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Wie kann man sein Gehör schützen? Alles was man über gesunde Ohren wissen muss

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: September 2019
In der Sammlung Alter
Lesedauer: 6 Minuten

Das Alter geht auch an den Ohren nicht spurlos vorüber. Ein Gutteil der Über-65-Jährigen hört mit den Jahren immer schlechter. Dieser Prozess lässt sich nicht verhindern – doch schädliche Einflüsse können wir uns allemal vom Leib halten.

Die skurrile Sache mit unseren Ohren

Während viele Partien des Körpers im Alter schrumpfen, wachsen die Ohren des Menschen ein Leben lang. Warum das so ist, weiß niemand so genau. Doch die These des Berliner Humanbiologen Carsten Niemitz, die immer größer werdenden Ohrmuscheln könnten einen Teil des altersbedingten Hörverlusts ausgleichen, klingt zumindest recht plausibel.

Zuerst kommen uns die besonders hohen Frequenzen abhanden, dann die tiefen. So nehmen zum Beispiel viele Kinder noch problemlos das Fiepen einer Fledermaus wahr oder leiden unter dem penetranten Sirren elektrischer Geräte. Bereits in mittleren Jahren hören viele Erwachsene solche Töne nicht mehr; und zwischen 50 und 60 ist es selbst bei den Besthörenden damit meist vorbei.

Warum sich das Hören verändert

Heute ist bekannt, dass Altersschwerhörigkeit auch bei Völkern vorkommt, die in der Wüste leben. Selbst in den stillsten Regionen der Erde stellen die feinen Härchen im Innenohr ihre Funktion ein. Diese Haarzellen sind verantwortlich für die Reizweiterleitung von Schall ins Gehirn, und da sie nicht neu gebildet werden, hören wir umso schlechter, je mehr von ihnen mit den Jahren absterben.

Auch andere Funktionen des Innenohrs lassen im Laufe der Zeit nach. So gehen Neuronen des Hörnervs verloren. Eintreffende Informationen können deshalb nicht mehr so gut verarbeitet werden wie in der Jugend. Eine Studie am Max-Planck-Institut in Leipzig zeigte kürzlich außerdem, dass gutes Hören auch mit Konzentrationsfähigkeit zu tun hat – und dass die im Alter abnimmt. Hirnstrommessungen bei jüngeren und älteren Personen zeigten, dass sich die 20- bis 30-Jährigen beim Hören deutlich weniger anstrengen müssen als die 60- bis 70-Jährigen.

Wie wir den Ohren schaden

Ein gradueller Rückgang der Hörleistung ist also ganz natürlich. In lauten, belebten, hektischen Lebensumfeldern sind unsere Ohren aber neben dem natürlichen Altern auch vielen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt, die in komplexer Wechselwirkung den Weg in die Schwerhörigkeit beschleunigen können. In Kombination führen sie dazu, dass im Westen heute etwa jeder zweite Mann und jede dritte Frau mit 65 Jahren schlecht hört.

Lärm

Das größte Ohr-Problem unserer Zeit ist Lärm: Maschinen, Autos, Flugzeuge, aber auch eine gewollte laute Beschallung wie beim Musikhören über Kopfhörer können dauerhafte Schäden am Hörorgan anrichten. Wer zum Beispiel nach einem Konzert oder einem lauten Knall ein Summen im Ohr vernimmt und eine Weile nicht mehr gut hört, hat eine ganze Menge Haarzellen verloren. Lärm ist für diese feinen Härchen wie ein Orkan, der über einen Wald schlanker Bäume fegt. Eine Weile biegen sie sich im Wind – doch wird der Druck zu stark, knicken sie.

Eine Zeitlang kann das Ohr solche Ausfälle kompensieren. Doch eine dauerhafte Lärm-Überlastung – ob gewollt oder ungewollt – führt irgendwann zu Schwerhörigkeit.

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Schadstoffe

Auch die meisten Schadstoffe sind Gift für die Ohren. So ist das Rauchen für das Hören genauso schädlich wie für den Rest des Körpers. Ebenso Alkoholmissbrauch, Drogen oder zahlreiche Umweltgifte, denen wir ausgesetzt sind. Wer viel mit chemischen Substanzen und giftigen Dämpfen zu tun hat, sollte deshalb nicht nur die Atemwege, sondern auch die Ohren gut schützen.

Medikamente

Kaum bekannt ist, dass auch zahlreiche Medikamente den Hör- und Gleichgewichtssinn angreifen können. Dazu gehören so harmlos erscheinende Mittel wie die Acethylsalicylsäure, besser bekannt unter dem Handelsnamen „Aspirin“, aber auch bestimmte Antibiotika, Herzmittel wie Betablocker und Diuretika bis hin zu manchen Antidepressiva oder dem Malariamittel Chinin.

Einige dieser „ototoxischen“ – also das Innenohr schädigenden – Wirkstoffe beeinträchtigen das Hören nur, solange sie eingenommen werden, andere können aber zu bleibenden Effekten führen – neben Hörverlust sind das auch Tinnitus oder Schwindel. Die Einnahme solcher Mittel bedarf deshalb einer engmaschigen ärztlichen Betreuung: Sie sollten nicht zu lange, nicht zu hoch dosiert und möglichst nicht kombiniert eingenommen werden. Außerdem ist es sinnvoll, die Hörleistung regelmäßig zu kontrollieren.

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Stressoren

Ein weiterer Grund, warum wir mit der Zeit schlechter hören, ist ein ungesunder Lebenswandel, der auf Dauer unsere Gesundheit beeinträchtigt – und damit auch das Hören. Beispielsweise tritt im Zusammenhang mit starkem Stress öfter ein Tinnitus auf, oder es kommt sogar zu einem Hörsturz.

Auch eine schlechte Durchblutung mindert die Hörleistung. Kommen Erkrankungen dazu wie Herzkrankheiten, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), ein zu hoher oder auch zu niedriger Blutdruck oder Arteriosklerose, die mit Durchblutungsstörungen und feinen Ablagerungen in den Gefäßen einhergehen, kann sich das ebenso auf die Ohren schlagen.

Ein gesunder Lebensstil hilft dem Hören

Niemand kann das Altern verhindern. Aber glücklicherweise können wir aktiv gegensteuern – indem wir uns vielseitig ernähren, Stress vermeiden, mit dem Rauchen aufhören oder verrauchte Umgebungen meiden. Und vor allem: uns viel bewegen. Wobei hier beileibe kein Hochleistungssport oder Fitnessstudio nötig sind, wie der 76-jährige Gesundheitswissenschaftler Steven Blair von der Universität South Carolina betont: Es genügt schon, den Kreislauf alle zwei Tage etwa mit flottem Gehen, mit regelmäßigem Stiegen steigen oder Rad fahren ordentlich anzukurbeln, um sämtliche körperlichen Prozesse positiv zu beeinflussen.

Sich im wahrsten Wortsinn regelmäßig „in Gang zu setzen“, ist nicht nur Herz-gesund, sondern eine wahre Verjüngungskur. Bewegung gleicht Hormonschwankungen aus, wirkt praktisch allen Krankheiten entgegen, stärkt die Abwehrkräfte, den Gleichgewichtssinn, die Muskeln und Knochen, verbessert den Schlaf, hebt die Stimmung und kurbelt die Durchblutung an. Und all das hält auch die Ohren fit.

Von Hörverlust Betroffene weltweit
Wie viele Menschen weltweit von Hörverlust betroffen sein werden.
© MED-EL

Ab wann zum Hörtest?

Das schlechte Hören kommt oft schleichend. Wir bemerken es zum Beispiel, weil wir Radio oder Fernseher immer lauter stellen müssen oder – sehr typisch – bei Nebengeräuschen unser Gegenüber kaum noch verstehen. Das liegt vor allem am Verlust der höheren Frequenzen, der dazu führt, dass Sprache aus dem „Geräuschteppich“ nicht mehr so gut herausgefiltert werden kann.

Ein Hörtest ist sinnvoll, wenn Sie drei oder mehr der folgenden Punkte mit Ja beantworten:

  • Sie haben den Eindruck, die anderen murmeln eher als klar zu sprechen.
  • Sie müssen sich anstrengen, um einem Gespräch zu folgen.
  • Sie verstehen häufig falsch, was andere sagen.
  • Sie müssen andere oft bitten, etwas zu wiederholen.
  • Sie haben Verständnisprobleme beim Telefonieren.
  • Bei Geräuschen im Hintergrund können Sie Ihr Gegenüber schwer verstehen.
  • Sie haben Probleme, einem Gespräch zu folgen, wenn mehrere Personen gleichzeitig sprechen.
  • Andere beklagen sich, dass Ihr Fernseher oder Radio zu laut läuft.
Gehör

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