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Zwei Ohren gehören zur Grundausstattung Warum gut hören mit beiden Ohren natürlich und notwendig ist

Mehr lesen Zuletzt aktualisiert: November 2019
In der Sammlung Sound
Lesedauer: 4 Minuten

Funktionieren beide Ohren nicht, wird der Alltag zumindest mittelgradig kompliziert. Aber selbst wenn nur ein Ohr nachlässt, fehlt uns etwas. Das entscheidende Etwas.

Binaurales vs. monaurales Hören

Links oder rechts? Unten oder oben? Schall orten ist für Menschen mit zwei funktionierenden Ohren so leicht wie Fußballspielen für David Beckham. Wer dagegen nur mit einem Ohr hört, hat Schwierigkeiten, genau festzustellen, in welcher Ecke der Wohnung gerade das Mobiltelefon klingelt. Das gilt beispielsweise für all jene Menschen, die auf zwei Ohren schlecht hören, aber nur ein Hörgerät oder Hörimplantat tragen. Und für alle, die seit ihrer Geburt oder nach einem Hörsturz einseitig taub sind.

Binaurales Hören
© MED-EL

Alle, die zwei gesunde Ohren haben, können leicht selbst testen, wie die Welt mit einem Ohr klingt: Bitten Sie eine zweite Person im Raum, einen Gegenstand der Wahl zur Hand zu nehmen. Halten Sie sich ein Ohr zu. Augen schließen nicht vergessen. Jetzt bitten Sie Ihren Assistenten, den Gegenstand irgendwo im Raum fallen zu lassen. Versuchen Sie, zu orten, woher das Geräusch kommt. Machen Sie das Ganze dann noch einmal mit zwei offenen Ohren. Augen zu. Da gibt es einen Unterschied.

Die Frage, woher ein Geräusch genau kommt, lässt sich also nur mit zwei hörenden Ohren einwandfrei beantworten. Fachleute bezeichnen diese Fähigkeit als "räumliches Gehör" oder "Richtungshören". Entsteht ein Ton beispielsweise an unserer linken Seite, trifft der Schall am linken Ohr früher ein und kommt lauter an als am rechten, weil der Kopf den Schall auf dem Weg zur anderen Seite abschwächt. So entsteht der so genannte Schallschatten. Das Gehirn ermittelt aus all diesen feinen Informationen die Geräuschquelle, und wir können uns daran orientieren.

Gehör

Hören und der Zauber der Physik – Richtungshören

Die Grundvoraussetzung für das Richtungshören und somit das Orten von Geräuschen sind zwei Ohren oder zwei perfekt aufeinander abgestimmte Hörhilfen. Lesen Sie jetzt mehr auf Endlich Wieder Hören.

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Drei Gründe für zwei Ohren

  1. Die Lautstärke wird nahezu verdoppelt.
  2. Die Richtung der Geräuschquelle kann bestimmt werden.
  3. Mit zwei Ohren lassen sich Störgeräusche filtern und abschwächen.

Daher können wir unser Gegenüber auch in einem vollen Restaurant verstehen, in dem 17 andere Menschen simultan von ihrem Tag erzählen. Das funktioniert deshalb, weil Schallwellen in unterschiedlicher Stärke und in unterschiedlichen zeitlichen Abfolgen an unsere Ohren kommen. Das Gehirn ermittelt daraus, welches Signal erwünscht ist – und welches nicht. Musik übrigens ist mit zwei Ohren viel besser wahrnehmbar als mit einem: Sie klingt voller, breiter, nuancenreicher. Auch das können Sie testen, indem Sie einfach das Radio aufdrehen. Ein Ohr zu. Voilà.

Zwei Mädchen, die sich dabei helfen, über einen Zaun zu schauen
© Corbis

Sprechen fängt mit Hören an

Hören ist für den Alltag von Erwachsenen wichtig. Wirklich elementar aber ist es für Kleinkinder, die gerade erst beginnen zu verstehen, was der Vater da eigentlich redet und wie die Mutter ihren Tonfall verändert, wenn sie fröhlich ist oder müde. Das Kind lernt, die eine Geräuschquelle von der anderen zu unterscheiden; erkennt, dass Stampfen am Parkettboden anders klingt als im Gras, dass die Feder lautlos zu Boden fällt und das Bügeleisen mit einem ordentlichen Knall. Und das Gehirn lernt, Informationen von beiden Ohren wahrzunehmen und zu interpretieren. Mit jedem Stückchen Schall, den das kleine Gehirn aufnimmt, entstehen neuronale Verknüpfungen. So, wie es immer passiert, wenn wir lernen. Die Nervenbahnen im Gehirn wachsen, wachsen zusammen, werden stabiler.

Und da hat das Kind noch kein einziges Wort gesprochen.

Sprechen fängt mit Hören an. Nur wer hört, kann Lautsprache entwickeln. Zwei Ohren sind dafür ideal, aber im Grunde reicht auch eines – solange die Lernumgebung ruhig ist. Später, in der Schule, an der Uni, kann sich die Sache verkomplizieren, schließlich kommt es vor, dass Schulklassen laut sind und Hörsäle hallen. Beides macht das Verstehen der Vortragenden nicht immer leicht. Wer in solchen Fällen beide Ohren einsetzen kann, hat die Chance, das Entscheidende für sich herauszuholen.

Zwei Ohren, zwei Hörhilfen

Ist ein Mensch auf beiden Ohren schwerhörig, profitiert er von einer beidseitigen Versorgung mit Hörgerät oder Hörimplantat.

Vor allem bei Kindern entwickelt sich das in vielen Ländern zur gängigen Praxis. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass hochgradig schwerhörige Kinder von einem zweiten Gerät profitieren: Die Kinder lernen Hören auf natürlichere Weise als mit nur einem Implantat. Und das bewirkt, dass sie Sprache besser verstehen und sich verbal auch besser ausdrücken. Eltern berichten, dass ihre Kinder nach der Schule weniger müde sind, seit sie ein zweites Hörimplantat tragen.

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