Interview

Es ist nie zu spät für ein Hörimplantat Die Geschichte von Joan Black, die ihr Cochlea-Implantat in ihren 60ern bekam

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: März 2021
In der Sammlung Alter
Lesedauer: 3 Minuten

Joan Black, geboren in den 1940er Jahren, aus Durham, USA, hatte zeitlebens Probleme mit ihrem Gehör, bis sie sich in ihren 60ern für den Einsatz eines Cochlea-Implantats (CI) entschied. Wir sprachen mit ihr über ihre Erfahrungen mit dem Implantat.

Wann begann Ihre Hörbeeinträchtigung?

Ich hatte bereits seit meinem zweiten Lebensjahr Hörprobleme, wahrscheinlich als Folge einer Masernerkrankung. Die Ärzte rieten meiner Mutter, mich in ein Heim zu geben, weil, wie sie sagten, „niemals etwas aus mir werden würde.“ Davon wollte sie aber nichts wissen und setzte mich stattdessen jeden Tag auf die Treppe, wo sie mir das Sprechen beibrachte.

Haben Sie eine Behandlung erhalten?

Ich habe erst im Alter von acht Jahren mein erstes Hörgerät bekommen und prompt versucht, es in einer Vase voll Wasser zu ertränken. Es war eines dieser alten analogen Geräte, die Geräusche nur lauter, aber nicht deutlicher machten.

Welchen Einfluss hatte Ihr Hörproblem auf Sie als Erwachsene?

Ich schaffte gerade so meinen Realschulabschluss in Australien, wo ich aufgewachsen bin, und habe die Schule mit 15 Jahren verlassen. Zur allgemeinen Überraschung begann ich eine Ausbildung als Sekretärin, mir wurde aber ständig gekündigt, weil ich nicht hören konnte. Schließlich fand ich doch noch einen Chef, den ich hören konnte. Ich entwickelte viel Geduld, lernte Lippenlesen und fand Wege, um Probleme zu umgehen, wie z.B. Restaurants nur dann zu besuchen, wenn dort wenig Betrieb war.

„Ein Implantat zu bekommen war die beste Entscheidung meines Lebens.“

Joan Black

Warum haben Sie sich für ein Cochlea-Implantat entschieden?

Obwohl die Hörgeräte besser geworden waren, waren sie immer noch nicht stark genug. Nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung beschloss ich, etwas gegen mein Hörproblem zu unternehmen. Relativ schnell fand ich heraus, dass MED-EL eine Niederlassung in meiner Nähe hat. Mein erstes Implantat bekam ich 2002 und das zweite 2006.

War es eine schwierige Entscheidung?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe mich vorher gründlich informiert und nahezu jeder, mit dem ich gesprochen habe, berichtete von positiven Ergebnissen. Die Operation verlief gut. Ich hatte keine Schmerzen und habe mich bereits nach wenigen Tagen erholt.

Wie war die Rehabilitation?

Dort habe ich wirklich hart gearbeitet. Ich habe alle Termine wahrgenommen, unzählige Fragen gestellt und ging immer wieder zurück, wenn etwas nicht gut lief. Innerhalb von sechs Monaten konnte ich wieder gut hören.

Inwiefern hat das CI Ihr Leben verändert?

Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Jetzt drehe ich die Lautstärke des Fernsehers sogar weiter zurück als mein Mann! Vorher spielte mein Hörverlust immer eine große Rolle. Nun denke ich nicht einmal mehr daran.

Es ist wirklich niemals zu spät für ein Cochlea-Implantat. In gewisser Hinsicht denke ich sogar, dass es noch wichtiger ist, wenn man älter ist, denn dann ist man noch mehr auf Gesellschaft angewiesen und das bedeutet, dass man in der Lage sein muss, sich zu verständigen.

„Vor der Implantation spielte mein Hörverlust immer eine große Rolle. Nun denke ich nicht einmal mehr daran. Ich drehe jetzt die Lautstärke des Fernsehers sogar weiter zurück als mein Mann!”

Joan Black
Ältere Erwachsene

Warum gutes Hören gerade für ältere Menschen wichtig ist

Die 80-jährige Barbara, die bilateral mit Cochlea-Implantaten versorgt ist, berichtet, warum das Leben jetzt jeden Tag so viel schöner ist und wie wichtig Kommunikation ist.

Mehr erfahren

Welche Arten von Hörmplantaten gibt es?

Derzeit stehen schwerhörigen Personen verschiedene Implantatsysteme zur Verfügung. Welches im Einzelfall verwendet wird, entscheidet ihr HNO-Arzt je nach Ergebnis der medizinischen und audiologischen Tests.

  • Cochlea-Implantat (CI) - Bei schwerer bis hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit. Das CI wandelt Schall in elektronische Impulse um und stimuliert damit die Nervenfasern in der Hörschnecke (Cochlea) direkt.
  • Mittelohrimplantat - Bei leichter bis hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit, bei Schallleitungs- und kombiniertem Hörverlust. Das Implantat wandelt die Schallsignale in mechanische Schwingungen um und stimuliert damit die Strukturen des Mittelohrs, z.B. die Gehörknöchelchen.
  • Knochenleitungsimplantat - Bei bleibendem Hörverlust nach Mittelohroperationen, bei Fehlbildungen, Schallleitungshörverlust, kombiniertem Hörverlust und einseitiger Taubheit; immer dann, wenn der Schall nicht über das Außen- und Mittelohr geleitet werden kann. Schallsignale gelangen via Knochenleitung direkt zum Innenohr.
  • Nicht implantiertes Knochenleitungshörsystem - Für Menschen mit einem Schallleitungshörverlust, bei dem der Schall nicht das Innenohr erreicht. Knochenleitungshörsysteme vibrieren sanft und senden somit den Schall direkt ins Innenohr, womit ein natürliches Klangerlebnis ohne Operation gewährleistet ist.
  • Elektrisch Akustische Stimulation (EAS) - Bei partiellem Hörverlust. EAS verbindet die Technik des Cochlea-Implantats mit der von Hörgeräten: Für das Hören der hohen Töne ist das Implantat zuständig, die tiefen Töne werden akustisch verstärkt.
CI

Welche Hörlösung passt zu mir?

So unterschiedlich wie die Arten von Hörverlust sind auch die zur Behandlung dienenden Hörlösungen. MED-EL bietet daher das umfangreichste Produktportfolio und hat für alle Arten von Hörverlust eine passende Lösung. Mehr Informationen über die verschiedenen Arten von Hörverlust und darüber, welche Lösung in Ihrem Fall die passende sein kann, haben wir hier:

Mehr erfahren
Schließen

Mehr aus der Sammlung Alter

Artikel

Externer Inhalt

Verwandte Sammlungen

Mehr aus der Sammlung

Explore Life bietet Ihnen eine bunte Vielfalt an Inhalten mit dem Schwerpunkt: Hören. Begeben Sie sich auf Erkundungstour durch Artikel, Interviews, Video-Material und mehr.