Interview

Hören trotz Taubheit? Elisabeth Krenners Weg aus der Stille in die Welt der Hörenden

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: März 2020
In der Sammlung Arbeit
Lesedauer: 3 Minuten

Die Künstlerin Elisabeth Krenner ertaubte nach einer schweren Krankheit mit 24 Jahren völlig. Erst 20 Jahre später entschied sie sich für ein Cochlea-Implantat (CI). Heute ist sie Leiterin der CI-Selbsthilfegruppe „Taub und trotzdem hören“ und bietet über die Österreichische Cochlear Implant Gesellschaft Beratungen vor allem für spät ertaubte Erwachsene und deren Angehörige an. Ein Gespräch über ihren langen Weg aus der Stille zurück in die Welt der Hörenden.

Warum haben Sie sich erst nach 20 Jahren Gehörlosigkeit für die Implantation entschieden?

Ich hatte einfach sehr viel Angst vor der Operation. Und das, obwohl die Gehörlosigkeit für mich sehr schlimm war. In der Stille ist man so isoliert. Vor sieben Jahren habe ich mich dann doch durchgerungen. Es war damals nicht absehbar, inwieweit ein Implantat in meinem Fall überhaupt hilft, da zwanzig Jahre Gehörlosigkeit einfach eine sehr lange Zeit sind.

Es hat offensichtlich funktioniert. Sie hören und sprechen heute wie eine Normalhörende.

Ja, ich bin „taub und kann trotzdem hören“! Darauf bin ich auch sehr stolz. Heute denke ich mir: Wie viel Zeit man da vertut, wenn man nicht den Mut hat, sich implantieren zu lassen. Es leidet ja auch der Geist unter der Gehörlosigkeit. Gut hören hält geistig fit. Jetzt sauge ich alles auf und bilde mich weiter.

CI

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Warum haben Sie sich erst nach 20 Jahren Gehörlosigkeit für die Implantation entschieden?

Ich hatte einfach sehr viel Angst vor der Operation. Und das, obwohl die Gehörlosigkeit für mich sehr schlimm war. In der Stille ist man so isoliert. Vor sieben Jahren habe ich mich dann doch durchgerungen. Es war damals nicht absehbar, inwieweit ein Implantat in meinem Fall überhaupt hilft, da zwanzig Jahre Gehörlosigkeit einfach eine sehr lange Zeit sind.

Es hat offensichtlich funktioniert. Sie hören und sprechen heute wie eine Normalhörende.

Ja, ich bin „taub und kann trotzdem hören“! Darauf bin ich auch sehr stolz. Heute denke ich mir: Wie viel Zeit man da vertut, wenn man nicht den Mut hat, sich implantieren zu lassen. Es leidet ja auch der Geist unter der Gehörlosigkeit. Gut hören hält geistig fit. Jetzt sauge ich alles auf und bilde mich weiter.

Zeichnungen über Hörverlust von Elisabeth Krenner
Elisabeth Krenner war 20 Jahre lang gehörlos. In dieser Zeit rückte die Malerei ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Im Bild Arbeiten zum Thema Hören mit Implantat.
© William Tadros

Wie war der Weg aus der Stille in die Welt der Hörenden für Sie?

Bei der ersten Einstellung war alles wahnsinnig laut und fremd für mich. Und als ich meine eigene Stimme zum ersten Mal wieder hörte, wollte ich gar nicht mehr sprechen. Sie klang verzerrt wie Mickey Mouse. Trotzdem war jedes Geräusch, das ich wahrgenommen habe, ein Geschenk. Und dann begann ich mit dem Hörtraining. Ich konnte mich noch an Geräusche erinnern, wie sie sich früher angehört hatten. Mit dem CI klang jetzt alles anders. Gleichzeitig mit dem Training im Krankenhaus habe ich ständig mit meinen Verwandten und Freunden geübt, die mir sagen mussten, was ich da genau höre. Nach fünf Monaten habe ich auch eine stationäre Rehabilitation gemacht.

Heute tragen Sie beidseitig ein Implantat. Warum?

Mein Richtungshören war mit nur einem Implantat sehr schlecht, ich wusste nie, woher die Stimme kam, wenn jemand mit mir redete. Also ließ ich mich fünfzehn Monate später auch auf dem zweiten Ohr implantieren. Schon eine Woche nach der Implantation konnte ich 96 Prozent hören. Ich merke eine ständige Verbesserung meiner Hörqualität. Seit zwei Jahren geht das Telefonieren auch ohne Induktionsschleife immer besser.

Was hat Ihnen geholfen, nach so langer Gehörlosigkeit wieder so gut zu hören?

Ich habe sehr viel trainiert – und trainiere immer noch. Ich entdecke immer wieder neue Geräusche. Auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen und die spezielle Reha haben mir sehr geholfen. Und: Eine positive Einstellung ist wichtig. Man muss zuerst akzeptieren, dass man ein Implantat hat, es nicht verstecken. Und dann kann man damit arbeiten und alles aus dem CI rausholen.

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