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Die andere Seite der Grenze

Was wäre, wenn wir unsere körperlichen Fähigkeiten durch Gesundheitstechnik aufpeppen könnten; wenn wir mit der Brille nicht nur bis zur nächsten Busstation sähen, sondern bis zum Ende des Bezirks? Ein Blick über heutige Grenzen in die Zukunft.

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: 04.01.2018

Was wäre, wenn wir unsere körperlichen Fähigkeiten durch Gesundheitstechnik aufpeppen könnten; wenn wir mit der Brille nicht nur bis zur nächsten Busstation sähen, sondern bis zum Ende des Bezirks? Ein Blick über heutige Grenzen in die Zukunft.

Troed Troedson von Troed Troedson
In der Sammlung Sound
Lesedauer: 2 Minuten

Niemand

kann in die Zukunft schauen, soviel ist klar. Doch wir können schon jetzt erkennen, in welche Richtung die Reise geht. Gewisse Tendenzen zeichnen sich ab. Eine davon ist gemeinhin als Konvergenz bekannt, als Vermischung, Konzentration von Dingen. Sie können auch Transparenz dazu sagen oder Auflösen von Grenzen.

Egal ob Sie eine Expertin in Sachen Sprache sind, im Autobau, ein Experte im Personalwesen, in der Telekommunikation oder im Bildungswesen: Ihnen wird bewusst sein, dass Branchen, die ursprünglich kaum etwas gemeinsam hatten, immer mehr zusammenwachsen. Das ist besonders dann interessant, wenn es um Gesundheit und Technologie geht. In den kommenden Jahren wird sich unsere Sicht auf beide Bereiche grundlegend ändern. Die Grenzen werden sich auflösen – und wir werden neue ziehen.

Basis: Normal

Nehmen wir als aktuelles Beispiel die dicke Trennlinie zwischen dem Restaurieren menschlicher, normaler Gesundheit und dem Steigern menschlicher Leistungsfähigkeit über die Norm hinaus. Restaurator versus Raketeningenieur. Derzeit ist alles klar geregelt: Hersteller von Handprothesen unterscheiden sich deutlich von Firmen, die hydraulische Wagenheber produzieren. Das gleiche gilt für Brillen und Ferngläser, Hörimplantate und Hochleistungs-Mikrofone und so weiter und so fort.

Getrennt wurden diese Bereiche aus natürlichen Gründen – und aus finanziellen. Derzeit ist es allgemein akzeptiert, Gesundheitsleistungen aus den öffentlichen Töpfen zu bezahlen, wenn der körperliche Normalzustand eines Menschen wieder hergestellt werden soll: Damit der Eine wieder so stark wird wie vor der Krankheit, damit die Andere wieder sehen oder hören kann. Weniger akzeptabel ist es landläufig, die Kraft eines Menschen, sein Sehvermögen oder sein Gehör über das Niveau hinaus zu steigern, das als normal gilt.

Armprothese
Hinter dem Offensichtlichen stecken die Möglichkeiten. Wer das erkennt, hat einen Vorsprung.
© Vladyslav Otsiatsia / iStock / GettyImages

Eine neue Richtung

Doch in nicht allzu ferner Zukunft werden wir eine neue Richtung einschlagen. Die Grenzen werden sich auflösen: Ein Patient wird ein Hörimplantat kaufen, das auch mit seinen Küchengeräten kommuniziert. Ob der Nutzer das Implantat zum Hören oder zum Kochen verwendet, wird keine Rolle mehr spielen. Wir werden Technologien entwickeln, die die menschlichen Leistungen verbessern. Ob die Technik unsere Fähigkeiten bis zum dann gültigen normalen Level hebt, oder darüber hinaus, wird unwichtig sein – denn der Grad der Leistungssteigerung wird sich aus der jeweiligen Situation ergeben.

Für Produzenten und Entwickler entstehen daraus wahrhaft neue Möglichkeiten – auf der anderen Seite der Grenze. Die Frage ist freilich, wer den ersten Schritt macht. Steigt die Handprothesen-Firma in den Markt mit Elektrowerkzeugen ein? Wird Caterpillar nicht mehr nur Baumaschinen herstellen, sondern auch einen kleinen Apparat, der rheumatische Handgelenke unterstützt? Oder wird ein Dritter das Rennen machen? Weil der als Erster erkannt hat, dass es gar keine Grenzen mehr gibt.

Vielleicht wird Google nicht nur den Hersteller von Kontaktlinsen übernehmen, sondern auch die alteingesessene Firma, die Ferngläser verkauft.

Egal wie es im Detail kommen mag: Es ist riskant für all jene Unternehmen, die auf einer Seite der Grenze stecken bleiben – die sich entweder als Restaurator der menschlichen Leistungsfähigkeit sehen oder als ihr Raketeningenieur. Das Trennen beider Bereiche geht an unserer Realität vorbei – einer Realität nämlich, in der sich sogar die Grenze zwischen Mensch und Technik langsam auflöst.

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