Interview

Pause vom Hören Warum Cochlea-Implantat-Träger manchmal eine "Hörpause" einlegen sollten

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: März 2020
In der Sammlung Freiheit
Lesedauer: 1 Minute

Die Audiotherapeutin Erika Bogár-Sendelbach erklärt, warum Menschen mit Cochlea-Implantat besonderen Wert auf ihre Pausen legen sollten.

Welche Rolle spielen die Pausen beim Hörtraining?

Vor allen Dingen am Anfang des Hörtrainings sind Pausen extrem wichtig. Denn beim Training sollen die Träger eines Cochlea-Implantats (CI) ja lernen, ohne Mundbild oder sonstige Zusammenhänge zu hören. Das ist sehr anstrengend und braucht sehr viel Konzentration. Wenn ich als Therapeutin einen Konzentrationsabfall, Nervosität oder offensichtliche Müdigkeit feststelle, lege ich daher eine kurze Pause ein.

Warum ist das so besonders anstrengend?

Viele CI-Träger waren vor der Implantation schon lange hörbeeinträchtigt und sind nicht mehr gewohnt, nur über das Ohr wahrzunehmen. Sie nutzen zum Beispiel auch das Mundbild des Gegenübers, um zu verstehen.

Zusätzlich ist das Implantat noch ungewohnt, das Hören funktioniert damit anders als früher. Das Wahrnehmen so vieler akustischer Signale und Reize, die zunächst nicht einmal benannt werden können, kann frustrierend sein. Ohne Pausen würden beim Hörtraining ständig Situationen entstehen, die den CI-Träger, der seine momentanen Hör-Grenzen erkennt, am Erfolg des Hörtrainings zweifeln lassen.

Gehör

Wie hört man mit Implantat?

Regelmäßiges Training verbindet die Implantat-Träger allmählich wieder mit der Welt des Hörens. Denn das Gehirn braucht Zeit, um sich an die neuen Eindrücke zu gewöhnen.

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Brauchen CI-Träger auch im Alltag mehr Pausen?

Anfangs sollten CI-Träger sicher auch im Alltag sehr auf Pausen achten. Da ist zwar das Hören nicht ganz so anstrengend wie im Hörtraining, denn im normalen Leben hat der CI-Träger meistens auch das Mundbild vor sich und kennt die situationsbedingten Zusammenhänge. Beides erleichtert ihm das Hören. Trotzdem ist auch im Alltag die Hörverarbeitung durch das CI ungewohnt. Man hat auch wieder viel mehr Höreindrücke als zuvor, wie das Papierknistern oder das Zischen beim Öffnen einer Flasche. Diese sind zum Teil lauter als zuvor. Da das Gehirn die Höreindrücke ständig mit der Hörerinnerung vergleicht, lernt es nach und nach, ungewohnte Höreindrücke zu akzeptieren.

Und wie gehen CI-Träger in der Praxis mit Pausen um?

Im Alltag ist es oft schwierig, einfach bei Bedarf eine sogenannte Hörpause einzulegen. Da muss jeder selbst schauen, wie er das meistern kann. Zum Beispiel, indem man ein Telefongespräch von einem Kollegen übernehmen lässt. Auch die normalen Arbeitspausen können dazu dienen, das Hören gleichsam „abzuschalten“. Ich kenne aber auch CI-Träger, die nach der Arbeit die Audioprozessoren ablegen, weil sie erst einmal Ruhe brauchen.

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