Essay vorgestellt

Über das Anderssein

Was heute „anders“ ist, ist morgen „normal“. Was gerade noch eine Beeinträchtigung war, ist jetzt die Chance auf ein kreatives und außergewöhnliches Leben. Unser Autor erzählt von seinem Sohn, der anders ist. Glücklicherweise.

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: 04.01.2018

Was heute „anders“ ist, ist morgen „normal“. Was gerade noch eine Beeinträchtigung war, ist jetzt die Chance auf ein kreatives und außergewöhnliches Leben. Unser Autor erzählt von seinem Sohn, der anders ist. Glücklicherweise.

Siebert Neethling von Siebert Neethling
In der Sammlung Kinder
Lesedauer: 1 Minute

Als die Beatles im November 1963 ihr Album „With the Beatles” präsentierten, verursachten sie damit einen großen Skandal: Das Cover zeigte die vier Stars mit Pilzkopf – einer für diese Zeiten überaus gewagten Haartracht. Sie waren anders. Weniger als sieben Jahre später kam mit „Let it be” ihr letztes Studioalbum auf den Markt. Auf dem Coverbild hatten die Beatles noch viel längere Haare. Niemanden kümmerte das mehr. Das „Anders“ war normal geworden.

Als Vater eines Kindes mit hochgradigem Hörverlust habe ich mich den Großteil meines Lebens mit Anderssein und Normalität beschäftigt. Ich habe mir gewünscht, dass James Freunde hat. Ich wollte, dass er dazugehört, dass er so „normal“ spricht und aussieht wie möglich. Doch genau das war das Letzte, was er brauchte; das haben meine Frau und ich glücklicherweise relativ bald erkannt.

Das Beste, was wir für James je getan haben, war, ihm dabei zu helfen, seine Stärken zu erkennen und sie zu entwickeln. Er liebt Musik, aber mit einem gehörlosen Ohr und hochgradiger Schwerhörigkeit im anderen hatte er Schwierigkeiten mit den Feinheiten der Töne. Doch er wollte Musik machen. James versuchte es mit der Klarinette und erkannte, dass das Instrument die Töne als Vibrationen in sein Kiefer leitete. Auf diese Weise konnte er spielen.

James’ wahre Leidenschaft aber ist die Kunst. Durch sie drückt er sein Anderssein aus. Eines Tages erhielt er die Aufgabe, ein Selbstportrait zu malen. Heraus kam ein einfühlsam gestaltetes Abbild seiner täglichen Anstrengungen, sich in der Schule zu konzentrieren. Es war anders als alle anderen Portraits seiner Mitschüler. Er gewann damit Preise, und sein Erfolg motivierte ihn, seine Individualität noch deutlicher auszudrücken.

Wer große Fähigkeiten besitzt, ist besonders. Dasselbe trifft auf Menschen zu, die gewisse Dinge nicht tun können; die nicht hören, nicht sehen oder einfach langsamer sind als der Durchschnitt. James könnte nicht normal sein – selbst wenn er es versuchte. Glücklicherweise wird er immer anders sein.

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