Interview

Hören und Sprechen lernen mit Cochlea-Implantat Welche Rolle spielen das Hörtraining und der Familienrückhalt in der Rehabilitation?

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Mai 2021
In der Sammlung Rehabilitation
Lesedauer: 3 Minuten

Nach der Aktivierung eines Cochlea-Implantats ist die Rehabilitation ausschlaggebend, um ein optimales Hörergebnis zu erzielen. Hören mit einem Cochlea-Implantat muss erlernt und laufend geübt werden. Rehabilitation mit CI, der begleitende Prozess zum aktiven Erlernen des Hörens, ist daher unverzichtbar und für Kinder und Erwachsene gleichermaßen wichtig. Regelmäßiges Üben trägt dazu bei, die Hörfähigkeit schneller zu steigern.

Rehabilitation mit CI

MED-ELs Rehabilitationsteam erklärt, wie Kinder mit Cochlea-Implantaten gleich sprechen lernen können wie Gleichaltrige.

Unter welchen Voraussetzungen eignen sich Cochlea-Implantate (CI) für ein Kind?

CI werden für Kinder in Erwägung gezogen, die mit hochgradigem bis völligem sensorineuralem Hörverlust in einem oder beiden Ohren diagnostiziert wurden. In manchen Ländern kommen auch Kinder mit mittelgradiger Schwerhörigkeit für ein Implantat in Frage, dann nämlich, wenn andere Hörhilfen nicht ausreichend Erfolg bringen. Sehr wichtig sind auch der Zugang zu (Re-)Habilitation in Form von Hörtraining – und die Bereitschaft, es in Anspruch zu nehmen.

Warum ist Hörtraining notwendig?

Nachdem ein CI implantiert wurde, erfährt die Person eine Stimulation, die dem Gehirn eine Nachricht von Schall übermittelt. Kinder und auch Erwachsene können diesen Impuls nicht immer sofort verstehen. Sie brauchen Training, um die Fähigkeit zur Schallinterpretation zu entwickeln. Während des Hörtrainings lernen CI-Träger Töne und Worte zu erkennen und werden im Laufe der Zeit immer besser dabei. Bei Erwachsenen dauert die durchschnittliche Rehabilitation sechs bis zwölf Monate. Bei Kindern erstrecken sich die (Re-)Habilitationsprogramme oft über mehrere Jahre, da sie sich in einer kritischen Phase von Sprechenlernen und Spracherwerb befinden.

Wie unterscheidet sich das Training bei Babys und kleinen Kindern, die noch nie hören konnten, von der Rehabilitation Erwachsener?

Das Sprechenlernen von Kindern ist ein komplexer Prozess und hängt stark von der Fähigkeit zu hören ab. Babys brauchen ausreichend Zugang zu allen Tönen der Sprache und zahlreiche Gelegenheiten, um gesprochene Sprache zu hören, bevor sie diese selbst entwickeln können.

Wird ein Kind in den ersten Lebensjahren mit einem CI ausgestattet, so kann sich sein Habilitationsprogramm nach einem ähnlichen Muster entwickeln, wie auch normalhörende Kinder das Zuhören und Sprechen lernen. Das Gehirn ist bereit, Schall zu verarbeiten und befindet sich in einer empfänglichen Phase für die Sprachentwicklung.

Bei Erwachsenen, die ihr Gehör verloren haben, folgt das Rehabilitationsmodell einem Weg des Wiedererlernens. Der vom Cochlea-Implantat gelieferte Schall wird so angepasst, dass er dem bereits bestehenden Wissen über gesprochene Sprache entspricht.

Wie können Kinder mit CI am besten beim Sprechenlernen unterstützt werden?

Ein Teamansatz ist am wirksamsten: Dazu gehören Chirurgen, Audiologen, Sprech- und Sprachpathologen und Rehabilitationsexperten, aber auch Familie und Lehrer. Die Familie spielt eine extrem wichtige Rolle.

Zuhören, Sprechen und Sprache lernt man, indem man der Sprache reichlich und in einem bedeutungsvollen Zusammenhang ausgesetzt ist. Daher müssen Familien korrekt über geeignete Strategien informiert werden, mit denen sie dies erreichen können. Bei Babys und kleinen Kindern kann das auch bedeuten, Lieder zu singen, die spezielle Sprechlaute stimulieren, die sie noch nicht in ihrem Repertoire haben. Oder Spiele und Aktivitäten, die bestimmte Charakteristiken von Sprache enthalten. Es geht darum, den Fortschritt des Kindes genau zu beobachten, gleichzeitig das Wissen der Spezialisten einfließen zu lassen und ständig die Ziele für weitere Fortschritte anzupassen.

Können taube Kinder mit Implantaten das Hören und Sprechen genauso gut lernen wie normalhörende Gleichaltrige?

In den ersten Lebensjahren eines Kindes ist sein Gehirn am anpassungsfähigsten. Es ist bereit, Töne zu empfangen und Sprache zu entwickeln. Durch eine frühe Implantation und (Re-)Habilitation kann diese wichtige Phase der Entwicklung maximal ausgenützt werden. Dann haben gehörlose Kinder mit CI die Chance, Hör- und Sprechfähigkeiten zu entwickeln, die sich mit jenen von normalhörenden Kindern vergleichen lassen.

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