Portrait

„Stille hören ist schön, gar nichts hören ist furchtbar“ José aus Argentinien konnte dank seiner Hörimplantate Französisch lernen

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Dezember 2019
In der Sammlung Freiheit
Lesedauer: 1 Minute

Josés Reise zum Hören

„Einfach großartig“ war es für José Luis Iguain, als er vor ca. 20 Jahren seine Cochlea-Implantate (CI) bekommen hat. Der Argentinier war der Erste, der in Lateinamerika bei einer einzigen Operation beidseitig implantiert wurde. Seit damals hat sich viel für den verheirateten Vater von vier Kindern verändert. Nur einen Monat nach der Implantation konnte José Sprache verstehen – und das, nachdem er 19 Jahre lang Lippen gelesen hat, um seinen Mitmenschen zu folgen.

Man könnte sein Leben in drei Abschnitte einteilen: Die Zeit als normal hörendes Kind; die Jahre ab dem Schicksalsjahr 1981, als er im Alter von 14 Jahren in Folge einer Blutvergiftung Antibiotika nehmen musste, die ihn ertauben ließen; und die Zeit seit der CI-Operation. „Zwischen 1981 und 2000 konnte ich andere ohne Lippenlesen kaum verstehen“, erzählt er. Er hatte auch Probleme zu telefonieren, Radio und Musik zu hören. Zwar fand er sich mit der Situation ab, dennoch war es nicht immer leicht, mit der Einschränkung zu leben: „Ich habe immer versucht, alles zu machen, aber manchmal war es harte Arbeit – für mich und für die Menschen um mich.“ Umso erstaunlicher, dass er sich binnen kürzester Zeit an das CI gewöhnte.

Wenige Monate nach der Implantation verbrachte der Physiker zwei Jahre als Postdoktorand in Paris. „Die Implantate haben mir sehr beim Französisch lernen geholfen“, sagt José, der gleich danach für ein weiteres Postdoktorat zweieinhalb Jahre nach Montreal ging. Heute arbeitet er als Professor an der Universidad Nacional de Mar del Plata in Argentinien und forscht in den Bereichen Kondensierte Materie und Statistische Physik.

„Die Implantate helfen mir extrem in meinen sozialen Beziehungen und meiner Unabhängigkeit“, sagt José. Er mag schlechter hören als eine gesunde Person, „aber der Unterschied ist gering. Ich verstehe Menschen in einer Sitzung, kann telefonieren, höre Musik, sehe fern, gehe ins Kino und ins Theater.“ 2013 musste ein Implantat ersetzt werden. Wieder mit beiden Ohren zu hören, bedeutet ihm viel: „Stille zu hören ist schön, aber gar nichts zu hören ist furchtbar.“

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