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Sharing Is Caring Warum helfen glücklich macht

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: April 2019
In der Sammlung Familie & Freunde
Lesedauer: 7 Minuten

Millionen von Menschen engagieren sich in Ehrenämtern und Freiwilligendiensten. Sie geben ihre Zeit, schenken ihr Know-how, fungieren als Mentoren, übernehmen Patenschaften, setzen sich für das Gemeinwohl ein. In der Nachbarschaft, in einer Partei, im Katastrophenschutz, in einer Religionsgemeinschaft, in sozialen Einrichtungen oder in bestimmten Projekten. Sie alle wissen: „Sharing ist Caring“, wer sich um andere kümmert, teilt, so die sinngemäße deutsche Übersetzung. Dank Digitalisierung und Internet geschieht dieses auch ortsungebunden, grenzübergreifend und gerne in Echtzeit.

Teilen, helfen, sich kümmern

Der Slogan „Sharing is Caring“ findet sich häufig: Auf Visitenkarten von Restaurants, beim Wissensaustausch und natürlich in den sozialen Medien. Die Heilsarmee, welche den Leitsatz bereits 1950 als Handelsmarke hat eintragen lassen, konnte damals nicht ahnen, welcher Siegeszug dieser Jahrzehnte später in der digitalen Welt antreten würde. Bedeutet dieser doch, dass etwas mit anderen zu teilen, das gleiche ist, wie sich um sie zu kümmern. Genial! Denn: Wer etwas mit anderen teilt, zeigt damit, dass er oder sie sich nicht nur um andere sorgt, sondern auch an ihrem Wohl interessiert ist, andere unterstützen möchte.

Da wären wir erneut beim Gemeinwohl – und beim Zusammenhalt. Beides ist wichtig. Gemeinwohl und Zusammenhalt gehören zusammen, sie sind ein unschlagbares Duo. Denn unsere Gesellschaft wäre um ein Vielfaches ärmer, wenn wir nicht Menschen hätten, die andere im Ehrenamt bzw. im Freiwilligendienst supporten würden. Dafür muss niemand ein berühmter Philanthrop wie Microsoft Gründer Bill Gates und Ehefrau Melinda Gates oder der IT-Tycoon Harro Plasser von SAP sein, um vom eigenen Wohlstand abgeben zu können.

„Hilf anderen und gib etwas zurück. Ich garantiere dir, dass du entdecken wirst, dass Wohltätigkeit die Menschen und die Welt um dich herum verbessert; doch ihr größter Lohn ist die Bereicherung und Bedeutung, die sie in deinem Leben bewirken wird.“ Arnold Schwarzenegger.

Freiwillig tätig sein ist "in"

In Deutschland engagiert sich laut Erhebung des Bundes fast die Hälfte aller Menschen über 14 Jahren in einer freiwilligen Tätigkeit. In Österreich sind ebenso knapp 50 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahren (das sind 3 Millionen Menschen) in irgendeiner Form unbezahlt freiwillig tätig und leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft sowie für höhere Lebensqualität. Dass anderen Menschen zu helfen glücklich macht, weiß natürlich auch die Psychologie, die unzählige Studien hierzu veröffentlicht hat. Aber ist das ein Wunder? Liegt es nicht doch irgendwie in der Natur des Menschen, über das Ego hinauszuschauen und den anderen zu sehen, sich um diesen zu kümmern?

Eine Frage der Ehre: Soziales Engagement

Zumindest in der abendländischen Tradition gehört der individuelle Beitrag zum allgemeinen Wohl unverzichtbar zum guten Ton, zu einem sinnerfüllten Leben. Egal, ob aus der Sicht der klassischen Antike oder der des Christentums. In der Stadtgeschichte der griechischen Antike wie auch im Römischen Reich war es beispielsweise Sache jedes männlichen Bürgers, sich für die Belange des Gemeinwohls zu interessieren und sich einzusetzen. Dazu gehört beispielswiese die Diskussion vor Gremien oder auf öffentlichen Plätzen. Ein berühmtes philosophisches Beispiel ist „Der Staat“, ein Werk des griechischen Philosophen Platon, indem über die Gerechtigkeit und ihre Möglichkeiten in einem idealen Staat diskutiert wird. Im Original heißt das Buch „Politeia“, von dem leitet sich unser Wort „Politik“ ab.

Eine weitere Wurzel für ehrenamtliches Engagement findet sich als christliche Tradition im Liebesgebot der Bibel. Was heute in vielen Teilen Nordeuropas als gesellschaftliche Selbstverständlichkeit gilt, sich nämlich der Armen und Kranken anzunehmen, wurde im Mittelalter durch verschiedene Ritterorden, zum Beispiel die Johanniter, geleistet. Die Ritterorden gründeten und unterhielten hierfür Spitale für Arme, Alte und Kranke und bahnten damit den Weg für eine moderne Sozialfürsorge, die allerdings noch einige Jahrhunderte auf sich warten ließ.

Interessant ist, dass der Athener Perikles bereits im 5. Jahrhundert vor Christus folgenden Satz formulierte: „Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger" – und feierte damit die speziellen Errungenschaften der attischen Demokratie, die wir mit Blick auf die Akropolis noch heute bewundern können. So einfach war das also: Wer sich nicht für das Gemeinwohl interessiert hat, ist ein schlechter Bürger. Fairer Weise muss hier gesagt werden, dass Frauen und Sklaven, die es sowohl in der griechischen Antike sowie im Römischen Reich zuhauf gab, mit wenigen Ausnahmen keine Bürgerrechte genossen. Das Gemeinwohl damit in den Händen von wenigen privilegierten Männern lag. Gut, dass auch das sich im Laufe der Geschichte geändert hat …

Freunde
Das Gefühl, nicht alleine zu sein, kann vieles heilen.
© Getty Images

Die neuen Helfer: HörPaten

Verlassen wir den Lauf der Geschichte mit den vielen Geschichten, und kommen wir zurück zur modernen Variante des „Sharing is Caring“. Selbstverständlich macht diese nicht bei Restaurants, den sozialen Medien oder der Wissensvermittlung halt, sondern diese umfasst auch ganze Industrien und einzelne Unternehmen. Firmen teilen per „Sharing is Caring“ Informationen mit ihren Kunden und Interessenten und freuen sich über Feedback. Stehen sich Firma und Kunde heutzutage doch auf Augenhöhe gegenüber, die digitale Evolution samt gestiegenem Bildungsniveau macht’s möglich. Als international tätiges Medizinunternehmen hat MED-EL dabei schon früh auf die direkte Kommunikation mit seinen Kunden und Interessierten gesetzt. Mit dem Projekt der HearPeers, der HörPaten, unterstreicht MED-EL seine Vorreiterrolle mit Vorbildfunktion.

Das internationale Projekt verbindet Menschen mit einem Hörimplantat, die als Mentoren fungieren, mit potenziellen Kandidaten für ein Hörimplantat. Aktuell gibt es Mentoren in England, Deutschland, Schweden und Russland. Weitere Länder folgen, sodass in Zukunft weitere HörPaten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen werden.

Direkter Kontakt zu CI-Nutzern

Was ist das Besondere an dem Projekt? Da wären zum einen die HörPaten. Alle Paten stehen ehrenamtlich als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie wissen aus eigener, oftmals leidvoller Erfahrung, was es heißt, hörgeschädigt zu sein und vor der komplexen Frage zu stehen, sich für ein Hörimplantat zu entscheiden. Sei es, weil sie selber Implantatnutzer sind oder Eltern von Kindern mit einem Hörimplantat. Sie haben ihre Erfahrungen bereits gemacht und wollen andere unterstützen, indem sie als Mentoren da sind, sich ehrenamtlich zur Verfügung stellen und den Interessierten ihre Fragen rund um das Leben mit Implantat beantworten. Und ihnen damit die Entscheidung und somit das Leben leichter machen.

Abnehmen können die Mentoren es allerdings nicht, aber sie können begleiten, an der Seite stehen, und die Möglichkeit eines Austausches geben, den Menschen, die nicht in dieser Situation stecken, schlecht geben können. Mit nur wenigen Klicks kommt man über https://www.hoerpaten.de/ zu seinem HörPaten: Fragen beantworten, Vernetzen, Hilfe erhalten.

Hörpaten Gruppenfoto
Die HörPaten stehen jederzeit für Fragen zum Thema Hörverlust und Hören mit Implantat zur Verfügung.
© MED-EL

Helfen heißt geben heißt Glücklichmachen

Teilen macht glücklich. Es gibt Gründe, warum es uns glücklich macht, anderen zu helfen. Zu guter Letzt seien drei genannt:

  1. Es stärkt unser Selbstwertgefühl. Wir machen dabei die Erfahrung, dass wir etwas bewegen können. Es geht nicht immer darum, die großen Dinge der Welt zu verändern, auch, wenn wir (noch immer oder immer wieder) davon träumen. Unsere Welt beginnt im Kleinen. Sie beginnt beim Nächsten. In der globalisierten Welt ist dieser nur wenige Klicks entfernt. Und wartet auf unsere Unterstützung.
  2. Anerkennung und Dankbarkeit. – Ok, Dank sollte man nicht erwarten, wenn man sich in den Dienst für jemanden anderen oder eine höhere Sache stellt. Aber es ist schön ein „Danke“ zu hören, wenn es kommt. Ein Lachen, ein glückliches Gesicht ist oftmals schon Dank genug. Oder zu wissen, dass man einem Menschen genau zu diesem Zeitpunkt mit der richtigen Information helfen konnte.
  3. Verbundenheit. Das ist eigentlich das Schönste, tief innerlich zu fühlen, dass man nicht allein ist, sondern Füreinander-da-Ist. Zu erfahren, dass da noch andere Menschen sind, gänzlich Unbekannte, denen das eigene Schicksal nicht egal ist. Diese starke Erfahrung stärkt das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Weil Schicksale vereinen. Weil auch das ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit gibt.

Was auch immer die HörPaten für eigene Beweggründe haben, sich in ihrem Ehrenamt bei MED-EL zu engagieren, so ist eines sicher: Sie tun es nicht aus einem Defizit heraus. Sie tun es, weil sie von ihrem inneren Reichtum, den sie haben, abgeben wollen. Die HörPaten opfern einen Teil, um anderen eine Freude zu machen, die Freude, als kompetenter Ansprechpartner und Ratgeber zur Seite zu stehen. „Nur der ist froh, der geben mag“, heißt es in Goethes Faust. Damit lässt es sich gut leben. Für alle Seiten.

Hörpaten

Die HörPaten

Es ist den HörPaten ein persönliches Anliegen, anderen Schwerhörigen beratend zur Seite zu stehen und ihre Erfahrungen zu teilen.
Lernen Sie das Hörpaten-Programm näher kennen.

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