Bericht

„Musik nur, wenn sie laut ist“ Wie man Musik richtig genießt, ohne Risiko

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Februar 2020
In der Sammlung Musik
Lesedauer: 3 Minuten

Müsste ich eine Sache vorwegnehmen, dann dass ich es auf die harte Tour lernen musste, Musik wirklich genießen zu können. Ich lerne aus meinen Fehlern, und nehme mein Gehör nicht als selbstverständlich hin. Denn lärmbedingter Hörverlust ist irreversibel.

Der Klang, die Droge

Die Lichter sind gedimmt, der Raum ist gefüllt. Es wird gelacht, getanzt, getrunken und gesungen. Es liegt eine ganz besondere Energie in der Luft, ein Gefühl der Erwartung.

Die eigentliche Location spielt dabei (fast) keine Rolle.

Es könnte eine dieser Bars sein, in der ich während meiner Studienzeit viel Dampf abgelassen habe. Oder vielleicht einer dieser Nachtclubs, in denen ich viele Feierabende verbrachte. Der DJ legte den Soundtrack für den Abend auf. Es könnte sogar ein Ort sein, an dem gerade aufstrebende Bands bereit sind, uns mit ihren Melodien in andere Welten zu transportieren.

Aber eines ist immer gleich.

Der Klang der Musik, der aus den Lautsprechern dröhnt. Schlagzeug und Bass so laut, dass ich förmlich fühle, wie sie in mir nachhallen. Ich habe das Bedürfnis zu schreien, um gehört zu werden, oder zu mimen, um meinen Standpunkt zu verdeutlichen. Wir alle geben uns dem Tanzen hin, weil wir nicht wirklich hier sind, um zu reden.

Es dauert nie wirklich lange, bis meine Ohren anfangen unter einem solchen Angriff zu leiden. Schon in meiner Jugend konnte ich ohrenbetäubende Orte nie lange ertragen.

Und die Nachwirkungen einer lauten Nacht fühlten sich schon immer unwirklich an:

  • Das Klingeln in meinen Ohren, das versucht mit allen anderen Klängen zu konkurrieren, insbesondere mit denen der menschlichen Stimme.
  • Geräusche, die sich weit entfernt und gedämpft anhören.
  • Das Echo in meinem Kopf, wenn ich selbst spreche, das es mir schwer macht zu erkennen, ob ich leise spreche oder Leute anschreie.
Lärm

Wann wird Lärm schädlich?

Ab wann ist es zu laut für die Ohren? Ein 130-Dezibel-Rockkonzert gleicht einem Orkan im Gehörgang. Die Lärmdauer bringt dabei den eigentlichen Schaden.

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Was passiert hier?

Wir können hören, weil Schallwellen unser Trommelfell in Vibration versetzen und dann weiter durchs Mittelohr in unser Innenohr, zur Cochlea gelangen. Im Inneren der Gehörschnecke befinden sich mikroskopisch kleine Härchen, die die Schallvibration in elektrische Impulse umwandeln. Der Hörnerv, die Bahn zwischen Gehör und Hirn, leitet diese Impulse weiter, sodass unser Gehirn diese als Klänge interpretieren kann.

Werden diese kleinen Haarzellen verletzt, zum Beispiel durch zu laute Musik oder anhaltenden Lärm, kann Hörverlust oder ein Klingeln in den Ohren – bekannt als Tinnitus – entstehen.

Bei manchen Menschen verschwindet dieses Klingeln leider nie wieder. Bei anderen kann ein Tinnitus auch andere Ursachen, wie Stress oder psychische Belastung, haben. Ich war bisher immer glücklich, denn mein Klingeln hat sich nach wenigen Tagen wieder verabschiedet. Jedoch zeigen Studien, dass sich eine Schädigung des Gehörs durch zu laute Geräusche über die Jahre hinweg kumulieren und aufbauen kann.

Selbst wenn die kurzfristigen Auswirkungen von Tinnitus wieder vergehen, sind sie mehr als bedenklich: die Unfähigkeit sich zu verständigen, Schlafstörungen und körperliche Schmerzen. Sie erinnern uns daran, dass wir die längerfristigen Auswirkungen vor dem nächsten Konzertbesuch beachten sollten: Die Art und Weise, wie dauerhafter Hörverlust Beziehungen, Arbeit und Hobbys beeinflussen kann.

Ich liebe es jedoch nach wie vor, Live-Konzerte zu besuchen, mich der lauten Musik hinzugeben. Aber heute bin ich vorsichtiger. Ich bleibe den Lautsprechern fern, mache „Lärm-Pausen“ indem ich öfters nach draußen gehe und trage Gehörschutz auf Konzerten in Form von Ohrstöpseln. Immer.

Beim nächsten Konzertbesuch werde ich diejenige etwas weiter hinten sein, die die Ohrstöpsel fest an ihrem Platz hat und sich im Takt bewegt. Eingetaucht in die Welt der Musik.

Gehör

Wie funktioniert Hören?

Das Hören ist ein komplexer und faszinierender Vorgang. Lesen Sie hier, wie unsere Ohren und unser Gehirn zusammenarbeiten, damit wir die Welt um uns herum hören können.

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