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Warum wir wirklich Neujahr feiern Das Geheimnis von erfolgreichen Neujahrsvorsätzen

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Dezember 2020
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Lesedauer: 4 Minuten

Silvester liegt bald wieder für ein weiteres Jahr hinter uns. Jedes Jahr wieder sind wir demselben Druck ausgesetzt: Wir müssen etwas Besonderes organisieren, unsere beste Kleidung tragen und Party feiern als gäbe es kein Morgen. Aber eigentlich ist es ja nur ein Temin in unserem Kalender, ein Datum, das jedes Jahr wiederkehrt. Warum also sind wir so auf diesen Tag fixiert?

Der rote Silvester-Faden

Der 31. Dezember signalisiert das Ende des Alten, den Start des Neuen und gibt uns eine Pause, um zu reflektieren. Was haben wir richtig, was vielleicht weniger richtig gemacht? Das Jahresende ist eine Zeit, um die Änderungen und die Hürden zu feiern, die wir überstanden und -wunden haben. Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, konstant durch die bewegte See zu navigieren und am Silvesterabend darauf anzustoßen, ein weiteres Jahr „überlebt“ zu haben.

Das Neujahrsfest ist für viele so signifikant, dass es rund um den Globus mit vielen Traditionen und Feierlichkeiten einhergeht. Ein roter Faden zieht sich allerdings durch alle kulturellen Variationen dieser:

  • Unglück abwehren (durch laute Geräusche und Feuerwerke): Schotten schwingen riesige lodernde Feuerbälle über ihren Köpfen, und Bewohner Dänemarks werfen alte Teller und Gläser gegen die Türen von Familie und Freunden, um böse Geister zu vertreiben.
  • Glück anziehen: In Spanien, zum Beispiel, werden zum Glockenschlag um Mitternacht 12 Trauben verzehrt. Eine Traube für jeden Monat im Jahr.
  • „Alles auf Anfang“: In Sibirien werden Bäume unter gefrorenen Seen und Flüssen gepflanzt während in Johannesburg, in Südafrika, alte Möbelstücke aus den Fenstern geworfen werden, um einen Neustart zu symbolisieren.
  • Das neue Jahr vorhersagen: Diese Tradition gilt als Favorit. In Deutschland wird dazu Blei in kaltes Wasser gegossen. Große Ereignisse, die im kommenden Jahr warten sollten, werden anhand der entstandenen Form gedeutet.

Ein Feiertag, der auf der ganzen Welt so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht und Abwechslung bietet, muss mit etwas zutiefst Bedeutungsvollem in der menschlichen Psyche verbunden sein.

© Getty Images

Entschlossen, Dinge besser zu machen

Die Tage rund um Neujahr gestalten sich oft als besonders nachdenklich. Es überrascht also nicht, dass es nach wie vor besonders populär ist, das vergangene Jahr zu reflektieren und gute Vorsätze für das kommende Jahr zu fassen.

Sei es weniger zu arbeiten und zu rauchen, mehr Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, bessere Noten zu schreiben oder mehr Geld sparen zu wollen. Es gibt keine bessere Zeit als Neujahr, um unseren Verstand darauf zu fokussieren, Dinge besser zu machen.

Vorsätze sind auch ein Beispiel für das menschliche Verlangen danach, Kontrolle über das Kommende zu erlangen. Die Zukunft ist beunruhigend unvorhersehbar. Wir wissen nicht was wir wissen müssen, um sicher zu sein. Um dieser Machtlosigkeit entgegenzuwirken, fassen wir Vorsätze.

Wie man Neujahrsvorsätze fasst und einhält

Leider gilt das Einhalten von Neujahrsvorsätzen bekanntermaßen als erfolglos. Eine Studie des britischen Psychologen Richard Wiseman aus dem Jahr 2007 kam zum Ergebnis, dass aus 3000 Menschen, die für ein Jahr begleitet wurden, 88% die Ziele ihrer Vorsätze nicht erreichten, obwohl 52% davon überzeugt waren, dass sie es schaffen würden, als sie sie fassten.

Am besten hält man seine Vorsätze ein, wenn man sich erreichbare Ziele steckt, die auch bedeutungsvoll sind. Vergangene Vorsätze blieben oft unerfüllt, weil sie nur gefasst wurden, weil andere (oder die Gesellschaft) uns einflößten, was wir ändern sollten. Oder, weil sie zu vage formuliert wurden und kein realistischer Plan zur Einhaltung der Vorsätze festgelegt wurde.

Charles Duhigg, Autor von “Die Macht der Gewohnheit”, rät in seinem Buch, eine Gewohnheit, die wir versuchen abzulegen, in drei Teile zu zerlegen: Stichwort bzw. Anreiz, Routine und Belohnung.

Wenn wir es schaffen, unsere Anreize herauszufiltern, können wir dort ansetzen, um unser Verhalten zu ändern indem wir alternative Wege finden, um an die Belohnung zu kommen – ohne in alte Muster und Gewohnheiten zu fallen.

Erfolg passiert nicht über Nacht

Wir müssen optimistisch bleiben, aber realistisch zugleich. Sich einen Plan zurechtzulegen hilft. Besonders dann, wenn man flexibel bleibt, sollte das Leben dazwischenkommen. Wir müssen nichts allein schaffen: Der Vorteil von Neujahrsvorsätzen ist, dass wir meist in bester Gesellschaft sind, wenn uns vornehmen unser Leben zu ändern – und auch dann, wenn wir es tatsächlich versuchen.

Wenn wir das erste Mal in alte Muster fallen, sollten wir es am besten einfach vergessen. „Wenn Sie es vermasseln, sollten Sie beim ersten Mal einfach so tun, als wäre es nicht passiert. Lassen Sie sich nicht auf diese negative Denkweise ein", so Duhigg. „Wachen Sie einfach am nächsten Tag auf und tun Sie so, als wären Sie nicht ausgerutscht, und fokussieren Sie sich auf das neue Muster, das Sie eigentlich fördern wollten. "

Das Wichtigste an der ganzen Sache? Freundlich zu sich selbst zu sein. Unsere innere Stimme kann manchmal ein sehr harscher Kritiker sein und oft lohnt es sich, sich vorzustellen, dass man ein Kind ermutigt, wenn man sich selbst ermahnt: Die ersten 20 Versuche, eine Änderung vorzunehmen, waren also erfolglos. Es gibt immer noch den 21. oder nächstes Silvester…

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