Artikel empfohlen

Hörsturz – wenn es plötzlich still wird Warum es wichtig ist, die Warnsignale ernstzunehmen

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Mai 2021
In der Sammlung Hören
Lesedauer: 3 Minuten

Ein Hörsturz ist eine plötzlich auftretende Schwerhörigkeit, die mit einem Infarkt im Innenohr verglichen werden kann. Ihr Ursprung liegt im Innenohr, es handelt sich also um eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Ärzte sprechen von einem Hörsturz, wenn die Hörschwelle auf drei nebeneinanderliegenden Frequenzen (umgangssprachlich als Tonhöhen bezeichnet) um mindestens 30 dB sinkt und dieser Zustand mindestens drei Tage andauert. Diese plötzliche Erkrankung des Innenohrs kommt sehr häufig vor. Allein in Deutschland erleiden laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ca. 150.000 Menschen jedes Jahr einen Hörsturz.

Meist ist nur ein Ohr betroffen. Doch auch das ist ein beängstigender Zustand, denn je nach Schweregrad des Hörverlusts kann dadurch die Fähigkeit, Schallquellen zu orten verloren gehen. Im Klartext: man kann nicht mehr feststellen, woher ein Geräusch kommt.

Die Symptome erkennen und ernst nehmen

Viele Menschen berichten, dass sie morgens mit einem Gefühl aufwachten, als wäre ihr Ohr mit Watte gefüllt, viele verspürten einen Druck im Ohr, hörten ein Pfeifen oder ein lautes Klingeln (Tinnitus) oder fühlten sich schwindlig. Bei einem einseitigen Hörsturz bemerkten Betroffene manchmal ihren Hörverlust erst beim Telefonieren oder Verwenden von Kopfhörern.

Die Ursachen eines Hörsturzes

Ein Hörsturz kann viele verschiedene Ursachen haben, doch in 90% der Fälle tritt er ohne erkennbaren Grund auf. Er wird dann als idiopathisch bezeichnet.

Zu den Auslösern für einen Hörsturz zählen: Virusinfektionen, Autoimmunerkrankungen, neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Schädel-Hirn-Trauma, Schlaganfälle, Durchblutungsstörungen, aber auch gehörschädigende ("ototoxische") Medikamente oder Stress.

Egal, was den Hörsturz ausgelöst hat - wenn Sie Symptome erkennen, die auf einen Hörsturz hindeuten, lassen Sie sie möglichst bald medizinisch abklären.

Die Behandlung nicht hinauszögern

Nehmen Sie einen Hörsturz ernst und suchen Sie bei entsprechenden Symptomen unverzüglich einen Arzt auf. Denn durch eine rasche Diagnose und Behandlung sinkt das Risiko, dauerhaft schwerhörig zu bleiben.

Rund die Hälfte der Hörstürze heilt spontan ab, und es bleibt nur ein geringer oder gar kein Hörverlust zurück. Das gilt vor allem bei leichten Symptomen. Von den Betroffenen, die durch den Hörsturz einen mittleren oder schweren Hörverlust erleiden, erholen sich nur 20% vollständig. Je schlechter man nach dem Hörsturz hört, desto wichtiger ist eine schnelle Behandlung. Ein Hinauszögern kann bedeuten, dass Behandlungen nicht mehr so gut wirken.

Hörsturz - die Diagnose

Besteht der Verdacht auf einen Hörsturz, führt der HNO-Arzt zunächst eine medizinische Untersuchung durch, um eine gesicherte Diagnose zu erstellen und eine Schallleitungsschwerhörigkeit auszuschließen, die mit ähnlichen Symptomen einhergeht. Um zwischen einem Schallempfindungs- und einem Schallleitungshörverlust zu unterscheiden, gibt es verschiedene diagnostische Möglichkeiten:

  • Die Otoskopie, also eine Untersuchung des Ohres mit einem Otoskop. Sie gibt Aufschluss über den Zustand des Gehörgangs, des Trommelfells und des Mittelohrs.
  • Die Reintonaudiometrie ist ein schneller Hörtest, bei dem die Hörschwellen für verschiedene Frequenzen festgestellt werden.
  • Mittels Sprachaudiometrie wird festgestellt, wie gut der Patient Sprache versteht.
  • Die Tympanometrie ist ein objektiver Test, bei dem die Funktion des Mittelohrs geprüft wird.

Bei einem Hörsturz ermitteln HNO-Spezialisten in einem ersten Schritt die vorhandene Hörfähigkeit des Patienten, idealerweise innerhalb von zwei Wochen nach dem ersten Auftreten von Symptomen. Steht für die Kliniker die Diagnose Hörsturz eindeutig fest, können sie eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) durchführen lassen, um der Ursache für den Hörsturz auf den Grund zu gehen. Mit diesen Untersuchungen können sie auch etwaige andere Probleme, zum Beispiel am Hörnerv oder Hörzentrum im Gehirn ausschließen. Ein weiteres Diagnoseinstrument ist die Hirnstammaudiometrie (kurz: BERA), eine automatisierte objektive Hörmessung.

Tympanometrie
Tympanometrie
© Getty Images

Die Behandlung

Meistens verschreiben HNO-Ärzte in einem ersten Schritt Kortikosteroide (auch Glukokortikoide genannt), um den Hörsturz medikamentös zu behandeln. Sie wirken erfahrungsgemäß sehr gut, vor allem in den ersten zwei Wochen nach dem Hörsturz. Steroide hemmen Entzündungen und können in Tablettenform verabreicht oder mit einer Spritze direkt ins Mittelohr injiziert werden.

Diese sogenannte intratympane Therapie wird vor allem bei Patienten durchgeführt, deren Hörvermögen sich auch nach mehreren Wochen noch nicht gebessert hat.

In schweren Fällen greifen HNO-Ärzte manchmal auch zu einer Kombination von Medikamenten und hyperbarer Sauerstofftherapie. Die hyperbare Sauerstofftherapie wird oft zur Behandlung von bestimmten Infektionen und zur Förderung der Wundheilung eingesetzt. Studien deuten darauf hin, dass sich durch diese Behandlung mit reinem Sauerstoff in einer Überdruckkammer der Hörverlust der Patienten wieder bessert.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit sind gefäßerweiternde Medikamente, sogenannte Vasodilatatoren. Allerdings ist der Nachweis ihrer Wirksamkeit gering. Ihre Wirkungsweise beruht auf der Tatsache, dass die Cochlea, das Hörorgan des Innenohrs, viel Sauerstoff benötigt. Wenn die Cochlea über die Arterie, die sie versorgt, nicht mehr ausreichend Sauerstoff bekommt, verliert sie an Funktion. Die Folge: Hörverlust. Gefäßerweiternde Medikamente könnten dieses Problem der Sauerstoffzufuhr beheben und werden daher auch zur Behandlung von Hörstürzen eingesetzt.

Medizin

Ototoxische Medikamente

„Ototoxisch“ heißt wörtlich „giftig für das Ohr“. Allgemein wird damit auf einen Wirkstoff, ein Medikament oder eine Chemikalie verwiesen, die als Nebenwirkung das Innenohr schädigen kann. Warum verschreibt ein Arzt wissentlich ein Medikament, das das Gehör beeinträchtigen kann? Wahrscheinlich weil die Vorteile gegenüber den Risiken überwiegen.

Mehr erfahren
Schließen

Mehr aus der Sammlung Hören

Artikel

Externer Inhalt

Verwandte Sammlungen

Mehr aus der Sammlung

Explore Life bietet Ihnen eine bunte Vielfalt an Inhalten mit dem Schwerpunkt: Hören. Begeben Sie sich auf Erkundungstour durch Artikel, Interviews, Video-Material und mehr.