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Die wichtigsten Dinge im Leben Wie können wir lernen, dankbarer zu sein?

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: April 2020
In der Sammlung Gesundheit
Lesedauer: 6 Minuten

Dass wir bestimmte Dinge in unserem Leben für selbstverständlich halten, ist menschlich. Aber leider sind diese bestimmten Dinge oft jene, die am meisten zählen. Die aktuelle Krise zwingt uns unsere Prioritäten zu überdenken und uns auf das zu fokussieren, was wirklich zählt. Wie können wir also aufhören damit, die bedeutsamen Dinge für selbstverständlich zu halten und mehr Dankbarkeit zu zeigen für das, was wir haben?

Was empfinden wir als selbstverständlich?

Das Erste ist bestimmt unsere Gesundheit. Wenn alles so funktioniert, wie es sollte, kommt uns gar nicht in den Sinn – vor allem nicht, wenn wir jung sind – dass wir eines Tages vielleicht mit Gesundheitsproblemen konfrontiert werden könnten. Für die Glücklichen unter uns ist zum Beispiel die Fähigkeit zu Hören etwas, das wir nicht einmal als „Fähigkeit“ bezeichnen würden. Sie ist einfach da.

Unsere Umgebung und unsere Umwelt sind auch Dinge, mit denen wir aufwachsen – zum Beispiel sauberes Wasser, Lebensmittelversorgung, Bäume und Parks – und eine Welt ohne diese Dinge ist für die Meisten von uns unvorstellbar, obwohl Klimaaktivisten warnen und Gegenteile aufzeigen.

Unsere Freiheiten sind Rechte, für die in vergangenen Generationen gekämpft wurde (und in manchen Ländern immer noch gekämpft wird), und dennoch sind sie zu einer solchen Konstante in unserem Leben geworden, dass wir nicht einmal mehr darüber nachdenken – zum Beispiel wenn wir unsere Wahlstimmen abgeben oder über Ländergrenzen reisen.

Freunde, Familie und romantische Beziehungen bereichern unser Leben und bieten soziale und praktische Unterstützung, aber während unsere digitalen Leben in sozialen Medien unsere Netzwerke wachsen lassen, werden unsere Beziehungen im „echten Leben“ nicht automatisch inniger. Wir sind heute schuldiger als jemals zuvor, wenn wir Geburtstage unserer Liebsten vergessen, aufhören uns spontan zu besuchen, und eine schnelle Nachricht über WhatsApp einem 1-zu-1-Gespräch vorziehen.

Es ist ironisch, dass erst wenn wir dabei sind wertvolle Dinge zu verlieren, wir erkennen, wie wertvoll diese wirklich sind.

Warum sehen wir Dinge als selbstverständlich an?

Oft sind die Dinge, die wir als gegeben hinnehmen, jene, die uns im Leben konsistent und verlässlich erscheinen. Wir setzen voraus, dass diese immer da sein werden und erwarten nicht, dass sie jemals verschwinden könnten.

Unsere Gesundheit wird immer da sein, weil sie es immer war. Unsere Umgebung wird immer da sein, weil die Sonne und der Regen immer wieder kommen. Jeden Tag, jede Woche und jedes Jahr. Unsere Liebsten werden immer da sein, denn, wo würden sie denn sonst sein? Die Tatsache, dass sie immer da sind, hüllt uns in die Illusion, dass diese Tatsache unvergänglich wäre.

Ist es schlecht, Dinge als garantiert anzusehen?

Die Wahrheit ist: Nichts hält für ewig. Die Vergänglichkeit ist ein konstanter Begleiter durch unser Leben. Unsere Beziehungen, die Umstände und Situationen, in welchen wir uns wiederfinden, alles um uns herum wird sich letztendlich verändern. Die meisten von uns wissen das, aber wir neigen dennoch dazu, dem Trugschluss der Beständigkeit immer wieder zum Opfer zu fallen.

Dinge für selbstverständlich zu halten hat einen schlechten Ruf, denn die damit einhergehende fehlende Aufmerksamkeit schadet den Dingen, die uns am liebsten sind, unwiderruflich. Zum Beispiel den eigenen Ehepartner als selbstverständlich zu sehen wird mit Sicherheit dazu führen, dass sich dieser eines Tages ungeliebt fühlt. Und die eigene Gesundheit als immerwährendes Gut anzusehen, kann uns dazu verleiten, schlecht auf uns selbst aufzupassen.

Aber Dinge als garantiert anzusehen, muss nicht immer schlecht sein. Dinge in den Hintergrund zu stellen, bedeutet nicht zwingend, dass wir uns nicht mehr dafür interessieren – es bedeutet lediglich, dass unsere Aufmerksamkeit sich jenen Dingen widmet, die mehr Fokus verlangen. Dass wir bestimmten Dingen weniger Fokus schenken hat weniger mit dem zu tun, dass wir es für selbstverständlich erachten, sondern mehr damit, dass wir mit diesem Bereich unseres Lebens besonders zufrieden sind.

Nehmen wir eine Beziehung, zum Beispiel. Eine Studie des Bindungsstils von Erwachsenen zeigt, dass Menschen, die sich in ihrer Beziehung sicher fühlen und sich nicht darum sorgen ihren Partner verlieren zu können, dazu tendieren, glücklichere und gesündere Beziehungen zu führen. Im Gegensatz dazu tendieren Menschen, denen die Möglichkeit, ihren Partner verlieren zu können, überaus bewusst ist, eher dazu, psychologisch und romantisch zu leiden.

Dinge als selbstverständlich hinzunehmen hat einen schlechten Ruf, da wir es als das Gegenteil von Dankbarkeit sehen – aber das muss es nicht sein. Wir müssen nur daran denken, wie wir etwas dankbarer für diese Dinge sein können.

Wenn wir Zeit zuhause verbringen, ohne abgelenkt zu werden, haben wir Raum um über unsere wichtigsten Dinge nachzudenken. Indem wir achtsamer werden, können wir uns besser auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren – auf die Dinge, die für uns von Wert sind.
© Getty Images

Wie können wir lernen dankbarer zu sein?

Das Leben besteht aus Momenten. Wir alle haben sie, diese kleinen Momente oder Dinge, die unbemerkt und ungeschätzt bleiben, weil wir denken, dass sie entweder unbedeutend oder garantiert sind. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man große Erfolge feiert. Aber was, wenn wir es zur Gewohnheit machen würden, auch die kleinen Dinge im Leben aktiv wahrzunehmen und zu feiern? Das wahre Leben passiert um uns herum während wir auf diesen einen großen Moment, diese große Errungenschaft, warten, die uns so etwas wie inneren Frieden, Freude oder Zufriedenheit bringen wird. Die Wahrheit ist jedoch, dass die wahren Dinge, die im Leben zählen, oft die ganz kleinen sind.

Die meisten Länder, die vom Corona-Virus betroffen sind, haben den Bewohnern verordnet, zuhause zu bleiben. Nie zuvor hätten wir uns gedacht, dass wir der Freiheit unser Haus zu verlassen, uns mit Familie und Freunden zu treffen, beraubt werden könnten. Aber das Undenkbare ist eingetroffen. Viellicht gibt es auch einen anderen Weg, diese Situation zu sehen: Wir verbringen jetzt mehr Zeit zuhause, ohne von draußen abgelenkt zu werden. Das sollte uns genügend Raum geben, um über die Dinge nachzudenken, die wirklich zählen.

Indem wir achtsamer werden, können wir uns selbst darauf fokussieren, uns besser auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren – auf die Dinge, die uns wirklich wichtig sind. Wie können wir das tun?

Erinnere Dich daran, dass alles ein Ende hat – ohne Dich selbst damit verrückt zu machen!

Wir wissen, dass nicht alles ewig währt, aber uns jeden Tag daran zu erinnern, würde uns nur unnötig traurig machen. Wir sollten uns Momente suchen, in denen wir uns die Vergänglichkeit vor Augen halten können – zum Beispiel, wenn ein lieber Freund eine geliebte Person verliert. Genau dann ist es besonders wichtig, die aktuelle Situation zu reflektieren und zu sehen, dass auch wir jemanden den wir lieben verlieren könnten. Und gleichzeitig sollten wir glücklich darüber sein, dass sie noch bei uns sind.

Lebe im Moment – während Du der Zukunft positiv entgegengehst

Um damit aufhören, zu vieles im Leben als selbstverständlich anzusehen, müssen wir damit aufhören, uns ständig mit der Vergangenheit oder Zukunft zu beschäftigen. Wir müssen die Gegenwart aktiv zu schätzen wissen, jedoch gleichzeitig Ziele für die Zukunft stecken und aktiv darauf hinarbeiten. Wenn Du gesund bist, frage Dich, was du tun kannst, um Deine Gesundheit zu erhalten und nimm physisch und psychisch acht. Wenn Du besonders liebe Menschen in Deinem Leben hast, wie kannst Du sie wissen lassen, wie wichtig sie Dir sind?

Nimm Deine Umgebung aktiv wahr

Im Moment ist es wichtiger als je zuvor, nach draußen zu gehen und die Welt in ihrer ganzen Pracht zu schätzen. Aber Dein Zuhause zählt auch als Deine Umgebung. Vielleicht kannst Du die Zeit zuhause nützen, um Dir Gedanken darüber zu machen, was Du an Deinem Zuhause besonders liebst und was Du verändern/verbessern möchtest?

Erlaube Dir zu fühlen

Jeden Moment genießen zu können, ist unrealistisch. Die Wahrheit ist, nicht alles im Leben ist angenehm und „genießbar“. Erlaube Dir zu fühlen und Deine Gedanken anzunehmen. Oft hilft eine kleine Meditation Dir Deiner Gefühle im Klaren zu werden und, wenn sich Negativität einschleicht, Dir Raum zu geben, um zu entscheiden, ob eine Aktion nötig ist.

Sei von Nutzen

Anderen zu helfen ist bewiesenermaßen gut für die eigene mentale Gesundheit. Oft kommt man in Kontakt mit Menschen, denen es leider schlechter geht als einem selbst. Und wenn es einen direkten Weg gibt, um Dankbarkeit zu fühlen, dann wenn man anderen hilft und so zu einer besseren Gesellschaft beiträgt – die zum Vorteil aller ist. Während dieser schwierigen Zeit ist Hilfe noch notweniger. Du könntest Deinen älteren Nachbarn Lebensmittel besorgen, zum Beispiel, oder durch Deinen Einkauf im Laden ums Eck ein kleines Unternehmen Deiner Region unterstützen.

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