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Na klar geht das!
Wie wir mit Selbstwirksamkeit alles schaffen

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: 18.03.2016
In der Sammlung Arbeit
Lesedauer: 3 Minuten

Ob wir etwas schaffen oder nicht hängt ganz entscheidend davon ab, ob wir davon überzeugt sind, dass wir es können.

Jede

Tulpenzwiebel hat sie, jeder Fisch und jede flügge Schwalbe: Die Gewissheit, dass sie wachsen können, schwimmen und fliegen. Fachleute sagen Selbstwirksamkeit dazu. Wer überzeugt davon ist, neue, herausfordernde Aufgaben aus eigener Kraft zu bewältigen, ist selbstwirksam. Solche Menschen stehen schwierige Situationen länger durch als Menschen, die von ihrem eigenen Körper nicht überzeugt sind. Selbstwirksame Menschen arbeiten gründlicher und bringen bessere Leistungen, haben weniger Angst vor Herausforderungen, sind mit sich und der Umwelt zufrieden und haben ein starkes Immunsystem.

Selbstwirksamkeit beeinflusst unser tägliches Leben immens: Wie wir denken, fühlen und handeln hängt zu einem großen Teil von ihr ab. Aber nicht nur das: Unsere Selbstwirksamkeit verändert sich auch durch unsere Gedanken und unser Tun - und lässt sich so jederzeit lernen und trainieren. Wir alle können uns an jedem Tag unseres Lebens dafür entscheiden und uns auf den Weg machen.

Man muss Menschen viel mehr dazu bringen, Herausforderungen zu bewältigen.

Andreas Müller, Leiter des Instituts Beatenberg

„Man muss Menschen viel mehr dazu bringen, Herausforderungen zu bewältigen", sagt Andreas Müller, Leiter des Instituts Beatenberg, einer alternativen Privatschule in der Schweiz. Das gilt für Erwachsene - und für Kinder umso mehr: „Kinder brauchen Herausforderungen, denn nur so können sie wachsen. Es dem eigenen Kind leicht zu machen, ist falsch. Wir sollten unseren Kindern die Steine nicht aus dem Weg räumen, sondern sie mit lebensechten Herausforderungen konfrontieren“, sagt Müller. Ihnen im Haushalt bestimmte Aufgaben zu übertragen zum Beispiel, sie in der Schule fordern ohne sie zu überfordern. „Sie trainieren für das Leben. Und es gibt kein Training in der Komfortzone“, so Müller.

© NINA COSFORD

Lernen durch Erfolg

Wer Selbstwirksamkeit nicht in der Kindheit gelernt hat, kann sie mit etwas Übung und Reflexion einige Jahre später im Erwachsenenleben entwickeln. Dabei helfen Fragen wie: „Wann habe ich etwas gut gemacht?“, „Was war die Herausforderung damals und wie habe ich sie gelöst?“ Die Antworten aufzuschreiben ist wichtig, um die Erfolge schwarz auf weiß vor Augen zu haben. Jede neue, gute Erfahrung kommt auf der Liste gleich dazu. Konstruktive Kritik natürlich auch, also: „Was lief nicht optimal?“, „Wie kann ich es das nächste Mal besser machen?“.

Steht ein neues herausforderndes Projekt an, ist es gut, lösungsorientiert zu starten, das heißt, sich nicht vorrangig zu fragen „Welches Problem habe ich und wie um alles in der Welt soll ich das nur schaffen?“, sondern „Vor welcher Herausforderung stehe ich und was brauche ich, damit ich sie meistere?“ Das ist der Weg vom Defizitdenken hin zum Fokus auf unsere Potenziale und Ressourcen.

Manchmal braucht es ein Semiar, das neues Know-how oder neue Impulse bringt; neue Nährstoffe quasi, wie bei den Tulpen, die nur in guter Erde so richtig wachsen. Manchmal braucht es intensiveren Austausch mit Kollegen; mehr Wasser im Fischteich sozusagen sozusagen, damit die Fische entscheiden können, wohin sie schwimmen. Aber ganz oft ist die Lösung viel einfacher. Meist reicht die Gewissheit der jungen Schwalbe: Ich kann fliegen.

Selbstwirksamkeit lernen und leben

Wer eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung hat, also weiß, dass er Aufgaben meistern kann, weiß um seine Kompetenz. Dieses Wissen entwickelt sich aus fünf Erfahrungen; Fachleute sagen „Quellen der Selbstwirksamkeit“ dazu:

  • Da sind einmal die eigenen Erfahrungen: Situationen, in denen eine Aufgabe durch eigene Anstrengung gelöst wurde.
  • Dazu kommt zweitens die Beobachtung von anderen Personen, wie sie Dinge umsetzen. Wichtig ist dabei, keine unrealistischen Vorbilder zu haben, sondern Menschen, die einem selbst sehr ähnlich sind, was die Kompetenzen angeht.
  • Die dritte Quelle ist die mündliche Unterstützung, der Zuspruch von anderen. Wobei das nur dann funktioneirt, wenn dieser Zuspruch auch mit der eigenen Realität übereinstimmt.
  • Die vierte Quelle ist die Wahrnehmung des Körpers und der Gefühle in bestimmten Situationen: Habe ich ein gutes Gefühl mit mir selbst?
  • Und dann gilt es noch, die eigenen Erfahrungen zu nutzen, Punkt fünf: Selbstreflexion. „Was war gut, was nicht?“, „Wie habe ich das Problem gelöst?“, „Sollte oder kann ich das nächste Mal etwas anders machen?“ etc.

Gerdamarie S. Schmitz

Was ich will, das kann ich auch. Selbstwirksamkeit – Schlüssel für gute Entwicklung.

Verlag Herder 2007

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