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Die Vorteile des Ehrenamts Warum ohne Gegenleistung zu arbeiten den Horizont erweitert

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Mai 2021
In der Sammlung Arbeit
Lesedauer: 5 Minuten

Als Jenna Johnson zum ersten Mal ehrenamtlich arbeitete, wusste sie noch nicht, dass sie dadurch sowohl ihren zukünftigen Beruf als auch ihren Partner finden würde. Jenna, ist Unterstützungslehrerin in Redcar, Großbritannien. Hier erzählt sie, wie die Freiwilligenarbeit ihr Leben verändert hat.

Wie ich meine Leidenschaft entdeckt habe

„Ich kann mich noch erinnern, wie nervös ich an meinem ersten ehrenamtlichen Tag war. Ich war erst 15 und half in den Sommerferien bei einem öffentlichen Feriencamp für Schulkinder aus. Damals wusste ich nicht, dass dieser Schritt meine ganze Zukunft beeinflussen würde – nicht nur beruflich, sondern auch privat.

Ich habe Kinder immer schon gemocht und konnte mir gut vorstellen, mit ihnen zu arbeiten. Das Feriencamp war die perfekte Gelegenheit, um das auszuprobieren. Ich organisierte Spiele, war mit den Kindern am Strand und in Freizeitparks. Es machte unglaublich viel Spaß und ich habe jede einzelne Minute genossen! Das Camp dauerte mehrere Wochen und so lernten wir die Kinder ziemlich gut kennen: Wir konnten zusehen, wie sie Freundschaften schlossen, selbstsicherer wurden und einen Riesenspaß hatten. Diese Erfahrung hat mich beeindruckt und geprägt. Außerdem habe ich mit einigen der anderen Freiwilligen Freundschaften geschlossen, die bis heute halten.

Meine nächste Erfahrung mit einem Ehrenamt hatte ich 2007 während meines Psychologiestudiums: Ich begleitete Kinder in Grund- und Mittelschulen, die beim Lesen und Schreiben Hilfe brauchten. Daraus ergab sich mein erster bezahlter Vollzeitjob als Unterstützungslehrerin in einer Schule.

Freiwillige werden gebraucht

Interessanterweise war es mein erster Job, der mir wieder neue Gelegenheit zur Freiwilligenarbeit gab: Einer unserer Schüler hatte Verhaltensauffälligkeiten, aber seine Mutter war taub und es gab niemanden, der mit ihr kommunizieren konnte.

Ein Dolmetscher war nötig. Also machte ich einen Kurs in englischer Zeichensprache und erreichte im Jahr 2012 Level Drei. Damals schlug mir jemand vor, doch beim britischen Wohltätigkeitsverband für gehörlose Kinder mitzuarbeiten, was ich bis heute tue.

Ich nehme an Veranstaltungen teil, bei denen gehörlose Kinder verschiedene Aktivitäten ausprobieren können: von Bogenschießen und Kanufahren bis zu Tanz, Theater und Musik – Dinge, zu denen sie alleine möglicherweise keinen Zugang hätten. Meine Aufgabe ist es, das, was die Gruppenleiter sagen, in Zeichensprache zu übersetzen.

Diese Veranstaltungen sind wichtig, denn sie helfen den Kindern und Jugendlichen, sich als Teil einer Gemeinschaft wahrzunehmen; sie fühlen sich weniger isoliert. Außerdem werden sie selbstbewusster und kommen mit Gleichaltrigen zusammen. Zu Beginn dieser Wochenenden sind die Kinder oft ziemlich nervös und schüchtern. Aber bis zum Sonntag haben sie neue Freunde gefunden und haben Spaß. Es ist sehr befriedigend, diese Entwicklung zu beobachten.

"Durch die Freiwilligenarbeit kann ich die Welt mit den Augen anderer sehen."

Jenna Johnson

Die ehrenamtliche Arbeit als Erfüllung

Auch ich selbst habe eine Menge Selbstbewusstsein gewonnen. Ich lerne ständig neue Leute aus ganz Großbritannien kennen. Durch die Freiwilligenarbeit kann ich die Welt mit den Augen anderer sehen; sie hat meinem Leben mehr Sinn und Bedeutung gegeben.

Ich werde zwar nicht im traditionellen Sinne bezahlt – aber ich bekomme so viel zurück: ein positives Gefühl, etwas worauf ich mich freuen kann und vor allem die Gewissheit, dass ich der Welt etwas gebe anstatt nur zu nehmen. Und ohne die Freiwilligenarbeit wäre ich nicht in meinem heutigen Beruf: Vor kurzem habe ich meine derzeitige Stelle als Unterstützungslehrerin in einer Mittelschule angetreten, wo ich mit hörbeeinträchtigten Kindern arbeite. Eines Tages möchte ich gerne selbstständige Dolmetscherin für Zeichensprache sein.

Auch mein Privatleben ist von der Freiwilligenarbeit geprägt: Ich habe viele meiner engsten Freunde dabei kennengelernt – auch meinen Partner Gary. Wir trafen uns vor vielen Jahren, als wir beide bei einem Sommercamp arbeiteten, und sind jetzt schon acht Jahre zusammen.

Man kann also sagen, dass die Freiwilligenarbeit mein Leben völlig verändert hat – und definitiv zum Positiven!“

Die Vorteile der Freiwilligenarbeit

Studien zeigen, dass Freiwilligenarbeit eine ganze Menge an überraschenden Vorteilen bringt:

  • Sie macht gesünder - Erwachsene über 50, die 200 Stunden im Jahr freiwillige Arbeit verrichten, haben eine geringere Wahrscheinlichkeit, Bluthochdruck zu entwickeln als jene, die keine Freiwilligenarbeit verrichten. (Carnegie Mellon University, USA, 2013)
  • Zeit zu schenken gibt einem das Gefühl, mehr Zeit zu haben - Das war das überraschende Ergebnis einer Studie der Wharton School, University of Pennsylvania, aus dem Jahr 2012.
  • Ein längeres Leben - Mehrere Studien zeigen, dass regelmäßige Freiwilligenarbeit das Risiko zu sterben verringert – für alle über 55. (Psychology and Aging Journal, 2013)
  • Weniger Stress - Das sagten 78 Prozent der regelmäßig freiwillig Arbeitenden, die 2013 in den USA an einer Umfrage unter 3.351 Erwachsenen teilnahmen. (UnitedHealth Group, 2013)
  • Mehr Lebenssinn - Das zeigt sich besonders bei Menschen, die in Pension und deren Kinder bereits erwachsen sind. (The Journals of Gerontology, Series B, Oxford Journals, 2004)
  • Mehr gesellschaftliche Einbindung - Freiwilligenarbeit kann helfen, ein „soziales Kapital“ aufzubauen: starke gesellschaftliche Verbindungen, die einen in harten Zeiten unterstützen können. (World Bank Research Observer, 2000)
  • Bessere Arbeitsplatzchancen - Vier von fünf Befragten denken, dass die Freiwilligenarbeit ihre Jobchancen erhöht hat. (Citizens Advice, UK, 2014)

Warum freiwillig arbeiten?

Rund um die Welt verbringen Menschen ihre Zeit damit, anderen zu helfen.

In Großbritannien gibt es rund 20 Millionen offizielle Freiwillige, in den USA rund 62 Millionen und in Chile basiert sogar die gesamte Feuerwehr auf Freiwilligenarbeit. Was motiviert die Menschen dazu, „gratis“ zu arbeiten? Die häufigsten Gründe:

  • Einer Organisation, die einem selbst Gutes getan hat, etwas zurückgeben
  • Das Leben anderer positiv verändern
  • Etwas für die Umwelt tun
  • Anderen helfen, denen es nicht so gut geht
  • Sich wertgeschätzt und als Teil eines Teams fühlen
  • Die Zeit außerhalb der Arbeit sinnvoll verbringen
  • Selbstbewusstsein und Selbstwert steigern
  • Neue Fertigkeiten lernen
  • Karrierechancen vergrößern
  • Neue Menschen kennenlernen
  • Stärker in die Gemeinschaft eingebunden sein

UK’s National Council for Voluntary Organisations; UK Civil Society Almanac 2012; Bureau of Labor Statistics, US Department of Labor

Sind Sie an Freiwilligenarbeit interessiert?

Sind Sie Implantatträger oder Elternteil eines Kindes mit Hörimplantat und wollen Sie andere Menschen auf der Reise zum Hören begleiten?

MED-EL hat mit HearPeers eine Online-Plattform geschaffen, durch die Sie Ihre Erfahrungen an Implantat-Anwärter und neu implantierte Personen weitergeben können. Menschen, die direkt oder indirekt von Hörverlust betroffen sind, sei es durch Bekannte, Familienmitglieder, oder dass sie selbst davon betroffen sind, können die Hörpaten über die Website direkt anschreiben und so entsteht ein wertvoller Austausch von Informationen und Erfahrungen aus erster Hand.

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