Portrait

Meine Reise zum CI
Die Geschichte von Matt Laxton: Motorradfahren und laute Musik

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: 14.02.2018
In der Sammlung Freiheit
Lesedauer: 5 Minuten

Motorradfahren und laute Musik. Das waren immer schon zwei Fixpunkte im Leben von Matt Laxton (52) aus Australien. Doch die laute Musik kostete ihn sein Gehör. Als der Krankenpfleger seine Patienten nicht mehr verstehen konnte, war es Zeit für ein Hörimplantat. Heute reist er mit dem Motorrad um die Welt und kann Rockkonzerte wieder genießen.

Mit 18 Jahren fuhr Matt Laxton mit dem Motorrad durch Bali, jahrzehntelang war er bei Australiens größten Rockfestivals Stammbesucher. David Bowie, U2, Chemical Brothers und The Prodigy hat er alle live gesehen und vor allem gehört, und in seiner Freizeit war der Walkman nicht selten auf volle Lautstärke gedreht.

Auch wenn ihm die Ärzte keinen gesicherten Grund für seinen idiopathischen sensorineuralen Hörverlust nennen konnten, ist Matt sicher, dass es an der vielen lauten Musik lag: „Ich ging in meiner Jugend zu Konzerten, die so laut waren, dass mir noch zwei Tage später die Ohren rauschten.” Tatsächlich ist über längere Zeit einwirkender Lärm die weltweit zweithäufigste Ursache für permanenten Hörverlust, nach dem natürlichen Alterungsprozess. Deutlich merkbar wurde seine Schwerhörigkeit vor rund sechzehn Jahren: Zunächst verschwanden die hochfrequenten Töne aus Matts Wahrnehmung. „Ich konnte zum Beispiel das Telefon nicht mehr läuten hören, oder das ,Bing’ der Mikrowelle.“ Die ersten beruflichen Probleme kamen bald dazu.

Matt war zu jener Zeit Krankenpfleger im Spital. Als Stationsleiter war er den ganzen Tag lang Stress ausgesetzt: Telefone läuteten, Alarme gingen los, viele Menschen sprachen zur selben Zeit ... „Meine Gehörprobleme haben mich wahrscheinlich damals schon weit mehr beeinträchtigt, als ich mir eingestanden habe.“ Als er immer öfter seinen Alarm nicht hörte und auch nur noch schlecht telefonieren konnte, wechselte er in einen ruhigeren Job in das örtliche Gesundheitszentrum und beschränkte sich auf Hausbesuche.

Lippenlesen und „voraussagendes Hören“

Von nun an hatte er nur noch mit einzelnen Menschen zu tun und konnte sich besser auf die Kommunikation konzentrieren. Und Konzentration war inzwischen nötig. Im direkten Gespräch hatte Matt, fast ohne es zu bemerken, eine neue Fähigkeit perfektioniert: „Ich gehörte zu den besten fünf Prozent beim Lippenlesen“, erzählt er. „Manchmal habe ich dadurch sogar vergessen, dass ich schwerhörig war. Und ich habe geschwindelt. Ich nenne es voraussagendes Hören.“ Das war zumindest im Beruf relativ einfach, da es bei seinen Patienten immer um dieselben Fragen und Antworten ging. „Ich konnte raten, was sie zu mir sagen würden und wusste dann ungefähr, wohin das Gespräch ging. Aber das alles war körperlich anstrengend. Ich war jahrelang müde und nochmals müde.“

Matt ging weiterhin zu Musikveranstaltungen, doch vom Musikgenuss war bereits viel verlorengegangen. Und bei der Arbeit häuften sich die Fälle, in denen er Informationen seiner Patienten nicht richtig wahrnahm. Matt versuchte es mit Hörgeräten, doch die brachten nicht den erhofften Erfolg. „Also gab ich sie zurück und habe mich eben noch ein paar Jahre weiter herumgequält.“

Mit CI endlich wieder Musik hören

Erst vor rund acht Jahren entschied Matt, dass sich etwas ändern musste. Er ließ testen, ob ein Cochleaimplantat (CI) für ihn geeignet wäre. Mit Erfolg. „Ich habe mich über alle Implantate gut informiert, habe mit CI-Trägern gesprochen und Erfahrungen miteinander verglichen. Mir war besonders wichtig, dass ich Musik wieder gut hören konnte. Deshalb wurde mir das MED-EL-Implantat empfohlen, da es eine längere Elektrode hat, die tiefer in die Cochlea reicht als das bei anderen Implantaten der Fall ist.“

Als nach der Operation das Implantat zum ersten Mal eingeschaltet wurde, veränderte sich Matts Leben schlagartig. „Es war unglaublich! Ich kann mich erinnern, dass ich dieses merkwürdige Geräusch hörte, dieses nervende ,iiiik, iiik’, und dachte, mit dem Implantat wäre etwas nicht in Ordnung. Bis ich entdeckte, dass das die Vögel waren, die meinen Hund mit ihrem Zwitschern vertreiben wollten. Und auch als ich eine Mineralwasserflasche öffnete, wusste ich zunächst nicht, was dieses Zischen war. Ich hatte diese Geräusche schon zwanzig Jahre lang nicht mehr gehört!“

Im September 2016 nahm Matt Laxton am Sydney Distinguished Gentleman’s Ride teil, einer Wohltätigkeits-Veranstaltung für Prostatakrebs und Männergesundheit.
© Privat

Als ob ein Schalter umgelegt wurde

Schon kurz nach der Implantation ging Matt zurück zur Arbeit. „Ich versuchte, so normal wie möglich zu leben. Anfangs klang jede Stimme gleich und roboterhaft und ich fragte mich, ob ich jemals Stimmen voneinander unterscheiden können würde. Und dann, nach zwei Monaten, passierte es. Es war, als ob ein Schalter umgelegt worden wäre, und plötzlich wurde alles viel klarer. Das Hören verbesserte sich kontinuierlich über die nächsten zwölf Monate.“

Und dann die Musik: Zwei Monate, nachdem das Implantat aktiviert wurde, besuchte er wie jedes Jahr das große Musikfestival Big Day Out. „Da spielte eine afrikanische Funkband und es war phänomenal! Ich konnte sogar das ,Tschaka-tschaka’ der Shaker hören. Und als die Blasinstrumente einsetzten, konnte ich die Trompete heraushören, und die Becken beim Schlagzeugsolo!“

Mit Implantat im Sprachkurs

Mit dem Motorrad ist Matt heute mehr unterwegs denn je. Vor vier Jahren fuhr er zehn Wochen durch Amerika. Danach ging es durch Mexiko und Guatemala und zuletzt durch Mitteleuropa. „Für die Mittelamerika-Reise habe ich damals sogar etwas Spanisch gelernt“, erzählt Matt. „Eine Fremdsprache kann man ja nicht durch Lippenlesen lernen. Durch das Implantat konnte ich im Sprachkurs hören und tatsächlich Spanisch lernen. Das ist unglaublich!“ Die Sprache zu können war ihm wichtig, da er auch auf Reisen gerne mit den Menschen kommuniziert. „Ich habe mich in Guatemala und Mexiko sicher gefühlt, da ich wusste, dass ich mit den Menschen reden kann.“

Gut hören zu können ist für Matt ein wichtiger Teil seiner Freiheit geworden. „Ich kann die Welt erforschen und alles erfahren, was sie zu bieten hat.“ Sein Gehör ist so gut, wie es vor seinem Hörverlust war. „Für mich gibt es jetzt keine einzige Situation, in der ich das Gefühl habe, ich höre nicht so gut wie andere Menschen. Das gibt mir Sicherheit. Nur in lauter Umgebung kann es anstrengend werden. Aber ich glaube, da geht es anderen Menschen ähnlich.“

Matt Laxton während seiner Südostasien-Reise im September 2016, hier in Taiwan.
© Privat

Naturnahes Hören

Die Elektroden von MED-EL-Cochleaimplantaten (CI) können als einzige weltweit die Hörschnecke (Cochlea) auf ihrer gesamten Länge stimulieren.

Das bedeutet, die Träger eines MED-EL-CIs können das gesamte Tonspektrum von hoch- bis tieffrequent wahrnehmen, denn in der Hörschnecke werden die Töne entsprechend ihrer Tonhöhe sozusagen sortiert: An der Basis der Cochlea nehmen wir hohe Töne wahr, im Apex die tiefen. Mit einer langen Elektrode und der einzigartigen FineHearing-Technologie ist es möglich, alle Tonhöhen richtig zu interpretieren. FineHearing sorgt dafür, dass sich Sprache deutlich von Hintergrundgeräuschen abhebt und so kommt die Musik- und Hörwahrnehmung sehr nahe an das natürliche Hören heran. Das ist ein Grund, warum sich Musikliebhaber oft für MED-EL-Implantate entscheiden.

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