Artikel empfohlen

Hören im Wettlauf mit der Zeit Warum Sie bei Hörverlust sofort aktiv werden sollten

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: September 2020
In der Sammlung Hören
Lesedauer: 6 Minuten

Bemerken Sie bei sich oder Ihrem Kind Hörverlust, machen Sie sich im ersten Moment große Sorgen. Sie sollten jedoch nicht in Panik geraten, denn es gibt hervorragende Lösungen. Entscheidend ist, dass Sie schnell handeln: Je eher Sie sich für eine Hörlösung, etwa ein Implantat, entscheiden, desto bessere Chancen haben Sie auf ein gutes Gehör. Erfahrene HörPaten unterstützen Sie auf Ihrem Weg!

Verlieren Sie bei Hörverlust keine Zeit

Bei auffallendem Hörverlust sollten Sie keine Zeit verlieren und schnell handeln, um langfristige Schäden zu vermeiden. Das rasche Einsetzen beispielsweise eines Cochlea-Implantats ist sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern ausschlaggebend – vor allem aber bei Babys, die mit teilweisem oder gar vollständigem Hörverlust geboren werden. Kinder lernen mithilfe ihres Gehörs sprechen: Im Alter von vier bis sechs Monaten imitieren Babys die Geräusche, die sie hören; mit sieben bis elf Monaten verstehen sie schon die ersten Wörter. Das kindliche Gehirn bildet den Hörprozess in den ersten beiden Lebensjahren vollständig aus – findet der Prozess in dieser Zeit nicht statt, bleibt das Kind auf Dauer hörgeschädigt.

Cochlea-Implantate für Kinder: je früher, desto besser

Laut Wolf-Dieter Baumgartner, Professor im Bereich HNO an der Universitätsklinik Wien und der Karolinksa Universität in Stockholm, ist die Stimulation des Hörnervs zum frühestmöglichen Zeitpunkt von entscheidender Bedeutung. Der Hörnerv empfängt Informationen von den Haarzellen im Innenohr und kann nur arbeiten, wenn diese intakt sind. Bei beschädigten Haarzellen bleibt der Nerv inaktiv und die für das Hören zuständige Hirnregion entwickelt sich nicht weiter. Findet jedoch rechtzeitig eine Stimulation statt, und sei es durch die elektrischen Impulse eines Implantats, besteht Hoffnung. Gehörlose Babys, die noch im ersten Lebensjahr beidseitig Implantate erhalten, „können […] eine Hör- und Sprechfähigkeit entwickeln, mit der sie von normal-hörenden Gleichaltrigen nicht mehr zu unterscheiden sind“, so Baumgartner.

Generell gilt: Je früher ein Baby sein CI erhält, desto besser. Ein Implantat im ersten oder spätestens zweiten Lebensjahr ermöglicht es Kindern oft, eine normale Schule zu besuchen. Die Audiopädagogin Ulrike Rücke erklärt dies folgendermaßen: „Diese Kinder durchlaufen alle Phasen des Spracherwerbs wie normal hörende Gleichaltrige.“ Bekommen Kinder aber erst zu einem späteren Zeitpunkt ein CI, hat dies Konsequenzen: Die Sprachentwicklung verzögert sich immer stärker, die Therapie wird aufwendiger und ein Regelschulbesuch ist kaum möglich. Von den Kindern, die zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr ein CI bekommen, kann lediglich die Hälfte eine normale Schule besuchen – ab dem vierten Lebensjahr erlangen die Kinder nie ein normales Hör- und Sprechniveau. Trotzdem ist auch in solchen Fällen zu einer zügigen Implantation zu raten, vor allem, wenn ein Kind bereits hören und sprechen gelernt hat und der Hörverlust erst später aufgetreten ist. Die Kombination von Operation, Reha und Therapie bietet hervorragende Chancen, das kindliche Gehör wieder zu aktivieren.

So erkennen Sie Hörverlust bei Ihrem Kind

Kommt Ihr Kind gehörlos zur Welt, wird dies bei Routineuntersuchungen festgestellt und sie bemerken es im Alltag. Bei einem partiellen Hörverlust jedoch gestaltet sich die Aufgabe schwieriger: Manche Kinder hören etwa nur niedrigere Frequenzen und imitieren bei ihren ersten Sprechversuchen dementsprechend auch nur einzelne Wortkomponenten. Das fällt jedoch in den ersten Monaten kaum auf und macht sich erst im Alter von etwa drei Jahren anhand von verzögerten Sprech- und Sprachfähigkeiten bemerkbar. Haben Sie Zweifel an der Hörfähigkeit Ihres Kindes, gibt ein Hörtest Aufschluss.

Auch für Erwachsene gilt: Die Zeit rennt

Erwachsene sollten ebenfalls nicht lange zögern, wenn Probleme mit dem Gehör auftreten. Je länger der Hörverlust andauert, desto stärker verarbeitet der Teil der Hirnrinde, der eigentlich fürs Hören gedacht ist, nun andere Sinnesreize. Das kompensiert zwar in einem gewissen Sinne den Hörverlust, doch das Wiedererlangen der Hörfähigkeit wird im Lauf der Zeit immer schwieriger. Je eher Sie sich für einen operativen Eingriff entscheiden, desto effektiver greifen Reha und Therapie.

Hörimplantate – der sicherste Eingriff im Bereich HNO

Beim Gedanken an eine Operation bekommen es viele Menschen mit der Angst zu tun. Im Fall eines Cochlea-Implantats ist das jedoch unbegründet, da es sich lediglich um einen Standard-Eingriff handelt. Weltweit haben sich bereits hunderttausende Menschen jedes Alters für eine derartige OP entschieden und genießen heute ein Leben bei gutem Gehör. Laut Professor Wolf-Dieter Baumgartner handelt es sich bei einem Hörimplantat sogar um den sichersten chirurgischen Eingriff im Bereich Hals-Nasen-Ohren. Babys vertragen den Eingriff sehr gut und auch ältere Menschen müssen sich keinesfalls Sorgen machen, wie zahlreiche Studien beweisen. Eine mit 232 Teilnehmern durchgeführte Studie etwa belegt, dass 100 Prozent der unter 79-Jährigen und 96 Prozent der über 80-Jährigen keinerlei Komplikationen erlitten haben.

Haben Sie dennoch Bedenken? Zögern Sie nicht, Ihrem behandelnden Arzt Fragen zu stellen. Was erwartet Sie während der OP? Wie geht es nach der OP weiter? In diesem Fall gibt es keine dummen Fragen. Es ist besser, sie stellen sie und schöpfen dadurch Mut, anstatt den Eingriff immer weiter aufzuschieben.

Ältere Erwachsene

Hören bis ins hohe Alter

Ein Alter von über 90 ist heute kein Hindernis mehr auf dem Weg zum guten Hören. Die Vorteile sind: mehr soziale Kontakte, ein stärkeres Selbstbewusstsein und eine generell höhere Lebensqualität.

Mehr erfahren

Das erwartet Sie bei einem Cochlea-Implantat

Da für jede Einrichtung ein individuelles Prozedere gilt, ist ein ausführliches Beratungsgespräch ohnehin unerlässlich. Im Allgemeinen können Sie jedoch mit diesen Schritten rechnen: Vor der OP wird wie üblich Ihr allgemeiner Gesundheitszustand geprüft. Der Grad des Hörverlustes wird erneut durch audiometrische Untersuchungen, also verschiedene Hörtests, bestimmt. Mittels MRT (Magnetresonanztomografie) und CT (Computertomografie) werden Zustand und Länge der Cochlea ermittelt, um so die Entscheidung für die richtige Elektrodenlänge treffen zu können. Da die Operation unter einer Allgemeinanästhesie durchgeführt wird, erhalten Sie eine Narkose, deren Wirkung etwa vier Stunden andauert. Für den Eingriff selbst benötigt der Arzt zwischen anderthalb und zweieinhalb Stunden.

Je nach Einrichtung dürfen Sie schon am selben Tag, im Normalfall aber spätestens nach fünf Tagen auch schon wieder nach Hause. Bitte beachten Sie, dass Sie in dieser Phase noch nicht hören können – erst muss Ihr Gerät in Betrieb genommen werden. Dies geschieht etwa zwei bis sechs Wochen nach der OP und nachdem der Einschnitt verheilt ist. Nun wird der Audioprozessor erstmals aktiviert und angepasst. Es handelt sich um ein hochsensibles System und Ihr Gehirn wird Zeit brauchen, um sich an die neue Art zu hören zu gewöhnen. Deshalb sind in den kommenden Wochen mehrere weitere Termine nötig. Anschließend jedoch werden Sie in der Regel nur noch einmal pro Jahr zur Anpassung bestellt und mithilfe der Reha und regelmäßigem Training wird sich Ihr Hörvermögen im Laufe der Zeit stetig verbessern.

HearPeers group
© MED-EL

Suchen Sie das Gespräch mit einem HörPaten

Hörverlust – egal, ob er Sie direkt betrifft oder aber Ihr Kind – sorgt verständlicherweise für große Unsicherheit. Im besten Fall sind Ihre Familie und Ihre Freunde für Sie da, hören sich Ihre Probleme an und unterstützen Sie emotional. Fragen zu Hörverlust und den entsprechenden Lösungen beantworten Ihnen die Spezialisten von MED-EL. Doch letztlich verschafft Ihnen oft nur ein Gespräch mit einer Person Erleichterung, die Ihre besonderen Sorgen und Nöte aufgrund eigener Erfahrungswerte nachempfinden kann.

Deshalb hat MED-EL die Initiative HörPaten ins Leben gerufen. Hier finden Menschen, die von Hörverlust betroffen sind und über ein CI nachdenken, den passenden Ansprechpartner. Auf der entsprechenden Website nehmen Sie schnell und unkompliziert Kontakt auf und erhalten in privaten Nachrichten Antworten auf Ihre persönlichen Fragen. HörPaten nutzen selbst Hörimplantate und teilen ihre Erfahrungen gerne mit Ihnen: Wie ist das Hören mit einem Implantat? Kann man damit Musik genießen? Und wie sieht es mit Sport aus? Nutzen Sie dieses kostenlose Angebot und lassen Sie sich von den HörPaten berichten, wie auch Sie sich mit einem Implantat ein Stück Lebensqualität zurückerobern können!

Hörpaten

HörPaten teilen ihre Erfahrungen

Bei HearPeers finden Sie Informationen zu Hörverlust und Hörimplantaten und bekommen Antworten auf individuellen Fragen von einem HörPaten/Patin.

Kontakt aufnehmen
Schließen

Mehr aus der Sammlung Hören

Artikel

Externer Inhalt

Verwandte Sammlungen

Mehr aus der Sammlung

Explore Life bietet Ihnen eine bunte Vielfalt an Inhalten mit dem Schwerpunkt: Hören. Begeben Sie sich auf Erkundungstour durch Artikel, Interviews, Video-Material und mehr.