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Freiheit braucht Grenzen Über die Rolle der Freiheit in der heutigen Arbeitswelt

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: September 2019
In der Sammlung Freiheit
Lesedauer: 2 Minuten

Wer frei ist, muss auch Grenzen setzen – und das funktioniert mit einer gesunden Portion Eigenverantwortung, sagt die Psychologin Katayun Pracher-Hilander.

Welche Rolle spielt Freiheit in der heutigen Arbeitswelt?

Freiheit per Definition und Arbeit sind in ihrer Natur gegensätzlich: In der Arbeit sind wir nur bedingt frei. Allerdings können wir gewisse Freiheitsgrade gestalten, durch Flexibilität, Autonomie und Handlungsspielraum. Über diese Elemente können Vorgesetzte auch gut auf die Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter eingehen. Fehlen Freiheitsgrade bei einer Tätigkeit, dann wirkt sich das negativ auf Arbeitsmotivation und Leistung aus und Fluktuation und Fehlzeiten steigen.

Je mehr Freiheit desto besser?

Nicht unbedingt. Im Kontext von Arbeit ist Freiheit nicht nur positiv. Denn der Hintergedanke in einem Unternehmen ist immer „je produktiver, desto besser“, der Mensch per se ist nicht das Anliegen der Organisationen, auch wenn das manchmal vorgeschoben wird. Und wenn Arbeit und Freizeit miteinander verschwimmen, kann das für viele belastend sein.

Gibt es dazu klassische Beispiele?

Wenn der Chef am Wochenende anruft, dann kann das die neue Form der Freiheit empfindlich stören. Oder eine Mutter mit Kindern und Home-Office: Sie kann sich zwar ihre Zeit frei einteilen und empfindet das als große Erleichterung. Dafür hat sie aber oft doppelten Stress, weil sie mehrere Dinge parallel machen muss und bei der Arbeit ständig unterbrochen wird – zum Beispiel, wenn ein Kind schreit. Das verbraucht geistige Ressourcen und macht müde.

Was raten Sie in solchen Fällen?

Je offener die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit werden, desto stärker ist man gefordert, selbst Grenzen aufzuziehen. Zum Beispiel, indem man am Wochenende keine E-Mails liest, oder indem man sich nicht zu viel Arbeit zumutet. Es braucht Selbstdisziplin, um sich und anderen diese Grenzen zu setzen, und es ist oft schwierig, weil man ja vom Dienstgeber abhängig ist. Also ganz und gar nicht frei.

Das klingt nach deutlich mehr Eigenverantwortung.

Je selbstbestimmter ich arbeiten kann, umso eigenverantwortlicher muss ich handeln. Ich muss mit meiner Freiheit auch haushalten können, damit ist viel Selbstmanagement verbunden. Wer damit nicht zurechtkommt, für den ist das eine Belastung. Wer hingegen Autonomie im Sinne von Freiheit braucht, wird innerhalb von starren Strukturen eingehen wie eine Primel ohne Wasser.

Löwenzahn

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