Interview

Wenn Hörverlust den Job gefährdet Eine Sprachpathologin mit Hörimplantat im Gespräch

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: August 2019
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Lesedauer: 4 Minuten

Als sich ihr Hörverlust verschlimmerte, fürchtete Sharon Hill, dass sie ihre Karriere als Sprachpathologin beenden müsste. Doch heute kann sie ihrer Arbeit wieder wie gewohnt nachgehen, dank EAS-System: Elektrisch-akustische Stimulation durch Kombination aus Hörgerät und Hörimplantat.

"Ich kann noch immer den Job machen, den ich liebe!"

Sharon Hill

Frau Hill, wann begannen Ihre Hörprobleme?

Ich entdeckte meinen Hörverlust während einer Routine-Untersuchung in meinen späten Zwanzigern. Das war ein Schock, denn ich hatte bis dahin keine Probleme bemerkt. Es gab auch keinen offensichtlichen Grund – ich habe keine familiäre Vorbelastung und war auch nie Fan von lauter Musik. Da der Hörverlust nur gering war, konnte ich ihn einige Jahre ignorieren. Aber langsam wurde er schlimmer.

Wie hat das Ihre Arbeit beeinflusst?

Hören ist ein wichtiger Teil meiner Rolle als Sprachpathologin und viele meiner Patienten sprechen leise oder undeutlich, zum Beispiel wegen eines Schlaganfalls oder der Parkinson-Krankheit. Mit der Zeit wurde das Arbeiten immer schwieriger. Auch Meetings wurden zur Herausforderung, da ich nicht allem, was gesagt wurde, folgen konnte. Also begann ich sie zu vermeiden – ich wollte nicht dumm oder unaufmerksam erscheinen. Zusätzlich hörte ich oft nicht, wenn ich gegrüßt wurde, und die Leute dachten, ich würde sie ignorieren.

Wann haben Sie zum ersten Mal Hilfe gesucht?

Ich erhielt mein erstes Hörgerät im Jahr 1997, aber ich erzählte meinen Kollegen, dass es gegen Tinnitus wäre – Ohrgeräusche, die ich tatsächlich auch habe. Ich wollte nicht zugeben, dass ich Hörschwierigkeiten hatte, da ich mir Sorgen machte, wie sich das auf meinen Job auswirken würde. Je weiter aber mein Hörverlust fortschritt, desto größere Hörgeräte brauchte ich, und schließlich gab ich meine Schwierigkeiten zu. Ich wünschte, ich hätte das schon früher getan, denn alle waren sehr verständnisvoll.

Wie hörten Sie vom EAS-System (Elektrisch Akustische Stimulation)?

Vor rund fünf Jahren sagte mein Audiologe, dass mein Gehör sich so weit verschlechtert hatte, dass ich vielleicht für ein Cochlea-Implantat (CI) in Frage käme. Und da ich die Vorteile von Implantaten bei einigen Patienten bereits kannte – sogar bei einem 90-jährigen Mann – war ich sehr interessiert.

Doch als ich zur Untersuchung ging, sagte man mir, dass mein Hörverlust nicht ganz ausreiche. Das war so frustrierend, denn damals hatte ich das Gefühl, dass mir nur ein Cochlea-Implantat ausreichend Hörleistung geben konnte, damit ich die Arbeit, die ich liebe, fortsetzen kann.

Da wurde mir vorgeschlagen, an einer klinischen Studie für ein EAS teilzunehmen, einem neuen System, das ein Cochlea-Implantat mit der Hörgeräte-Technologie verbindet. Es wurde für Menschen entwickelt, die hohe Töne nicht mehr hören können, tiefe Töne allerdings schon. Der CI-Teil ersetzt die hohen Töne, während der Hörgerät-Teil die tiefen Töne verstärkt und damit das noch vorhandene Gehör nutzt. Ich fand eine solche Studie an der Universität in Miami und erhielt mein Implantat im Jahr 2013.

MED-EL

Elektrisch-akustische Stimulation

Das EAS-System von MED-EL kombiniert die Technologie von Cochlea-Implantaten mit jener von Hörgeräten. Es ist ideal für Menschen mit partiellem Hörverlust geeignet, die hohe Töne nicht mehr hören können.

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Was hat sich in Ihrem Leben durch das Hörimplantat verändert?

Vor allem mache ich mir keine Sorgen mehr, dass ich meine Arbeit nicht mehr weitermachen könnte. Das ist eine große Erleichterung. Die Arbeit ist so viel einfacher – ich muss meine Patienten nicht mehr bitten, etwas zu wiederholen, was großartig ist. Vor meiner Implantation konnte ich den Personenalarm eines Patienten (Anm. der Red.: z.B. zum Rufen eines Pflegers) auslösen, ohne es zu hören, obwohl ich zwei Hörgeräte trug. Jetzt kann ich den Alarm sogar hören, wenn ich nicht einmal im Raum bin.

Aber es ist auch wunderbar, dass ich jetzt Geräusche hören kann, die mir früher nicht aufgefallen sind, wie das Klicken der Knöpfe auf meinem Handy oder die Blinker meines Autos. Dazu so schöne Geräusche wie Vögel und Grillen. Und mein Gehör verbessert sich noch weiter.

Was würden Sie jemandem raten, der ein EAS-System ins Auge fasst?

Ich würde die Menschen immer ermutigen, das als eine Möglichkeit zu erwägen. Wenn ich Leute sagen höre, „Oh, ich komme schon zurecht“, dann ist das so schade. Warum zurechtkommen, wenn du mit einem besseren Gehör aufblühen könntest? Uns entgeht so viel Schönheit auf der Welt, wenn wir nicht vollständig mit unserer Umgebung verbunden sind.

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