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O'zapft is! 7 smarte Ohrentipps fürs Oktoberfest

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: September 2019
In der Sammlung Gesundheit
Lesedauer: 8 Minuten

Trara! Am Samstag wurde das größte Volksfest der Welt eröffnet: Das Oktoberfest. Schon am Morgen, kurz nach 9 Uhr, stürmten Zehntausende von Festivalbesuchern das Gelände, da Plätze vor allem an den Wochenenden ähnlich schwer zu bekommen sind wie bezahlbare Unterkünfte zur Zeit der Wies’n Sause. Fesche Dirndl, echte Lederhosen, richtiges Fest-Bier und natürlich die passende Musik sind hierbei das Rezept für eine gelungene Oktoberfestgaudi. Aber nur fast. Es fehlt nämlich noch etwas ganz Essentielles, damit die 16-tägige Dauerparty kein böses Nachspiel hat: Ohrstöpsel – und sechs weitere smarte Ohrentipps.

Pünktlich um 12 Uhr mittags gab’s den Fass-Anstich samt Ruf „O zapft is“. Damit war nicht nur der Bierausschank am ersten Wiesnsamstag eröffnet, sondern das Oktoberfest. Mit Ausnahme von Wochenenden und Feiertagen öffnen die Zelte um 10 Uhr. Das letzte Bier und die letzte Kapelle gibt’s um 22:30 Uhr. Eine Stunde später ist Zapfenstreich. Einen Sonderfall bieten Käfers Wiesn-Schänke und Kufflers Weinzelt. Da spielt die Musik à la Biergenuss und Feierfreude bis 1 Uhr – und wer nicht gut auf sich aufpasst, geht mitunter mit Hörschäden ins Bett, die irreversibel sind.

Pfeifen, Rauschen, Rascheln - Hörsturz-Gefahr beim Oktoberfest

Hörschäden? Gefahr? Genau! Ähnlich wie beim Karneval, auf großen Sportveranstaltungen oder Musikkonzerten sind die Ohren auch beim Oktoberfest einer extremen Belastung ausgesetzt. Viele Menschen wissen um die Gefahr des Alkohols, und die ersten Berichte über Alkoholvergiftungen waren nur wenige Stunden nach der Wiesn-Eröffnung online. Auch das fette, zumeist späte Essen verlangt dem Magen und der Verdauung Höchstleistungen ab. Wie sieht es aber mit der Dauerbeschallung in den Zelten aus? Über die Hörstürze, die u.a. durch Blasmusik verursacht wurden, wird immer mal wieder berichtet. Leider nicht präventiv.

Selbstverständlich weiß auch die Stadtverwaltung München als Ausrichter d’Wiesn, wie es in der bayerischen Mundart heißt, um den Dauerbrenner Lärm. Vor vielen Jahren haben sich vor allem ältere Besucher derartig über diesen beschwert, dass 2005 die Musik gedrosselt wurde. Auf unter 85 Dezibel. Die 2005er Wies’n sind als „Flüster Wiesn“ in die Geschichte des Volksfestes eingegangen. Denn was wenige gut fanden, nämlich die Regulierung der Dauerbeschallung, fand der Großteil der Besucher überhaupt nicht lustig. Schließlich kommt man zum Feiern, zum ausgelassen sein, und dazu gehört nun mal laute Musik, lautes Rufen, mitsingen, ja auch das Grölen.

Ein bisschen Spaß muss sein …

Wer einmal im Partyzelt „Schottenhammel“ war, weiß, was damit gemeint ist. Wenn auf den Bänken nicht mehr gesessen, sondern gestanden, getanzt und gebalzt und geflirtet wird – mit der ersten, zweiten oder dritten Maß in der Hand. Das geht natürlich schlecht(er), wenn die Musik nur gedämpft zu hören ist. Gleich ein Jahr später, zum Oktoberfest 2006, war es mit dem Flüster-Spuk vorbei. Laute Musik wurde nicht erst ab 18 Uhr, sondern – wie gehabt – von Beginn an gespielt. Und natürlich hatte diese mehr als 85 Dezibel. So ist es bis heute geblieben.

Oktoberfest Zelt
In einem Festzelt steigt der Lärmpegel gerne über 120 Dezibel - das liegt über der Schmerzgrenze und verursacht Schäden im Innenohr, die irreversibel sind.
© Getty Images

Gehörschaden ab 80 Dezibel, Schmerzgrenze bei 110 Dezibel

Selbstverständlich hat jeder Mensch eine unterschiedliche Empfindsamkeit auf Geräusche. Dennoch: Bei zu großem Lärm oder bei Dauerlärm werden unsere Ohren extrem belastet. Um einmal die Dimension zu verdeutlichen, einige Beispiele: 40 bis 60 dB ist die normale Gesprächslautstärke, oder ein leises Radio. - Hier kann bereits die Konzentration gestört werden. Nicht umsonst bitten Lehrkräfte und Pädagogen seit Jahrzehnten darum, bei Hausaufgaben keine Musik zu hören, auch kein Radio. Genutzt hat’s wenig.

60 bis 80 dB erreicht ein lautes Gespräch oder ein vorbeifahrendes Auto. Wer dauerhaft Straßenlärm von 65 Dezibel ausgesetzt ist, hat ein um 20 Prozent höheres Risiko an Herz-Kreislaufstörungen zu erkranken, als bei 50 bis 55 Dezibel, haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben. Zwischen 80 und 100 dB droht bei Dauerlärm bereits Gehörschaden. Diesen Pegel erreichen z.B. Motorsägen und vorbeifahrende LKWs. Bei 110 dB ist die Schmerzgrenze erreicht. Kreissägen, Presslufthämmer aber auch klassische Konzerte und Festivals liegen in diesem Bereich, ebenso die Musik via mit Kopfhörer und Smartphone. Über 120 dB erreichen startende Düsenflugzeuge, Explosionen – und so manches Rockkonzert.

Auch, wenn die Wiesn-Fans es nicht wahrhaben wollen, aber ein Tag auf dem Oktoberfest ist ähnlich stressig für unser Hörvermögen wie einen Tag auf einem Festival, einem Konzert (ja, auch Klassik!) oder einem Rockfestival à la Rock am Ring zu verbringen. Nun sind das Events, die Tausenden, ja Millionen von Menschen beglücken. Morgens von einem Laubbläser geweckt zu werden, gehört, beispielsweise, nicht dazu. Dieses Geräusch, auch wenn es nur kurz ist, empfinden Menschen zu Recht als unangenehm und störend. Nur wenige Minuten dem Geräusch eines 110 Dezibel starken Laubbläsers zuzuhören reichen aus, um eine Stunde lang schlechte Laune zu haben. Weil sich die Ohren nämlich wieder erholen müssen. Der Peak ist zwar nur von kurzer Dauer, aber mit Höhepunkt für die Ohren. Kein Wunder, dass Laubbläser aufgrund der Lärmentfaltung in Deutschland nur zu bestimmten Uhrzeiten im Einsatz sein dürfen, und in den österreichischen Städten Graz und Leibnitz seit Oktober 2014 gleich ganz verboten sind.

Lärm ist ein schleichendes Ohrengift

Gut, die Blaskappellenmusik des Oktoberfestes kann jetzt nicht wirklich mit einem Laubbläser verglichen werden. Dennoch illustriert das Beispiel, wie unterschiedlich wir auf Geräusche in Form von Musik oder Arbeitslärm reagieren. Aber, und das ist der springende Punkt: Wenn das Gehör gestresst ist, unterscheidet es nicht mehr zwischen Rockmusik, Popmusik, Orchestermusik, einer Blaskapelle oder einem Laubbläser. Wenn das Gehör gestresst ist macht es „dicht“, es kann zu einem Hörsturz kommen oder zu anderen Schäden im Ohrbereich, die den Hörnerv dauerhaft schädigen. Alles, was über 80 Dezibel laut ist, ist sozusagen „Gift“ für die Ohren. Ein schleichendes Gift…

Heißt das jetzt, dass wir nicht mehr fröhlich sein sollen? Nicht mehr Feiern? Oder nur noch genormt, mit 85 Dezibel für zwei Stunden Spaß, damit unseren Ohren nichts passiert? Mitnichten! Wir wollen weiter Blaskapellen hören und Partymusik, die weit über Zimmerlautstärke hinausgeht. Und, wenn wir Lust haben, mitsingen. Ob im Mezzosopran, in Alt oder mit krächzendem Gejohle oder auch im Flüsterton. Denn Feiern heißt Grenzen überwinden. Und das Oktoberfest gilt heutzutage nicht umsonst als weltweit größtes Volksfest: Hier werden Millionenfach Grenzen überwunden, dabei wird beim das Fass anschlagen nicht nur „O zapft is“ gerufen, sondern auch „friedliche Wiesn“ gewünscht. Das ist Völkerverständigung pur, auf bayerische Art.

Lärm

Ohren sind verletzlich

Laute Musik auf Konzerten oder Karnevalsumzügen, Trillerpfeife, Tröte & Co bei Sportveranstaltungen oder auf der Wies’n zum Oktoberfest, oder Schlagermove sind auditive Verstärker, die dem Ohr gefährlich werden können.

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Maß halten mit 7 smarten Ohrentipps

Und fröhliche, freudige und friedliche Wiesn, das wünschen wir auch allen Besuchern. Wie die Leber und der Magen das Fest überstehen, muss nicht weiter betont werden: Maß halten ist die Devise. Für die Ohren haben wir 7 smarte Ohrenstrategien zusammengestellt, um Ihren Wiesn-Besuch noch angenehmer zu gestalten:

  1. Verwenden Sie Ohrstöpsel - Töne, die lauter als 85 Dezibel sind, können Ihr Gehör dauerhaft schädigen. Die Lautstärke bei einer Blaskapelle sowie bei begleitenden Musikveranstaltungen kann 120 dB überschreiten. Selbst ein kurzer musikalischer Genuss mit Peaks im hohen Dezibel Bereich kann schädlich sein. Das Tragen von Ohrstöpseln hilft, das Volumen zu reduzieren.
  2. Abstand halten - Die Nähe zu den Lautsprechern kann Spaß machen, aber auch schädlich sein! Ohrgeräusche und Schmerzen sind erste Anzeichen dafür, dass man zu nah dran ist. Gehen Sie von den Lautsprechern weg, um Ihr Gehör zu schützen.
  3. Machen Sie eine Pause - Vor allem an den Wochenenden und am Feiertag, 3. Oktober, sind die Wiesn-Zelte sowie weitere Verkaufsstände überfüllt und extrem laut. Überfordern Sie Ihre Ohren nicht. Ihr Gehör wird Ihnen danken, dass Sie ab und zu eine Pause einlegen, indem Sie in ruhigere Ecken gehen.
  4. Outdoor-Locations auswählen - Im Außenbereich neigt der Schall dazu, sich viel besser zu verteilen als im Innenbereich. Die Lautstärke kann niedriger sein, deswegen ist es ratsam, immer mal wieder Außen-Locations aufzusuchen, damit die Ohren zur Ruhe kommen.
  5. Vermeiden Sie Distress - Positiver Stress (Eustress) ist gut, negativer Stress, auch Distress genannt, ist schlecht. Nicht nur für den Geist und die Seele, sondern auch für den Körper. Für viele Besucher artet das Oktoberfest als „Dauerparty“ aus. Auch, wenn Sie sich extra für die Wiesn Urlaub genommen haben, braucht ihr Körper auch hin und wieder eins: Erholung. Relaxen Sie im Hotel, der Pension, bei Freunden, oder gehen Sie im Englischen Garten spazieren.
  6. Schützen Sie Ihre Kinder - Auch, wenn Kinder gerne laut sind, sind Kinderohren besonders empfindlich. Sollten Sie mit Ihren Kindern an einem der beiden Dienstage auf die offiziellen Wiesn-Familientage gehen, achten Sie darauf, dass diese vor weiteren Lärm geschützt werden. Neben speziellen Kinderohrstöpsel, die es bereits für Kinder ab 3 Jahren gibt, empfehlen wir lustige, bunte Kapselgehörschützer.
  7. Lassen Sie Ihr Gehör überprüfen - Wenn Sie Musik lieben und gerne auch mal über Zimmerlautstärke hinaus hören, oder grundsätzlich mit Kopfhörern unterwegs sind, deren Pegel auf besonders laut gestellt ist, lassen Sie ihr Gehör regelmäßig überprüfen.

Wenn Sie Symptome wie Ohrensausen, Pfeifen oder sogar Schmerzen nach einem Wiesn-Besuch oder sonstigen Feierlichkeiten mit erhöhten Dezibel Werten haben, besuchen Sie einen Audiologen. Fachleute können jeden Grad von Hörverlust genau messen und mögliche Behandlungen vorschlagen.

Und jetzt wünschen wir Ihnen viel Spaß! Egal, ob Sie auf dem Original, dem Oktoberfest in München, feiern, oder in sechs weiteren Städten, die den bayerischen Charme samt Volksfest importiert haben. Auch in Frankfurt, Köln oder Hamburg heißt es: „O'zapft is!“

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