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"Hörverlust betrifft nicht nur alte Menschen" Von 98% Hörverlust zu 95% Hörvermögen: die Geschichte einer Allgemeinmedizinerin

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: November 2019
MED-EL von MED-EL
In der Sammlung Leben
Lesedauer: 4 Minuten

Mit 48 Jahren erhält die nahezu ertaubte Irmhild Ohngemach ein Cochlea-Implantat, eine Technologie, die ihr nicht nur das Hörvermögen, sondern auch ihre Lebensfreude und ihren Glauben an Gott zurückgibt.

Der schleichende Prozess des Hörverlusts

Dass Hörverlust nicht nur alte Menschen betrifft, zeigt die Geschichte von Irmhild Ohngemach. Mit dreißig Jahren erhält die junge Frau die Diagnose Hörverlust und ertaubt in den Folgejahren nahezu vollständig. Ihre Erkrankung war ein schleichender Prozess, den sie zunächst selbst gar nicht bemerkte. Doch mit zunehmender Verschlechterung ihres Gehörs wurde nicht nur das Hören sondern auch das alltägliche Leben selbst für die Allgemeinmedizinerin zur Herausforderung. Erst durch moderne Hörimplantate findet sie den Weg zurück zum Hören, ins Leben – und zu Gott.

Dass Irmhild Ohngemach immer schlechter hörte, haben am Anfang vor allem ihre Freunde und ihre Familie bemerkt. „Auf ihr Drängen hin, ging ich zum HNO-Arzt, der den Hörverlust bestätigte“, erinnert sich die damals 30-Jährige an ihren beginnenden Hörverlust zurück. Ihre Schwerhörigkeit wurde zunächst mit Hörgeräten behandelt. Doch ihr zunehmend schlechter werdendes Gehör sowie ein beidseitiger Tinnitus führten bald dazu, dass die konventionellen Hörhilfen nicht mehr ausreichend halfen. Ein weiterer Hörtest bei ihrem HNO-Arzt zeigte, dass Irmhild mit 48 Jahren und einem Hörverlust von 98 Prozent nahezu taub war. „Mir selbst war dieser enorme Hörverlust gar nicht so bewusst gewesen, da ich inzwischen perfekt eingeübt hatte, von den Lippen abzulesen“, berichtet die promovierte Allgemeinmedizinerin.

Einschränkender Hörverlust: wenn alltägliche Tätigkeiten nicht mehr möglich sind

Doch die Tragweite ihres Hörverlustes machte sich schnell bemerkbar. Ihren Beruf als Ärztin konnte Irmhild aufgrund ihres geminderten Hörvermögens bald nicht mehr ausüben, denn alltägliche Tätigkeiten, wie etwa das Abhören eines Patienten mit dem Stethoskop, waren für sie nicht mehr möglich.

„Ich war am Boden zerstört. Der Hörverlust stürzte mich in eine tiefe Lebenskrise“, erzählt die Calwerin ganz offen von den Folgen ihrer Erkrankung. „Mein Mann war mir in dieser Zeit eine große Stütze. Er hat sich stets für mich eingesetzt und mich immer wieder ermutigt. Ohne ihn hätte ich das Ganze sicher nicht überstanden“, so Irmhild weiter. Er war es auch, der für seine Frau schließlich eine Selbsthilfegruppe in Tübingen ausfindig machte. Hier traf Irmhild nicht nur auf Leidensgenossen, sondern vor allem auf Menschen, die dank eines Cochlea-Implantats wieder hören konnten. „Mein HNO-Arzt hatte mich bereits auf die CIs als Möglichkeit zur Behandlung meines Hörverlustes aufmerksam gemacht. Doch erst der Kontakt zu Betroffenen und ihrem guten Hörvermögen, ermutigten mich, diesen Schritt ebenfalls zu wagen.“

Mit dem Cochlea-Implantat zur Lebensfreude

Im November 2012 war es soweit: Am Uniklinikum Tübingen wurde zunächst Irmhilds rechtes Ohr mit einem CI versorgt, 2015 folgte die Implantation auf dem linken Ohr. Seitdem hat sich für die willensstarke Frau vieles verändert, denn dank ihres neuen Hörvermögens gewann sie nicht nur ihre Lebensfreude zurück sondern fand auch eine tiefere, persönliche Verbindung zu Gott.

Nach ihrer Implantation absolvierte die Medizinerin eine Ausbildung zur sogenannten Prädikantin und darf nun seit zwei Jahren selbst Gottesdienste halten. „Mittlerweile waren es schon weit über 30 Messen“, so Irmhild glücklich. „Die Arbeit in der Kirche bereichert mein Leben ungemein. Die Rückmeldungen, die ich erhalte, sind unglaublich positiv. Die Menschen sagen mir, dass sie den seelsorgerischen Charakter meiner Predigten schätzen und mir nachfühlen können, dass ich auch durch Tiefen gegangen bin.“ Gerade, weil sie auch durch dunkle Zeiten gehen musste, wirkt sie auf ihre Gemeinde nicht nur glaubwürdig und authentisch, sondern kann auch ihre pastorale Tätigkeit in besonderer Weise ausüben, ist sich Irmhild sicher.

Nahezu perfekte Hör-Ergebnisse

Neben ihrer Tätigkeit als Prädikantin arbeitet sie hauptberuflich als ärztliche Osteopathin in ihrer eigenen Praxis. Ihre CIs helfen ihr im Alltag sehr: „Im Arzt-Patienten-Gespräch fällt meine Hörbehinderung gar nicht mehr auf. Ich kann meine Patienten sogar verstehen, wenn sie sich zur Behandlung gerade entkleiden und mich nicht direkt ansehen“, so sie stolz. „Mittlerweile zeigen meine Tests sogar, dass mein Hörvermögen bei 95 Prozent liegt. Ich bin Gott extrem dankbar für meine CIs und, dass sie bei mir so gut funktionieren.“

Auch wenn ein paar Dinge, wie etwa das Telefonieren und Richtungshören, noch nicht perfekt klappen, möchte Irmhild ihre Implantate nicht missen. „Ich kann anderen in meiner Situation nur eines raten: Einfach machen, auch wenn es zunächst nicht schön klingt ist, das wird! Dank Gottes guter Hand und meinen „neuen“ Ohren habe ich auf großen Strecken mein ganz normales Leben und kann ungehindert in der Familie leben und in der Praxis arbeiten.“

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