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Wissenswertes über Hörtests Welche Hörtests es für Kinder und Erwachsene gibt, wie sie ablaufen und was sie aussagen

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: Februar 2021
In der Sammlung Gesundheit
Lesedauer: 6 Minuten

Ihr Kind muss einen Hörtest machen? Ihr Arzt hat Ihnen zu einem Hörtest geraten? Welche Hörtests es für Kinder und Erwachsene gibt, wie sie ablaufen und was sie aussagen, lesen Sie hier.

Was heißt es, gut zu hören?

Prinzipiell gibt ein Hörtest an, wie gut Ihr Hörvermögen ist. Angeboten werden schnelle Online-Hörtests, die allerdings nur eine grobe Einschätzung Ihres Hörvermögens liefern. Gegebenenfalls erhalten Sie als Ergebnis die Empfehlung, einen Spezialisten aufzusuchen. Außerdem werden für jedes Alter, vom Neugeborenen bis zum Senioren, Hörprüfungen angeboten, die ein detailgetreues Bild des Hörstatus vermitteln.

Egal, welchen Hörtest Sie machen, alle sind schmerzfrei, risikolos und ohne Nebenwirkungen. Hier erfahren Sie alles, was Sie über die gängigsten Hörtests wissen sollten.

Verschiedene Tests, verschiedener Nutzen

Hörscreenings und -tests sind zur Beurteilung des Hörvermögens unerlässlich. In vielen Ländern werden Screeningprogramme für Neugeborene angeboten, manche Staaten haben diese auch schon für ältere Kinder eingeführt.

Man unterscheidet zwischen objektiven und subjektiven Hörtests. Objektive Tests und Screenings sind nicht auf das aktive Zutun der getesteten Person angewiesen. Daher werden sie vor allem bei Säuglingen eingesetzt. Für subjektive Hörprüfungen muss die Testperson aktiv mitarbeiten.

Neugeborenen-Hörscreenings (NHS) sind immer objektive Tests, einfach, schmerzfrei, nicht-invasiv und ohne Nebenwirkungen.

Objektive Hörtests

Objektive Hörtests werden immer dann durchgeführt, wenn Patienten nicht aktiv sagen können, ob sie einen Ton hören oder nicht.

1. Otoakustische Emissionen

Die häufigste objektive Testmethode für Neugeborene sind otoakustische Emissionen (OAE). Sie zeigen an, ob das Hörorgan im Innenohr, die Cochlea, funktioniert. OAEs sind „Echos“, die die äußeren Haarzellen der Cochlea als Reaktion auf einen leisen akustischen Reiz (meist einen Click-Ton) abgeben. Sobald ein akustischer Reiz die Cochlea erreicht, beginnen die äußeren Haarzellen zu schwingen und erzeugen ein kaum hörbares Geräusch, das zurück ins Mittelohr übertragen wird und dort vom Testgerät gemessen wird.

Wie funktioniert eine OAE-Messung? Eine winzige Sonde wird im Gehörgang des Säuglings platziert. Das Testgerät sendet leise Geräusche, die ein Echo des Innenohrs hervorrufen. Das ist der Beweis, dass das Ohr normal funktioniert. Die Reaktion wird am Computer erfasst.

Im Idealfall schläft das Baby oder hält ganz ruhig, um ein exaktes Messergebnis zu erhalten. OAE Messungen dauern nur wenige Minuten und sind sehr genau. Sie müssen nicht zwingend von Audiologen durchgeführt werden, auch geschultes Klinikpersonal kann Otoakustische Emissionen messen.

Das Ergebnis ist ein Bestanden oder Nicht bestanden, genaue Hörschwellen können mit OAEs nicht eruiert werden. Wenn das Screening auffällig war, werden weitere objektive Messungen durchgeführt.

2. Hirnstammaudiometrie (Automated Auditory Brainstem Respone (AABR) auch genannt Brainstem-Evoked Response Audiometry (BERA)

Zwei Namen, ein Test.

Ist eine OAE-Messung auffällig, wird in einem nächsten Schritt eine Hirnstammaudiometrie (kurz AABR oder BERA) durchgeführt. Diese objektive Hörprüfung misst die Reaktion des Hörnervs und Gehirns auf ein Geräusch. Die Hirnstammaudiometrie ist genauer als die OAE und misst die Hörschwellen der Testperson auf allen Frequenzen.

Die BERA ist eine sehr zuverlässige Hörprüfung, allerdings zeitaufwändiger als Otoakustische Emissionen. Dank der Automatisierung können BERA-Messungen mittlerweile nicht nur von Audiologen, sondern auch von geschultem Klinikpersonal durchgeführt werden.

Wie funktioniert eine BERA?

Weiche Kopfhörer werden im Gehörgang des schlafenden Babys platziert und Elektroden am Kopf angebracht, so wie bei einer EEG-Untersuchung. Über die Kopfhörer werden nun Klickgeräusche abgespielt. Die Elektroden am Kopf des Babys messen die Hirnströme als Reaktion auf die Geräusche. Unauffällige BERA-Ergebnisse sehen immer gleich aus. Umgekehrt bedeutet das, dass jede Abweichung vom normalen BERA-Muster oder eine fehlende Reaktion auf eine Hörstörung hindeuten. Die BERA-Untersuchung gibt außerdem genau an, wo die Ursache für die Hörstörung zu finden ist, ob im Innenohr oder im Hörzentrum des Gehirns.

BERA Untersuchungen werden häufig eingesetzt, um den Schweregrad des Hörverlusts bei Kindern und Erwachsenen festzustellen, bei denen subjektive Tests schwierig durchzuführen sind.

3. Testverfahren im Mittelohr

Gerade jüngere Kinder leiden häufig an Mittelohrentzündungen oder anderen Erkrankungen des Mittelohrs, die eine Schwerhörigkeit begünstigen können. Objektive Testverfahren im Mittelohr sind häufig eingesetzte und zuverlässige Methoden, um die Funktion des Mittelohrs zu prüfen.

Tympanometrie

Bei Verdacht auf eine Schwerhörigkeit, die vom Mittelohr herrührt, kommt ein objektives Testverfahren namens Tympanometrie zum Einsatz. Dieser Test prüft, wie beweglich das Trommelfell ist und liefert so ein Bild der Funktion des Mittelohrs. Bei einer Tympanometrie wird eine winzige Sonde in den Gehörgang eingeführt. Ein kleines daran angebrachtes Gerät sendet Luft ins Ohr. Das bewirkt Druckänderungen im Ohr und Bewegungen des Trommelfells. Das Ergebnis der Messungen wird im sogenannten Tympanogramm aufgezeichnet. HNO-Spezialisten können anhand seiner Form Rückschlüsse auf Hörprobleme im Mittelohr ziehen.

Stapediusreflexmessung

Bei lauten Geräuschen zieht sich ein winziger Muskel im Mittelohr, der Steigbügelmuskel (lat.: Stapedius), unwillkürlich zusammen. Bei der Stapediusreflexmessung wird eine Sonde in den Gehörgang eingeführt. Über diese Sonde wird ein lautes Geräusch abgespielt und die Reaktion des Stapediusmuskels aufgezeichnet. Der akustische Reflex hilft die Art und den Grad der Schwerhörigkeit zu bestimmen, wenn subjektive Tests nicht durchgeführt werden können.

Mädchen mit Ohrenmodell
© Getty Images

Subjektive Hörtests

Bei subjektiven Hörtests bewertet man die bewussten Reaktionen auf Geräusche. Dabei müssen die Patienten mitarbeiten. Bei einer subjektiven Hörprüfung spielt der Audiologe/die Audiologin Geräusche ab und beurteilt die darauf folgende Reaktion des Patienten. Das Ergebnis hilft, die Art und den Grad des Hörverlusts festzustellen.

Die drei häufigsten subjektiven Hörtests:

1. Reintonaudiometrie (RTA)

Bei der Reintonaudiometrie sitzt die Testperson in einem schallgedämpften Raum, während ihr Töne in unterschiedlicher Frequenz und Lautstärke vorgespielt werden. Sobald die Testperson den Ton wahrnimmt, gibt sie ein vereinbartes Zeichen (z.B. Hand heben, Knopf drücken,...). Die Audiologin zeichnet für jede Frequenz (umgangssprachlich als „Tonhöhe“ bezeichnet) den leisesten gehörten Ton auf. So entsteht eine Linie, die die Hörschwelle des Patienten für jede Frequenz angibt, das sogenannte Tonaudiogramm. Es vermittelt auch ein Bild darüber, wie gut das Außen-, Mittel- und Innenohr Schall verarbeiten. Die Reintonaudiometrie, die mit herkömmlichen Kopfhörern durchgeführt wird, misst die Luftleitungs-Hörschwellen. Bei Verdacht auf eine Schwerhörigkeit misst die Audiologin zusätzlich die Knochenleitung. Diese Messung gibt genau an, ob die Schwerhörigkeit im Außenohr, Mittelohr oder Innenohr ihren Ursprung hat. Das ist wichtig, denn die Art des Hörverlusts beeinflusst die notwendigen Behandlungsschritte.

Die Reintonaudiometrie für die Knochenleitung läuft fast gleich ab wie bei der Luftleitung. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Schall nicht über Kopfhörer dargeboten wird, sondern hinter dem Ohr am Kopf angebracht wird. Dadurch umgeht der Schall das Außen- und Mittelohr und geht direkt ans Innenohr. So kann die Audiologin die Innenohrfunktion des Patienten prüfen.

Die Reintonaudiometrie kann ab einem Alter von circa 5 Jahren durchgeführt werden.

2. Sprachaudiometrie/Sprachverständlichkeitstests

Die Sprachaudiometrie, auch als Sprachverständlichkeitstest bezeichnet, ist ein grundlegendes Instrument zur Diagnose von Hörstörungen. Bei der Sprachaudiometrie sitzt die Testperson mit Kopfhörern in einem geräuscharmen Raum und muss allgemein bekannte Wörter wiederholen. Diese Wörter werden in unterschiedlichen Lautstärken abgespielt. Der Audiologe definiert die sogenannte Sprachverständlichkeitsschwelle, also jene Lautstärke, die die Testperson mindestens benötigt, um Wörter zu verstehen. Der Audiologe notiert außerdem, wie viele der Wörter richtig waren.

Das Ergebnis von Sprachverständlichkeitstests liefert dem Audiologen Aufschluss darüber, wie gut ein Patient hört und versteht. Außerdem hilft es, die Art und den Grad des Hörverlusts festzustellen. Die Tests sind dem Alter angepasst und können ab etwa drei Jahren durchgeführt werden.

3. Verhaltensaudiometrie

Die Verhaltensaudiometrie wird vor allem für kleinere Kinder (von 0-3 Jahren) angewendet. Die Audiologin beobachtet die Reaktion des Kindes auf einen akustischen Reiz (ein Geräusch, Musik, etc.). Die Reaktionen der Kinder fallen oft unterschiedlich aus: sie unterbrechen ihr Spiel, beruhigen sich, drehen den Kopf oder schauen einfach nur überrascht. Jede Reaktion auf einen Schallreiz wird belohnt, etwa mit einem altersentsprechenden Bild, das erscheint. Das soll die Kinder zum aktiven Mitmachen motivieren. Die Verhaltensaudiometrie wird zusätzlich zu objektiven Hörtests durchgeführt.

Ein Teilbereich der Verhaltensaudiometrie ist die konditionierte Spielaudiometrie, die bei älteren Kindern (von 2-5 Jahren) häufig zum Einsatz kommt. In diesem Alter können sich Kinder schon länger konzentrieren und werden spielerisch zum Mitmachen animiert. Meist verwenden sie dabei zum ersten Mal Kopfhörer. Wie bei der herkömmlichen Reintonaudiometrie werden dem Kind Töne in unterschiedlichen Frequenzen vorgespielt. Sobald das Kind den Ton hört, wirft es einen Ball oder ein Spielzeug in einen Korb. Die Ergebnisse werden in ein Audiogramm übertragen, das ein gutes Abbild des kindlichen Hörvermögens ergibt.

Gehör

Online Hörtests

MED-EL bietet auf ihrer Webseite online Hörtests an. Diese Tests geben Auskunft darüber, ob man möglicherweise an Hörverlust leiden könnte oder nicht.

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