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Freiheit schaffen Einfach mal „Nein!“ sagen! Ein kleines Wort das Freiheit schafft

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: 04.01.2018
In der Sammlung Zeit
Lesedauer: 4 Minuten

Unsere Autorin Silvana Lins ist gestresst: Baustelle, Kind, Mann, Job ... alles zerrt an ihr und braucht ihre volle Aufmerksamkeit. Sie selbst bleibt dabei auf der Strecke. Wo ist der Ausweg? Er ist einfach und schwierig zugleich – und hat viel mit einem simplen Wort zu tun: "Nein!"

Es wird dunkel draußen,

die Sonne ist längst untergegangen und der Mond zeigt sich. Rund um mich wird es ruhiger – doch in mir jagt ein Gedanke den nächsten: Habe ich die Rechnung bezahlt, nichts auf der Liste für morgen vergessen, die Kollegin über die Änderungen informiert, alles für meinen Sohn organisiert? Ich schaue auf die Uhr: Zeit zum Schlafen, aber mein Verstand ist noch immer hellwach. Ich wünschte, der Tag hätte mehr Stunden. Ich fühle mich richtig gestresst und weiß: Es ist Zeit, mich auf die Suche nach Lösungen zu machen.

Einer der führenden Experten zum Thema Stress ist Cary Cooper, Psychologe an der Manchester University in Großbritannien. Im Interview beruhigt er mich, denn ich bin nicht allein: „Jeder Vierte fühlt sich gestresst“, sagt Cooper. „Egal ob in Großbritannien, Deutschland oder Österreich. Das Bild ist ähnlich. Verstärkter ist es nur noch in Ländern wie China, Indien oder Brasilien, aufgrund ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Dort fühlen sich noch mehr Personen gestresst.“

Hohe Erwartungen machen uns unrund

Getrieben von meiner Gedankenwelt der To-dos gehöre ich somit zu den 25 Prozent der Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen gestresst sind. Nur was lässt uns so fühlen? Treibt uns der Perfektionismus an? Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, wenn wir nicht alles schaffen? Oder liegt es schlicht am falschen Zeitmanagement?

„Wenn ich glaube, dass ein bestimmter Zustand in der Zukunft nicht so eintritt, wie ich es mir wünsche, dann entsteht Stress“, erklärt Bernhard Riener, Wirtschaftspsychologe und Unternehmensberater in Haag, Österreich. „Es sind unsere eigenen, innersten Erwartungen davon, wie die Dinge sein sollten, die den Stress verursachen. Wir haben oft zu hohe Ansprüche an uns selbst als Person, aber auch an andere.“ Diese Erwartungen belasten uns – auch wenn wir es manchmal nicht wahrhaben wollen.

Doch es gibt auch die Kehrseite von Stress, denn gewisse Herausforderungen helfen uns, in die Gänge zu kommen und Dinge zu erledigen. „Erst wenn wir nicht mehr abschalten können, nur mehr am Tun sind, dann wird Stress negativ“, erklärt Poonam Stecher Sharma, Yoga-Lehrerin in Zürich, Schweiz, und Yoga-Beraterin für den Film „Eat Pray Love“*.

Ich denke über die vergangenen Monate nach, was ich alles erledigt habe, und merke: Es war zu viel auf einmal, zu wenig Zeit zum Entspannen, und Abschalten war gar nicht. Der Anspruch an mich, alles zu schaffen, hat mich in eine Spirale von Stress manövriert. Und jetzt will ich da raus.

Ein „Nein“ schafft Freiraum

„Einer der Gründe für Stress sind die heute oft schnellen Veränderungen außerhalb unserer Kontrolle“, beschreibt der Psychologe Cary Cooper. Auch hier helfen Ruhe und bewusstes Abschalten damit umzugehen, aber auch der Ausgleich durch das Sozial- und Familienleben kann uns unterstützen. „Wesentlich ist, auf die ständige Erreichbarkeit zu verzichten“, sagt Cooper: „Die Arbeit nicht mit nach Hause nehmen, die E-Mails nicht nach Feierabend lesen und sie während des Urlaubs komplett sperren.“

Für Cooper ist Arbeit ein starker Antreiber in Sachen Stress. Die Arbeitsbelastung, die Erwartungen von Kollegen und Vorgesetzten sowie die eigenen Erwartungen erzeugen enormen Druck. „Um dies im Arbeitsbereich zu lösen, ist es wichtig, dass die Manager trainiert werden. Sie brauchen vor allem soziale Fähigkeiten“, sagt Cooper. „Gleichzeitig müssen wir lernen ‚Nein’ zu sagen. Wenn es nicht wirklich wichtig ist, sage ‚Nein, nein, nein!‘“

Zusätzlich gibt es viele Möglichkeiten, wie wir uns auf körperlicher Ebene ganz erfolgreich vom Druck freimachen: „Akupunktur, Massagen oder Yoga können helfen, den Stress zu reduzieren“, sagt Yoga-Lehrerin Stecher Sharma.

2 Schilder in Richtung ja und nein
© Shutterstock

Zeitmanagement gibt Struktur

Und dann gibt es noch ganz praktische Werkzeuge, die uns helfen, Struktur und zeitliche Organisation in unseren Tag zu bringen; mit denen wir lernen, unsere Tätigkeiten entsprechend ihrer Bedeutung einzuteilen und zu erledigen. Richtiges Zeitmanagement nimmt den Druck und hilft, mit Stress umzugehen (siehe Kasten unten).

Ich erinnere mich an meine Liste der To-dos und meinen frommen Wunsch, der Tag solle bitte doch mehr Stunden haben. Nachdem mir den wohl niemand erfüllen wird, heißt das für mich: priorisieren und streichen. Und ich entscheide, ich fange sofort damit an.

Die eigene Zeit gut organisieren

Stress geht oft mit dem Gefühl einher, zu wenig Zeit zu haben. Tatsächlich sehen Experten einen Zusammenhang zwischen Stress und fehlendem Zeitmanagement. Hier einige Tipps für das erfolgreiche Organisieren der To-dos.

  • Erkenne, was du wirklich willst
  • Priorisiere deine Aktivitäten nach dem Eisenhower-Prinzip: Die wichtigen und dringenden Aufgaben erledige selbst, für nur wichtige reserviere Zeit, nur dringende delegiere und streiche, was nicht wichtig ist
  • Mache weniger, je mehr es zu tun gibt
  • Lege bewusst Ruhepausen ein
  • Nimm die Arbeit nicht mit ins Privatleben
  • Lass deine Erwartungen an dich los
  • Sage öfter Nein

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