Artikel empfohlen

Mit Humor durch schwere Zeiten Lachen ist die beste Medizin

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: April 2020
In der Sammlung Leben
Lesedauer: 6 Minuten

Diese und ähnliche Redewendungen kennen wir alle. Mit einer gesunden Portion Humor bewältigen wir nicht nur den Alltag leichter, sondern auch besonders schwierige und herausfordernde Zeiten. Gerade wenn wir einen schlechten Tag haben, in private oder berufliche Konfliktsituationen geraten, oder gar gesundheitliche Probleme haben, erweist sich Humor als Retter in der Not. Er ändert zwar nichts an unserer misslichen Lage selbst, aber er lässt unseren Stresspegel sinken und hilft uns dabei, die Welt mit anderen Augen zu betrachten.

Humor von der Antike bis zur Gegenwart

In der antiken Philosophie fand der Humor wenig Beachtung und wenn überhaupt, dann meist negative. Plato beispielsweise kritisierte das Lachen als eine Emotion, die unsere Selbstkontrolle untergräbt und forderte eine strenge Kontrolle alles Komödiantischen. Der Stoiker Seneca hingegen identifizierte den Humor als wichtiges Element heiterer Gelassenheit. Er stellte fest: „Alles ist entweder zum Lachen oder zum Weinen“, und folgerte: „Es ist menschlicher, über das Leben zu lachen, als es zu beklagen.“

Im Verlauf der Geschichte bildeten sich drei wesentliche Humortheorien heraus: Auf Aristoteles geht die Überlegenheitstheorie zurück, die besagt, dass wir lachen, wenn wir uns überlegen fühlen. Schon Cicero vertrat die Inkongruenztheorie, meinte also, wir finden es lustig, wenn uns etwas überraschend dazu veranlasst, die Perspektive zu wechseln. Auf Sigmund Freud wiederum geht die Entladungstheorie zurück: Humor dient dazu, psychologische Spannungen aufzulösen und unterdrückte Wünsche zu offenbaren.

In der jüngsten Vergangenheit wurden die drei Theorien unter einem Aspekt vereinheitlicht; im Vordergrund steht der Rückfall in alte, einfachere Verhaltensmuster. Die Redewendung „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ beschreibt einen weiteren zentralen Aspekt. Die US-amerikanische Universitätsprofessorin Gina Barreca etwa sagt, dass das Lachen „dieselben Probleme wie die Angst zum Gegenstand hat, nicht aber, um sie abzutun, sondern um unsere Fähigkeit zu stärken, ihnen die Stirn zu bieten.“

Was Humor mit unserem Gehirn macht

Um besser zu verstehen, wie uns Humor auch in den schwierigsten Lebenslagen helfen kann, lohnt es sich, einen Blick in unser Innenleben zu werfen. Witze und Humor im Allgemeinen spielen mit unserer Erwartungshaltung. Wir sehen oder hören etwas und stellen Hypothesen dazu auf, wie die Situation sich entwickeln wird. Die Pointe des Witzes bricht im besten Fall mit unserer Erwartung und überrascht uns.

Die Außenseite des linken Stammhirns ermöglicht es uns, den Witz zu begreifen. Finden wir die Pointe treffend, wird das limbische System aktiv, also jener Hirnbereich, in dem Emotionen verarbeitet werden. Die Amygdala signalisiert uns anschließend, dass wir belustigt sind. Je nach Stärke der Erheiterung lässt die Kontrollstation für Gefühlsausbrüche in unserem Gehirn das Signal durch und sendet es an unsere Stimmbänder, das Zwerchfell und die Gesichtsmuskulatur – und wir lachen!

Doch damit nicht genug; das Lachen löst nämlich weitere Prozesse in unserem Körper aus: Zum einen senkt es den Pegel der Stresshormone Cortisol und Adrenalin deutlich, zum anderen werden beim Lachen Glückshormone wie Endorphine und Dopamin ausgeschüttet. Mit Humor können wir Stress also besser verarbeiten und fühlen uns insgesamt glücklicher.

Studien belegen: Humor hilft!

Den positiven Effekt von Humor auf unsere Gesundheit und das Wohlgefühl belegen mittlerweile zahlreiche Studien. Eine 2010 veröffentlichte Studie der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie zeigt beispielsweise, dass Humor das Leben verlängern kann. Der Wissenschaftler Sven Svebak untersuchte 500.000 Norweger über mehrere Jahre hinweg und stellte fest, dass die humorvolleren Studienteilnehmer seltener krank wurden und sie eine um durchschnittlich 20 Prozent längere Lebenszeit hatten.

2014 führte das Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus eine Studie mit Herzpatienten durch. Die Patienten übten sieben Wochen lang, auf Stresssituationen mit Humor statt mit negativen Emotionen wie etwa Aggression zu reagieren. Während dieser Zeit sollten sie täglich einen Stressfragebogen ausfüllen und darüber hinaus wurde ihr Cortisolpegel gemessen. Die Ergebnisse zeigen: Das Humortraining ließ den Stresspegel bei den Patienten deutlich sinken.

Im Psychological and Social Psychology Bulletin wurde 2017 das Ergebnis einer dreiteiligen Studie zum Einfluss von Humor auf stressbelastete Lebensereignisse mit psychologischen Folgen veröffentlicht. Im ersten Teil wurden Fibromyalgie-Patienten untersucht, die aufgrund des Weichteilrheumas unter chronischen Schmerzen, Schlafstörungen und psychischen Begleiterscheinungen leiden. Im zweiten Teil agierten Studierende in allgemeinen Stresssituationen als Probanden und im dritten Teil wurde der Umgang von Studierenden mit den Ereignissen rund um 9/11 erforscht. Bei allen Probanden ließ sich nachweisen, dass Humor ihnen half, besser mit der jeweiligen Situation umzugehen und sie neu zu bewerten. Zudem berichteten die Studienteilnehmer, dass sie sich besser von ihren Mitmenschen unterstützt fühlten.

Wie die Medizin sich Humor zunutze macht

Zusammenfassend kann man sagen: Humor lässt den Stresspegel sinken, hilft uns, selbst schwierige Situationen aus einer anderen Perspektive zu betrachten und stärkt das soziale Miteinander. Er ist gut für unser Immunsystem, unser Gedächtnis und macht uns glücklich. Diese positiven Effekte macht sich auch die Medizin zunutze: KlinikClowns bringen kleine Krankenhauspatienten zum Lachen und depressive Patienten können mithilfe eines Humortrainings ihr Lachen wiederfinden – so zum Beispiel in der Psychotherapie bei Prof. Barbara Wild.

Trotz aller positiver Aspekte gilt es aber, Vorsicht walten zu lassen und Humor im richtigen Moment zum Einsatz zu bringen – oder gegebenenfalls darauf zu verzichten. Bekommt jemand eine schlimme Diagnose, ist ein Witz im ersten Augenblick fehl am Platz. Schizophrenie wiederum kann einem die Fähigkeit rauben, Witze überhaupt zu verstehen. Sensibilität im Umgang mit Humor ist also unbedingt gefragt!

Humor kann auch negativ sein

Nicht jede Form von Humor wirkt sich übrigens positiv auf unser Wohlbefinden aus. Die Forschung unterscheidet zwischen vier Arten: dem verbindenden, selbststärkenden, aggressiven und dem selbstentwertenden Humor. Die ersten beiden Arten zielen darauf ab, sein Umfeld und sich zu erheitern und positiv zu bestärken – die beiden Letzteren dienen dazu, sich auf Kosten anderer oder sich selbst lustig zu machen. Während sie verletzend sind und sich negativ auswirken, können die ersten beiden Arten von Humor uns beflügeln und uns helfen, Alltag und Krisen besser zu bewältigen.

In manchen Situation hilft es zu lachen, um besser mit ihnen umgehen zu können
In manchen Situation, die noch so ausweglos erscheinen, hilft es uns zu fragen: "Kann ich in drei Monaten darüber lachen?"
© Getty Images

Wie Sie Humor trainieren können

Haben Sie das Gefühl, nichts mehr lustig zu finden oder das Lachen gar verlernt zu haben? Machen Sie sich keine Sorgen, denn Humor kann man üben! Zumal es auch nicht immer schallendes Gelächter sein muss, in das Sie ausbrechen. Ein kleines Schmunzeln reicht manchmal schon, um einen dunklen Tag zu erhellen. Der Schriftsteller Mark Twain sagte einmal: „Humor ist Tragödie plus Zeit.“ Diesem Hinweis sollten Sie folgen, denn oft hilft es, die Perspektive zu wechseln, um etwas lustig zu finden. Sie können sich zum Beispiel fragen: Das, was mir gerade passiert – werde ich in drei Monaten darüber lachen? Eine andere Möglichkeit ist es, sich vorzustellen, dass ein Malheur nicht uns, sondern einer anderen Person geschieht. Das gilt natürlich nur für kleinere Missgeschicke, aber stolpert jemand oder rutscht auf einer Bananenschale aus, lachen wir entsprechend der Überlegenheitstheorie vor lauter Schadenfreude.

Überlegen Sie sich, worüber Sie früher gerne gelacht haben – und mit wem! Denken Sie auch darüber nach, was Sie gar nicht lustig finden. Ihnen fallen bestimmt Witze, Filme oder Situationen ein, die Sie zum Lachen gebracht haben. Diese Dinge können Sie dann wieder in Ihren Alltag integrieren: Vielleicht haben Sie eine Lieblingskomödie, die Sie schon lange nicht mehr gesehen haben, oder Sie lesen ein paar Kapitel aus einem besonders witzigen Roman. In den sozialen Medien ist immer noch Cat Content der King – sehen Sie sich also ruhig auch lustige Tiervideos an, wenn Sie Vierbeiner mögen.

Zu guter Letzt noch folgender Tipp: Tun Sie so, als ob! Neurologische Studien belegen, dass Lächeln eine Reihe von chemischen Reaktionen im Gehirn verursacht. Diese führen dazu, dass die Glückshormone Serotonin und Dopamin ausgeschüttet werden und sich unsere Stimmung hebt. Je positiver Sie gestimmt sind, desto eher sehen Sie den Humor in Dingen. Also gilt: Fake it till you make it!

Schließen

Mehr aus der Sammlung Leben

Artikel

Videos

Verwandte Sammlungen

Mehr aus der Sammlung

Explore Life bietet Ihnen eine bunte Vielfalt an Inhalten mit dem Schwerpunkt: Hören. Begeben Sie sich auf Erkundungstour durch Artikel, Interviews, Video-Material und mehr.