Artikel

Schwerhörigkeit, ein komplexes Thema Welche Arten von Hörverlust gibt es?

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: März 2021
In der Sammlung Hören
Lesedauer: 3 Minuten

Es gibt verschiedene Ursachen, Arten und Schweregrade, und alle diese Faktoren spielen bei der Suche nach der besten Behandlungsmethode eine Rolle. Der erste Schritt auf dem Weg zur optimalen Hörlösung ist es, die Art des Hörverlusts zu bestimmen.

Arten von Hörverlust

Das Ohr besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: dem Außenohr, dem Mittelohr und dem Innenohr. Abhängig davon, wo der Hörverlust seinen Ursprung hat, unterscheidet man vier Arten der Schwerhörigkeit: die Schallleitungsschwerhörigkeit (auch konduktiver Hörverlust genannt), die Schallempfindungsschwerhörigkeit (auch als sensorineuraler Hörverlust bezeichnet), die kombinierte Schwerhörigkeit und den neuralen Hörverlust.

Wenn Ihr Hörverlust vom Außenohr oder Mittelohr ausgeht, haben Sie eine Schallleitungsschwerhörigkeit.

Liegt die Ursache Ihres Hörverlusts im Innenohr, handelt es sich dabei um eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Der Begriff Innenohrschwerhörigkeit wird dafür ebenfalls verwendet.

Manche Menschen haben eine Kombination von Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit. Sie leiden an einer kombinierten Schwerhörigkeit. Je nach Schweregrad des Hörverlusts können Hörgeräte oder Hörimplantate helfen.

Wenn der Hörnerv beschädigt ist oder fehlt, kann der Schall nicht vom Innenohr ins Gehirn weitergeleitet werden. Dieser sogenannte neurale Hörverlust kommt sehr selten vor.

Was bedeutet Schallleitungsschwerhörigkeit?

Wenn der Schall auf seinem Weg im Außen- oder Mittelohr unterbrochen oder blockiert wird, gelangt er nicht mehr auf dem herkömmlichen Weg ins Innenohr.

Medizinische Probleme im Gehörgang, am Trommelfell oder den winzigen Knöchelchen im Mittelohr (Hammer, Amboss, Steigbügel) können eine solche Unterbrechung oder Blockade hervorrufen und zu einer Schallleitungsschwerhörigkeit führen. Menschen mit einem konduktiven Hörverlust hören Geräusche gedämpft und zu leise.

Die häufigsten Ursachen für Schallleitungsschwerhörigkeit

  • Gehörgangsentzündungen
  • Zuviel Ohrenschmalz im Gehörgang
  • Flüssigkeit im Gehörgang oder Mittelohr
  • Mittelohrentzündungen
  • Loch im Trommelfell
  • Deformiertes Außen- oder Mittelohr
  • Otosklerose (Verknöcherungen im Mittelohr)

Ein konduktiver Hörverlust ist oft vorübergehend und kann auf mehrere Arten behandelt werden: mit Medikamenten, Operationen, herkömmlichen Hörgeräten und Hörimplantaten.

Was bedeutet Schallempfindungsschwerhörigkeit?

Liegt die Ursache Ihres Hörverlusts im Innenohr, handelt es sich um eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Auch den Begriff Innenohrschwerhörigkeit findet man manchmal. Die Nervenzellen im Hörorgan des Innenohrs, der Cochlea ("Hörschnecke“), sind beschädigt oder fehlen. Da sie wie feine Härchen aussehen, werden sie als Haarzellen bezeichnet. Ihre Aufgabe ist es, den eintreffenden Schall in elektrische Impulse umzuwandeln und an den Hörnerv und von dort ans Gehirn weiterzuleiten. Je nachdem, wie viele Haarzellen beschädigt sind, ist die Innenohrschwerhörigkeit leicht, mittel, schwer oder hochgradig.

Audiogramm
© MED-EL

Die häufigsten Ursachen für Schallempfindungsschwerhörigkeit

  • Schädel-Hirn-Trauma, meist nach Unfällen
  • Schwere Krankheiten, z.B. Gehirnhautentzündung
  • Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft, z.B. Röteln. Diese können zu Gehörlosigkeit beim Neugeborenen führen.
  • Anatomische Veränderungen des Innenohrs
  • Ototoxische (= gehörschädigende) Medikamente
  • Lärm
  • natürlicher Alterungsprozess

Ein sensorineuraler Hörverlust kann auch mit Medikamenten und Operationen nicht geheilt werden. Je nachdem, wie schwer der Hörverlust ist, kommen Hörgeräte, Mittelohr- oder Cochlea-Implantate zum Einsatz.

Neuraler Hörverlust

Wenn der Hörnerv fehlt oder beschädigt ist, kann der Schall nicht vom Ohr ins Gehirn weitergeleitet werden. Betroffene leiden an einem neuralen Hörverlust. Neural heißt übersetzt "den Nerv betreffend". Experten verwenden dafür manchmal auch den Begriff retrocochleär, also "hinter der Cochlea gelegen". Diese Art von Schwerhörigkeit ist dauerhaft und hochgradig (Taubheit).

Die häufigsten Ursachen für neuralen Hörverlust

  • Tumor am Hörnerv
  • Fehlender oder deformierter Hörnerv

Die einzige Möglichkeit, einen neuralen Hörverlust zu behandeln, ist die Versorgung mit einem Hirnstammimplantat (kurz: ABI, Auditory Brainstem Implant). Es wird von einem Neurochirurgen direkt ins Hörzentrum des Gehirns implantiert. Andere Behandlungsmöglichkeiten wie Medikamente, Hörgeräte und auch Cochlea-Implantate helfen bei einer neuralen Schwerhörigkeit nicht.

Gehör

Online Hörtest

Wenn Sie vermuten, dass Sie schlecht hören, machen Sie einen kurzen Hörtest online. So erhalten Sie einen ersten Eindruck über Ihr Hörvermögen und Empfehlungen für weitere Schritte. Wenn Sie Ihr Gehör genau testen lassen möchten, wenden Sie sich an Ihren HNO-Arzt oder Audiologen. Sie suchen mit Ihnen gemeinsam auch eine passende Hörlösung.

Mehr erfahren
Schließen

Mehr aus der Sammlung Hören

Artikel

Externer Inhalt

Verwandte Sammlungen

Mehr aus der Sammlung

Explore Life bietet Ihnen eine bunte Vielfalt an Inhalten mit dem Schwerpunkt: Hören. Begeben Sie sich auf Erkundungstour durch Artikel, Interviews, Video-Material und mehr.