Interview

Was wir von einem Clown lernen können
Ein Clown-Trainer erzählt von seiner "lustigen Arbeit"

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Mär 2019
In der Sammlung Rehabilitation
Lesedauer: 1 Minute

Leichtigkeit, Neugier und Spontanität machen den Clown zu dem, was er ist. Drei Eigenschaften, die auch Krankenschwestern, Busfahrern oder Verkäufern gut stehen. Ein Gespräch mit Clown-Lehrer Ralf Höhne über den Wert des Narrentums.

Herr Höhne, der Clown scheint ja auf den ersten Blick ganz abgekoppelt von unserem Berufsleben. Wir sehen ihn im Zirkus oder im Theater. Aber ist er wirklich so weit weg von unserem Leben? Können wir als Normalos vom Clown lernen?

Was den Clown auszeichnet, ist die Leichtigkeit und der spielerische Blick auf die Dinge. Das sind zwei Aspekte, die wir alle in uns tragen und die mehr oder weniger verschüttet sind. Durch Clownarbeit wird das belebt und natürlich fließt das in den Alltag ein. Neugier, Spontanität, Improvisation und Teamgeist zeichnen den Clown aus. Clowns sind immer Freunde. Sie müssen nicht um ihren Status kämpfen, müssen sich nicht verteidigen. Ich denke, manche Konflikte würden nicht eskalieren, wenn wir die Eigenschaften des Clowns in unseren Alltag integrieren würden.

Ein großes Clownthema ist auch die Achtsamkeit: gegenüber der Situation, gegenüber anderen Menschen und natürlich auch mir selbst gegenüber. Ein Teil der Clownarbeit besteht auch darin, für sich selbst zu sorgen. Humor muss ja auch von innen heraus kommen. Als Clown muss man lernen, auch in schwierigen Situationen präsent zu sein und bei der Arbeit die innere Sonne anzuknipsen.

Nehmen wir uns und unsere Arbeit zu ernst?

Ja, ich denke schon. Oft ist Arbeit ein Kampf um Status, es gibt diesen Überhang zum Perfektionismus und zur Selbstoptimierung. Das strengt viele von uns an oder macht uns sogar krank. Wenn im Team ein Bewusstsein von mehr Leichtigkeit und Humor ist, verbessert sich die Arbeitsatmosphäre. Und natürlich müssen die Verantwortlichen im System etwas tun, um das möglich zu machen; durch Mitarbeiterfortbildung zum Beispiel.

Lässt sich Humor also lernen?

Ich glaube, dass jeder von uns Humor hat. Nur bei manchen ist er mehr verschüttet als bei anderen. Joachim Ringelnatz (Anm.: deutscher Schauspieler und Kabarettist) hat gesagt: Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. Finden kann man diesen Knopf zum Beispiel, indem man den Humor in sich wiederentdeckt und sich bewusst für mehr Leichtigkeit, Neugier und Humor im Leben entscheidet.

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