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Die Macht der Freundschaft Über wohltuende Freundschaften, wie man sie findet und bewahrt

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: 04.01.2018
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Manche Freundschaften halten ein ganzes Leben lang, während andere nur von kurzer Dauer sind. Eines ist beiden gemeinsam: Sie fördern unser Selbstvertrauen und halten uns gesund.

Eines steht völlig außer Frage:

Jeder Mensch braucht Freunde. Doch heute, in einer Zeit, in der so viele Menschen immer weiter von ihren Familien entfernt – oder sogar auf unterschiedlichen Kontinenten – leben, sind Freunde möglicherweise wichtiger als jemals zuvor. Das ist wohl der Grund, warum die Forschungen über Freundschaft vor gar nicht so langer Zeit intensiviert wurden. Heute weiß man, dass Freunde neben ihren offensichtlichen Vorzügen, wie Kameradschaft, emotionale Stütze und praktische Hilfe, noch eine Funktion haben, die früher nahezu unbekannt war: Sie sind gut, wenn nicht sogar entscheidend, für unsere Gesundheit.

Die Vorzüge der Freundschaft

Psychologen der Brigham Young University in den USA entdeckten im Jahr 2010, dass Menschen, die über gute soziale Beziehungen verfügen, tendenziell länger leben. Die Schlussfolgerung der Forscher: Schwache soziale Beziehungen sind genauso gesundheitsschädlich wie das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag. Darüber hinaus wird Einsamkeit mit Depressionen und einem erhöhten Blutdruck in Zusammenhang gebracht.

Suzanne Degges-White, Vorsitzende des Fachbereichs für Beratung, Erwachsenen- und Hochschulbildung an der Universität Northern Illinois, USA, hat bereits mehrere Bücher über dieses Thema geschrieben und hebt die zahlreichen Vorzüge von Freundschaften hervor: „Freunde stärken unser Selbstwertgefühl und geben unserem Leben Sinn. Sie vermitteln uns das Gefühl, dass wir wichtig sind. Die Gewissheit, gute Freunde zu haben, Menschen, die uns verstehen, stellt eine Verbesserung des Lebens dar.“

Tatsächlich kann schon das bloße Vorhandensein eines Freundes dabei helfen, Herausforderungen als weniger beängstigend zu empfinden. Dies zeigte sich in einer Studie, bei der die Teilnehmer dazu aufgefordert wurden, sich, entweder allein oder neben einem Freund, vor einen Hügel zu stellen und zu schätzen, wie steil dieser Hügel ist. Diejenigen, die gemeinsam mit einem Freund vor dem Hügel standen, hielten ihn für weniger steil als diejenigen, die alleine waren.

Wer mit einem Freund vor einem Hügel steht, hält den Anstieg für weniger steil als Menschen, die alleine sind.
© Shutterstock

Ein Freund für jede Lebenslage

Nicht überraschen dürfte die Tatsache, dass Freundschaften in verschiedenen Lebensabschnitten auch unterschiedliche Funktionen haben: „In unserer Jugend und im frühen Erwachsenenalter formen wir unsere Identität und nutzen unsere Freunde als Spiegel“, erklärt Suzanne Degges-White. „Wenn wir jedoch älter werden, wissen wir in zunehmendem Maße, wer wir sind und was wir wollen, und brauchen keine Freunde mehr, die zwangsläufig genauso sind wie wir. Wir können es genießen, Freunde in unterschiedlichen Altersklassen, mit verschiedenen Geschmäckern, Interessen und Meinungen zu haben.“

Freundschaften ergeben oder verändern sich auch durch die Übergänge des Lebens, mit dem Beginn eines Studiums etwa, mit einer neuen Arbeitsstelle, einem Umzug, Familiengründung oder mit dem Beginn der Rentenzeit. „So ändern sich zum Beispiel die Prioritäten sehr schnell, wenn man Vater oder Mutter wird, und es kann sein, dass man mehr Zeit mit anderen Eltern verbringen möchte, die im Gegensatz zu kinderlosen Freunden die gleichen Prioritäten haben wie man selbst“, sagt Degges-White. Sie beschreibt zwei grundlegende Kategorien von Freundschaften: jene, die sich auf der Basis von gemeinsamen Werten entwickelt, und jene mit „Bequemlichkeits-Freunden“, also mit den Menschen, die man zwar am häufigsten sieht, wie etwa in der Schule, mit denen man aber nicht notwendigerweise viel gemeinsam hat.

„Die Bequemlichkeits-Freundschaften lösen sich in der Regel auf, sobald ihr praktischer Nutzen nicht mehr besteht, wie beispielsweise, wenn die Kinder erwachsen sind und man keine Fahrgemeinschaften mehr benötigt“, erklärt sie. „Das ist nicht unbedingt schlecht. Wenn diese Freundschaften nicht auf einer echten Verbindung basieren, sondern lediglich aus praktischen Gründen gebraucht werden, tolerieren wir eventuell Verhaltensweisen, die wir normalerweise nicht tolerieren würden.“

Fünf Wege, Freundschaft zu finden und zu bewahren

  1. Gehen Sie nicht davon aus, dass andere Menschen keine Freunde suchen. Möglicherweise sind sie gerade in eine neue Gegend gezogen, sind kürzlich in Rente gegangen oder erst seit kurzem Single.
  2. Freundschaften entstehen oftmals über gemeinsame Interessen. Treten Sie also einer örtlichen Gruppe wie z.B. einem Schach- oder Golfclub bei.
  3. Wenn Sie eine Person öfter sehen und sie Ihnen sympathisch ist, sprechen Sie sie an. Schlagen Sie für den Anfang etwas Ungezwungenes vor, z.B. ein Treffen zum Kaffee.
  4. Erzählen Sie von sich, aber überschütten Sie den anderen nicht mit Informationen. Wenn man Vertrauen und gegenseitiges Verständnis aufbauen möchte, ist es unerlässlich, private Dinge von sich zu erzählen – wenn Sie jedoch zu viel zu schnell von sich preisgeben, lässt Sie das eventuell verzweifelt wirken. Außerdem könnte es sein, dass Sie später bereuen, Dinge ausgeplaudert zu haben.
  5. Nutzen Sie die sozialen Medien. Sie sind eine großartige Möglichkeit, alte Freunde wiederzufinden, die Sie aus den Augen verloren haben. Selbst bei großen Entfernungen kann man heute über E-Mails und Videochats einfacher in Kontakt bleiben als je zuvor.

Hörverlust beeinträchtigt Freundschaften

Wahre Freunde werden sich von einem Hörproblem nicht abschrecken lassen, die verbale Kommunikation aber könnte leiden.

Eine im Jahr 2012 in Australien durchgeführte Studie mit mehr als 800 Teilnehmern zeigte, dass hörgeschädigte Menschen von mindestens 55 Jahren mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit Scham empfinden, gesellschaftliche Verpflichtungen meiden und depressive Symptome zeigen als Menschen ohne Hörproblem.

Welche Verbindungen halten?

Freundschaften, die wirklich halten, sind auf gemeinsamen Werten aufgebaut. Das können zum Beispiel alte Freunde sein, mit denen uns eine starke emotionale Vergangenheit verbindet. Man sieht sie zwar eventuell nicht oft, aber man hört niemals damit auf, sie als Freunde zu betrachten.

Neben gleichen Werten sind noch andere Faktoren wichtig, damit eine Freundschaft hält. „Man braucht gegenseitiges Verständnis, Vertrauen und weder Neid noch Eifersucht. Wahre Freunde stehen uns in dunklen Zeiten bei und können sich in guten Zeiten ehrlich für uns freuen. Außerdem können wahre Freunde unsere Fehler akzeptieren und machen uns nicht klein. Wenn man sich nach jedem Treffen mit einem bestimmten Freund niedergeschlagen und emotional ausgesaugt fühlt, handelt es sich nicht um eine gesunde Freundschaft“, gibt Degges-White zu bedenken.

Beunruhigenderweise geht aus Studien hervor, dass die Anzahl an Freunden im letzten Drittel unseres Lebens wegen Todesfällen, dem Rentenalter, dem Verlust von physischer Mobilität und Umzügen tendenziell abnimmt. Wenn man sich ein wenig darum bemüht, kann man aber in jeder Lebensphase neue Freundschaften schließen.

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