stattfinden. Die gesteigerte Dosis frische Luft und Vitamin D fördert nicht nur die Kreativität und die Erinnerung, sie reduziert auch Stress und sorgt für Entspannung.

Der Klang des Sommers lässt uns zur Ruhe kommen

Nicht nur die Hitze und das Licht, auch der Klang des Sommers versetzt uns in einen anderen, angenehmeren Zustand. Vor allem Naturgeräusche erweisen sich als wahre Wundermittel gegen Stress – so zum Beispiel der Klang des Ozeans. Für einen Artikel über den positiven Effekt des Meeres auf das Gehirn befragte die NBC den US-amerikanischen Psychologen Richard Shuster.

Dieser identifiziert das Meeresrauschen als ausschlaggebend. Seiner Aussage zufolge de-stimuliert es das Gehirn: Statt es also zu größerer Aktivität anzuregen, wirkt es beruhigend. Zusammen mit den visuellen Reizen aktiviert das Geräusch laut der Psychologin Sally Nazari das parasympathische Nervensystem, welches uns zum einen entspannen lässt, zum anderen unsere Aufmerksamkeit steigert – wir erleben den Moment also ganz bewusst.

Naturgeräusche
Der Sommer und sein Klang - wenn zum Beispiel unterwegs in der Natur - helfen uns dabei zur Ruhe zu kommen.
© Getty Images

Klang und Stille: Deep listening in der Natur

Ob am Strand oder in den Bergen, im Wald oder auf einer Wiese – Naturgeräusche und der Klang der Stille wirken sich erwiesenermaßen positiv auf unsere Gesundheit aus. Sie bieten uns vor allem die Möglichkeit, Einkehr zu halten. Im Leben und Werk der US-amerikanischen Komponistin Pauline Oliveros spielte die akustische Meditation eine zentrale Rolle: Mit Deep Listening schuf sie ein Programm, das die Verbindung von Meditation und Musik zur Aufgabe hatte; ihr gleichnamiges Album gilt als Meilenstein der räumlichen Klangkunst. Sie selbst definierte die Praxis des Deep listening als Zuhören auf jede mögliche Art und Weise und ein Hören von allem, was es zu hören gibt, egal, was man gerade macht. Gegenstand des Zuhörens sind nicht nur Alltagsgeräusche, sondern auch Musik, die eigenen Gedanken – und die Natur.

Für ein uneingeschränktes Naturerlebnis empfiehlt Pauline Oliveros einen Spaziergang bei Nacht und sagt: „Lauf so leise, dass deine Fußsohlen zu Ohren werden.“ Die Geräusche in unserer natürlichen Umgebung erhöhen unser Wahrnehmungsvermögen auf eine einzigartige Weise, ja sogar stärker als es visuelle Reize können. Mit seinen langen Tagen und angenehmen Temperaturen bietet der Sommer die perfekte Gelegenheit, sich auf eine akustische Reise durch die Natur zu begeben. Welche Geräusche sind uns vertraut, welche neu? Welche haben wir bis jetzt überhört, weil sie für selbstverständlich hielten? Die Konzentration auf den Klang, aber auch auf die Stille der Natur, kann uns dabei helfen, uns selbst zu begegnen und uns neu in der Welt zu verorten.

Pauline Oliveros recommends a walk at night for a full experience of nature and says: “Walk so silently that the bottoms of your feet become ears.” The sounds in our natural environment uniquely increase our perception, even more than visual stimuli ever could. With its long days and pleasant temperatures, summer offers the perfect opportunity to embark on an acoustic journey through nature. Which sounds are we familiar with, which are new? Which ones have we ignored so far because we took them for granted? Concentrating on the sound and silence of nature can help us to hold communion with ourselves and to define our place in the world.

Den Sommer in all seinen Facetten hören

Der Klang des Sommers verlangt volle Aufmerksamkeit – vom Summen der Bienen über das Gespräch mit Freunden bis zum Rattern des Rasenmähers wollen Sie alles hören. Da es bisweilen recht laut werden kann, gilt es zum einen, das Gehör zu schützen. Ein gesundes, gutes Gehör bedeutet aktive Teilhabe und gesteigerte Lebensqualität. Stellen Sie fest, dass Sie sich stark konzentrieren müssen, um einem Gespräch zu folgen oder in sich in diversen Geräuschkulissen zu orientieren? Scheuen Sie sich nicht davor, einen Hörtest zu machen. Wird ein Hördefizit festgestellt, gibt es zahlreiche bedarfsgerechte Lösungen, um die Einschränkungen auszugleichen. So können Sie den Sommer auch in Zukunft in all seinen akustischen Facetten genießen!

Schließen

Mehr aus der Sammlung Sound

Artikel

Videos

Verwandte Sammlungen

Mehr aus der Sammlung

Explore Life bietet Ihnen eine bunte Vielfalt an Inhalten mit dem Schwerpunkt: Hören. Begeben Sie sich auf Erkundungstour durch Artikel, Interviews, Video-Material und mehr.